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Gildenwahl: Im Handwerk droht durch die Energiekrise eine Insolvenz-Welle

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Von: Bernd Schlegel

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Gildenwahl: Kreishandwerksmeister Christian Frölich lud Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt ein, den traditionellen Speckkuchen zu probieren. Die Auszubildenden (von rechts) Sören Gasch (Tischler), Julian Schlereth (Anlagenmechaniker) und Lennart Jäger (Zimmerer) servierten die Speise samt Korn.
Gildenwahl: Kreishandwerksmeister Christian Frölich lud Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt ein, den traditionellen Speckkuchen zu probieren. Die Auszubildenden (von rechts) Sören Gasch (Tischler), Julian Schlereth (Anlagenmechaniker) und Lennart Jäger (Zimmerer) servierten die Speise samt Korn. © Bernd Schlegel

Kreishandwerksmeister Christian Frölich sieht auf das Handwerk eine Insolvenz-Welle zurollen. Er warnt vor den drastischen Folgen.

Göttingen – Christian Frölich, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen, fand bei der Gildenwahl in Göttingen drastische Worte. „Auf das Handwerk rollt wegen der Energiekrise eine Insolvenz-Welle zu“, sagte er vor den etwa 200 Gästen im Alten Rathaus.

Handwerk in Schwierigkeiten: Enorme Energiepreissteigerungen

Viele Betriebe sind laut Frölich kurz davor, ihre Produktion einzustellen, weil „sie die enorm gestiegenen Energierechnungen nicht mehr bezahlen können oder gar keine Anschlussversorgungsverträge erhalten – und auch weil sich diese enormen Energiepreissteigerungen nicht mehr durch Preiserhöhungen kompensieren und an die Kunden weitergeben lassen“. Dabei treffe die Krise nicht nur Bäckereibetriebe.

Ein anderes Beispiel, das nicht auf den ersten Blick sichtbar wird, ist aus Sicht von Frölich die Baubranche. Durch das zum Jahreswechsel in Kraft tretende Importverbot für russisches Öl könnte es zu massiven Problemen beim Betrieb der inzwischen verstaatlichten Raffinerie in Schwedt kommen. Allein dieses Unternehmen stellt ungefähr ein Drittel aller wichtigen Bitumen-Vorprodukte für die Baubranche her, also Grundprodukte für Dachbahnen oder Asphaltprodukte.

Handwerk in Schwierigkeiten: Probleme in der Baubranche

„Schon jetzt fängt die Baustoffindustrie an, Öfen auszustellen und ganze Produktlinien herunterzufahren. Und: Ohne Baustoffe können wir nichts bauen“, brachte Frölich, der selbst ein Baugeschäft führt, die Situation auf den Punkt. Ähnlich wie Bäckereien und die Baubranche sind von der Energiekrise laut Frölich auch Galvaniseure, Textilreiniger, Kfz-Werkstätten, Fleischereien und Brauereien betroffen.

Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) machte mit Blick auf die Krise deutlich, dass momentan auch eine gute Zeit für den Wandel und die Transformation sei. Gleichzeitig sagte sie: „Ohne das Handwerk wird das Thema Nachhaltigkeit zur Luftnummer.“

Handwerk in Schwierigkeiten: Mittelstand wurde vergessen

CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann, Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, machte deutlich, dass die Bäcker zum Gesicht der Krise geworden seien. Der Mittelstand sei bei den Entlastungspaketen vergessen worden. (Bernd Schlegel)

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