Jahresbilanz der Einrichtung

Göttinger Giftinformations-Zentrum warnt vor dem Petermännchen

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Das Petermännchen: Dieser Fisch, der auch in Deutschland vorkommt, ist unscheinbar, aber giftig.

Ein Fisch macht den Experten des Giftinformationszentrums Nord (GIZ-Nord) in Göttingen Sorgen. Das zur Ordnung der Barsche gehörende und sich gerne in Strandnähe eingrabende „Petermännchen“ sorgt inzwischen vermehrt für Anrufe bei den Göttinger Experten.

Der unscheinbare Fisch trägt ein Gift in sich, das unter bestimmten Umständen sogar tödlich wirken kann. „Immer wieder kommt es an den norddeutschen Küsten zu Vergiftungen mit dem Petermännchen“, sagt Prof. Dr. Andreas Schaper. Entweder trete man im flachen Wasser auf den Fisch oder Angler verletzten sich beim Ablösen des Fisches vom Angelhaken. „Glücklicherweise gab es bisher keine tödlichen Vergiftungen“, bilanziert Schaper, einer der Leiter des GIZ.

Schmerzhafte Verletzungen

„Die Verletzungen sind ausgesprochen schmerzhaft und die Symptome können Wochen, Monate, in seltenen Einzelfällen sogar über Jahre anhalten. Die Therapie orientiert sich an den Symptomen, ein spezifisches Gegengift gibt es nicht“, ergänzt Dr. Martin Ebbecke, ebenfalls Leiter im GIZ-Nord in Göttingen.

Video: Was tun bei Vergiftungen

Die Einrichtung in der Uni-Stadt lässt mehr als 300 Fälle von Vergiftungen durch Petermännchen im Rahmen einer Doktorarbeit analysieren. Erste Erkenntnisse wurden bereits auf wissenschaftlichen Kongressen anderen Experten präsentiert.

Mehr als 42.000 Anfragen im Jahr 2018

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Anfragen bei den Göttinger Giftexperten erneut an: 2018 mussten sie in 42 692 Fällen helfen. Das waren vier Prozent mehr als 2017. „Die weiter gestiegene Zahl von Anfragen zeigt, wie groß der Bedarf an qualifizierter Beratung im Vergiftungsnotfall ist. Die Resonanz belegt aber auch, wie gut das GIZ-Nord in der Bevölkerung sowie in der Ärzteschaft bekannt und akzeptiert ist“, sagen Dr. Martin Ebbecke und Prof. Dr. Andreas Schaper, die das Zentrum seit vier Jahren leiten.

Für vier Bundesländer zuständig

Das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen ist zuständig für die vier Bundesländer: Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein.

Gift-Notruf ist rund um die Uhr besetzt

Das Giftinformationszentrum Nord (GIZ-Nord) in Göttingen ist rund um die Uhr besetzt und steht ständig für Anfragen bereit. Im vergangenen Jahr wandten sich besonders viele Mediziner an die Einrichtung. Aber auch Privatpersonen können sich jederzeit bei den Experten melden. Die Rufnummer sollte man möglichst sofort griffbereit haben. Man kann sie zum Beispiel am Kühlschrank anbringen. Die Göttinger Gift-Notrufnummer lautet 05 51/1 92 40.

Gefahren können überall lauern

Wenn es um Vergiftungen geht, dann sind die Experten aus Göttingen gefragt. An der dortigen Universitätsmedizin (UMG) ist das Giftinformationszentrum Nord (GIZ-Nord) zu finden.

Ob durch Pilze, Pflanzen, Putzmittel oder den Fisch Petermännchen verursacht: In Göttingen gibt es auf (fast) alle Fragen eine Antwort.

Und: Oft sind es die Dinge aus dem täglichen Umfeld, die besonders für Mädchen und Jungen gefährlich werden können. Die größte Vergiftungsgefahr für diese Altersgruppe geht insbesondere von Haushaltschemikalien und Arzneimitteln aus. Bei Erwachsenen überwiegen klar Vergiftungen mit Medikamenten.

Mit seinem Jahresbericht und der Erstellung detaillierter Spezialanalysen kommt das GIZ-Nord einer weiteren wichtigen Aufgabe nach: Es berichtet den Überwachungsbehörden und der Fachöffentlichkeit über das aktuelle Vergiftungsgeschehen.

In einigen Wochen haben die Experten wieder reichlich zu tun, wenn die Pilzsaison beginnt. Pilzunkundige werden dringend vor dem Sammeln und dem Verzehr einheimischer Wildpilze gewarnt.

Video: Vorsicht beim Sammeln von Pilzen

Die größte Gefahr gehe vom Grünen Knollenblätterpilz aus, sagte Gift-Experte Dr. Andreas Schaper. „Sie enthalten Zellgifte. Ihr Verzehr kann zu schweren Leberschäden und im schlimmsten Fall auch zum Tod führen.“ Das Tückische daran: Es besteht Verwechslungsgefahr mit verschiedenen Champignon-Arten, aber auch mit Täublingen.

Das GIZ-Nord war im vergangenen an insgesamt 15 wissenschaftlichen Publikationen beteiligt. Zahlreiche Einladungen zu internationalen Konferenzen zeigen, wie stark die Institution auch im internationalen Umfeld anerkannt ist. 37 Mal berichteten Mitarbeiter des Zentrums in Kliniken und auf wissenschaftlichen Kongressen über Themen wie Vergiftungen mit exotischen Gifttieren, mit Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS), mit Brand- und Rauchgasen sowie Vergiftungen im Kindesalter.

„Die Einbettung des Zentrums in das Pharmakologisch-toxikologische Servicezentrum der UMG mit seinen Laboren erweitert die Kompetenz des GIZ-Nord um die Möglichkeit von toxikologischer Analytik vor Ort ungemein“, betonen die beiden Leiter der Einrichtung, Prof. Dr. Andreas Schaper und Dr. Martin Ebbecke.

Weitere Informationen zum GIZ-Nord gibt es im Internet.

Kurzinterview: Lieber einmal mehr anrufen

Täglich beantworten die Experten des Göttinger Giftinformationszentrums-Nord (GIZ-Nord) durchschnittlich 115 Anfragen. Wir sprachen mit dem Leiter der Einrichtung, Prof. Dr. Andreas Schaper.

Wann sollte man das Giftinformationszentrum kontaktieren?

Wenn man sich Sorgen macht, dass man sich vergiftet haben könnte, sollte man anrufen. Und: Lieber einmal mehr als einmal zu wenig anrufen. Häufig können wir die Anrufer dann schon beruhigen.

Ist die Kennzeichnung von Medikamenten und Haushaltschemikalien ausreichend?

In der Regel ja. Die Hinweise sollten genau beachtet werden.

Ist die Auskunft beim Giftinformationszentrum kostenpflichtig?

Für die Bevölkerung ist die Beratung völlig kostenlos.

Wer finanziert sich die Göttinger Einrichtung?

Das GIZ-Nord ist eine Einrichtung von vier norddeutschen Bundesländern. Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen finanzieren das Projekt zum Teil.

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