Giftinfozentrum Nord beantwortet jährlich 37.000 Anfragen

Unterschätzte Gefahr: Reinigungsmittel oder ähnliche Substanzen sollten niemals in normale Getränkeflaschen gefüllt werden. Davor warnt das Giftinformationszentrum Nord. Archivfoto: Rink/nh

Göttingen. Zwischen 100- und 150-mal pro Tag klingelt beim Giftinformationszentrum Nord (GIZ-Nord) in Göttingen das Telefon.

Seit dem Start der länderübergreifenden Einrichtung im Jahr 1996 greifen immer mehr Ratsuchende zum Telefon, um sich Tipps bei den Göttinger Giftexperten zu holen.

Die Mitarbeiter des GIZ-Nord kennen sich mit Vergiftungen aller Art aus: Seit 20 Jahren ist das Giftinformationszentrum die zentrale Beratungsstelle für die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen. Am Montag hat die Einrichtung das Jubiläum mit einem Festakt in der Aula der Universität Göttingen gefeiert.

Gab es im ersten Jahr noch 15.000 Anrufe, sind es inzwischen mehr als 37.000. Knapp die Hälfte der Anrufer sind Ärzte. Auch viele Laien nehmen den Rat der Giftexperten in Anspruch. Häufig gehe es um akute Vergiftungsfälle bei Kindern, sagt der Toxikologe Dr. Martin Ebbecke, der das GIZ-Nord gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Andreas Schaper leitet.

Zu den „Klassikern“ gehören Vergiftungen durch Pflanzen, zum Beispiel durch den giftigen Goldregen. „Wir haben bereits wieder die ersten Fälle gehabt“, sagt Ebbecke. Meist haben Kinder die erbsenähnlichen Früchte genascht. Schon der Verzehr geringer Mengen kann zu starken Magen- und Darmbeschwerden führen. Eine andere große Gefahr für Kinder stellen chemische Produkte und Arzneimittel dar.

Die Göttinger Giftexperten registrieren jährlich mehr als 5000 Fälle, in denen Babys und Kleinkinder Reinigungsmittel und andere Chemikalien verschluckt haben.

Bei Erwachsenen sind viele Vergiftungen auf unvorsichtiges Verhalten zurückzuführen. Sind es im Herbst vor allem Pilzvergiftungen, kommt es in den Sommermonaten immer wieder zu lebensgefährlichen Vergiftungen beim Grillen - zum Beispiel, wenn Grillfans wegen einsetzenden Regens oder Kälte den glühenden Grill in die Garage stellen und nicht bedenken, dass beim Verbrennen von Holzkohle in Innenräumen Kohlenmonoxid entsteht. Das Tückische dabei: Kohlenmonoxid ist farb- und geruchslos, die Betroffenen ahnen nichts von der Gefahr. Jedes Jahr komme es zu mehreren derartigen Todesfällen, sagt Ebbecke.

Die Mitarbeiter des GIZ-Nord geben nicht nur Tipps, was man bei einem akuten Vergiftungsfall unternehmen sollte, sondern können auch innerhalb von zwei Stunden in ihrem Labor durch Spezialanalysen feststellen, welche Substanz die Vergiftung hervorgerufen hat. „Wir kriegen alles raus“, sagt Ebbecke.

Auch international ist der Rat der Göttinger Giftexperten gefragt, regelmäßig bekommen sie auch Anfragen aus dem Ausland.

Das Giftinformationszentrum-Nord ist rund um die Uhr unter der Notrufnummer 0551/19240 erreichbar.

Weitere Informationen: www.giz-nord.de

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