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Glasproduktion in Südniedersachsen soll nachhaltiger werden

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Von: Michael Caspar

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Porträt IGR-Geschäftsführer Dirk Diederich.
Leitet den Verbund Glass-Valley: IGR-Geschäftsführer Dirk Diederich. © Michael Caspar

In Südniedersachsen formiert sich der Verbund Glass-Valley. Dirk Diederich, geschäftsführender Gesellschafter der IGR, engagiert sich.

Göttingen – Nachhaltiger und effizienter will das Bündnis Glass-Valley die energieintensive Glasindustrie in Südniedersachsen machen. „Die Preissteigerungen beim Erdgas führen derzeit aufgrund der energieintensiven Glasherstellung zu einem enormen Kostendruck“, sagt Dirk Diederich, der geschäftsführende Gesellschafter des Instituts für Glas- und Rohstofftechnologie (IGR). Sein Unternehmen leitet den Verbund von 17, überwiegend regionalen Firmen und Forschungseinrichtungen.

So ist ein Ziel des Glass-Valleys die Produktion effizienter zu machen. Durch den Einsatz von berührungslos arbeitender Messtechnik ließe sich zum Beispiel bei der Glasschmelze der Weiterverarbeitungszeitpunkt früher als bisher feststellen.

Der Verbund sucht zudem nach Alternativen zum wichtigen Rohstoff Soda. „Den Glasherstellern fehlen derzeit zehn bis 20 Prozent der eigentlich benötigten Mengen“, führt Diederich aus. Als Ersatz könnte Natronlauge dienen. Sie fällt bei der Wasserstoffherstellung aus Natrium an, das wiederum aus den Abwässern von Meerwasserentsalzungsanlagen gewonnen wird.

Diese werden bisher ins Meer geleitet, was zu Umweltproblemen führt. Wasserstoff aus Natrium wird bereits in der Seefahrt als Antrieb genutzt. Eine Firma, die in diesem Bereich tätig ist, gehört zu den Projektpartnern.

„Im Verbund geht es auch um die Entwicklung von Messtechnik, etwa um höherwertigere Linsen herzustellen“, führt Diederich aus. Die Glasprodukte sollen leichter, stabiler und sicherer werden. Künstliche Intelligenz in der Analytik könnte bei der Prozessüberwachung beim Vermeiden von Ausschuss helfen.

Auch um eine Verbesserung des Schutzes gegen Plagiate geht es. In der Restaurierung tätige Partner benötigen Messtechnik zur Untersuchung alter Gläser, die zum Beispiel bruchsicherer gemacht werden sollen. Sensoren könnten zur Erleichterung des Recyceln bei der Sortierung von Scherben helfen.

Glass-Valley hat sich zusammen mit gut 50 weiteren solcher Interessenverbänden beim Bundesministeriums für Bildung und Forschung um Mittel aus dem Förderprogramm Regionale unternehmerische Bündnisse für Innovation (Rubin) beworben.

Den Antrag erstellte das IGR gemeinsam mit dem Flachglasveredler Sollingglas, dem Institut für Nanophotonik Göttingen, der Fakultät Ingenieurswissenschaften und Gesundheit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst sowie der innos GmbH.

Neues Gebäude im Industriegebiet

Die Südniedersachsen hoffen auf 200.000 Euro, um ihre Ideen zu konkretisieren. Zur Umsetzung ihres Projekts beantragen sie rund zehn Millionen Euro. Das IGR, das den Verbund leitet, baut derzeit im Industriegebiet Grone an der Else-Krengel-Straße für vier Millionen Euro ein neues Institutsgebäude. Es verdreifacht dort seine Fläche auf 680 Quadratmeter. Die 19 Mitarbeitenden wollen dort Ende Juni einziehen. (Michael Caspar)

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