Traditionelle Veranstaltung

Gildenwahl in Göttingen: Handwerker haben viele Wünsche an die Politik

Speckkuchenprobe bei der Gildenwahl: (von links) Zimmererlehrling Dario Michaelis, Tischlergeselle Christian Staufenbiel, Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, Friseur-Auszubildende Afrodite Szep und Kreishandwerksmeister Christian Frölich.
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Speckkuchenprobe bei der Gildenwahl: (von links) Zimmererlehrling Dario Michaelis, Tischlergeselle Christian Staufenbiel, Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, Friseur-Auszubildende Afrodite Szep und Kreishandwerksmeister Christian Frölich.

Bei der traditionellen Gildenwahl des Göttinger Handwerks standen am Montag die Wünsche dieses Wirtschaftszweiges an die Politik im Mittelpunkt. Im vergangenen Jahr musste die Veranstaltung wegen der Corona-Krise ausfallen.

Göttingen – Kreishandwerksmeister Christian Frölich machte in seiner Ansprache deutlich, dass sich sein Berufsstand in der Krise einmal mehr als „Stabilitätsanker“ erwiesen habe. „All die Branchen, die trotz der Lockdown-Einschränkungen relativ unbeeinträchtigt weiterarbeiten konnten, das waren vor allem die Bau- und Ausbaugewerke“, sagte der Kreishandwerksmeister. Die Krise habe die Systemrelevanz des Handwerks unter Beweis gestellt. „Gebäudereiniger halten die Kliniken sauber, Bäcker, Konditoren und Metzger haben ihre Kunden durchgängig weiter versorgt“, so Frölich.

Er leitete mit Blick auf den Weg aus der Krise konkrete Forderungen ab: „In den kommenden Jahren braucht es eine Politik, die unsere Betriebe entlastet und stärkt: Steuern müssen zu verkraften sein, Sozialbeiträge nicht weiter ansteigen und Bürokratie darf unsere Betriebe nicht erdrücken“, macht der Kreishandwerksmeister deutlich.

Nadja Gilhaus, neue Obermeisterin

„Nur so sichern wir die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe, ermöglichen den Beschäftigten ein auskömmliches Nettoeinkommen und setzen Impulse für mehr Beschäftigung und Ausbildung.“ Frölich ist sich sicher: Nur mit einer starken Wirtschaft werde es möglich sein, die Klimaschutzherausforderung zu finanzieren und zu bewältigen.

Auch das Thema Digitalisierung mahnte Frölich an. Dazu gehört aus seiner Sicht die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet – und sprach mit Blick auf die aktuelle Situation von einem Trauerspiel. So sei es bis heute nicht möglich, dass Bauherren oder Mitarbeiter von bestimmten Baustellen schnell einmal ein Bild schicken, weil sie keine Internetverbindung haben.

Dorothee Hemme: Gewinnerin Holzapfel-Award

„Bei der Versteigerung der Lizenzen ging es nur um Milliardenerlöse, statt um eine Verpflichtung der Anbieter die Netze bis zur letzten Milchkanne zu gewährleisten.“ Frölich nannte noch ein weiteres Beispiel: So gebe es oft Probleme, öffentlichen Ausschreibungen herunterzuladen, weil es auf dem Dorf, in dem der Handwerker tätig ist oder wohnt, kein schnelles Internet gibt.

Ein weiteres zentrales Problem sieht Frölich im Fachkräftemangel. Deshalb fordert der Kreishandwerksmeister eine Offensive, um das Potenzial von jungen Leuten mit Migrationshintergrund zu heben.

Das bekräftigte auch der scheidende Göttinger Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, der später den Speckkuchen probierte: „Deutschland ist Zuwanderungsland.“

Alexander Graf Lambsdorff: FDP-Politiker und Bundestagsabgeordneter

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff wagte einen Ausblick auf die Regierungsbildung: „Wir müssen aus dem Lagerdenken heraus und uns an Projekten, Inhalten und Zielen orientieren.“ Gleichzeitig vertrat er die Ansicht, dass die künftige Regierung gute Arbeit geleistet habe, wenn sie so wie das Handwerk ist. (Bernd Schlegel)

Holzapfel-Award und neue Obermeisterin

Bei der Gildenwahl wurde Dr. Dorothee Hemme für ihre Forschungen zum Thema Handwerkerstolz mit dem Holzapfel-Award der Kreishandwerkschaft ausgezeichnet. Daraus entstand die Broschüre „Handwerkerstolz. Warum ein Handwerksberuf glücklich macht“. Die Ergebnisse können hier werden. Als neue Obermeisterin der Schneider- und Textilreiniger-Innung wurde Nadja Gilhaus vorgestellt. Weitere Infos zur Kreishandwerkerschaft gibt es hier. (Bernd Schlegel)

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