Tragikomödie über Emanzipation

Junges Theater Göttingen bringt „Fräulein Julie“ auf die Bühne

Eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung: Kristin (Fabienne Elisabeth Baumann, von links), Jean (Michael Johannes Mayer) und Julie (Dorothea Röger) treffen in „Fräulein Julie“ von August Strindberg aufeinander. Das Trauerspiel feiert am Freitag, 21. Januar, Premiere im Jungen Theater Göttingen.
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Eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung: Kristin (Fabienne Elisabeth Baumann, von links), Jean (Michael Johannes Mayer) und Julie (Dorothea Röger) treffen in „Fräulein Julie“ von August Strindberg aufeinander. Das Trauerspiel feiert am Freitag, 21. Januar, Premiere im Jungen Theater Göttingen.

Liebe und Sadismus, Träume und Realität, Macht und Unterwerfung, Aufstieg und Fall – Im Zentrum des Trauerspiels „Fräulein Julie“ von August Strindberg steht das Motiv des Konflikts und des Dualismus.

Göttingen - Die Adaption von Regisseur Mario Holetzeck feiert nun am Freitag, 21. Januar, am Jungen Theater in Göttingen Premiere. „Es ist bereits die dritte Premiere in Zeiten der Pandemie“, erklärte Intendant Nico Dietrich bei der Vorstellung des Stückes.

Holetzeck hat den Stoff des Skandalwerks aus dem Jahr 1888 modernisiert – so ist aus dem ursprünglichen naturalistischem Trauerspiel eine bissige, mitreißende und zuweilen launige Tragikomödie geworden, die den Zuschauer anregt, nachzudenken. Nachzudenken über das Aufbrechen gesellschaftlich bedingter Ketten und die Gefahr von Abhängigkeiten durch Rolle und Geschlecht.

Kampf um Unabhängigkeit als Thema

„Fräulein Julie ist eine Ode an das Aufstreben“, so der Regisseur. „Es dreht sich um Wohlstandsverwahrlosung und der Evolution des Frauenbildes.“ Das Stück handelt von der jungen Adeligen Julie (Dorothea Röger) und ihrem Kampf um Unabhängigkeit, der in einem schicksalsträchtigen Tanz in der Mittsommernacht gipfelt.

Ein Tanz in der hellsten Nacht des Jahres, der in einem Rausch voller Leidenschaft endet. Ein verzweifelter Kampf um Freiheit. Mit dabei sind Diener und Faktotum Jean (Michael Johannes Mayer) und dessen Gefährtin Kristin (Fabienne Elisabeth Baumann). Jean ist in seinen Rollen als Bediensteter und Lebensgefährte gefangen und kämpft gegen seine inneren Dämonen: Er wittert den sozialen Aufstieg und träumt von einem eigenen Hotel am Comer See. Er will ausbrechen.

Während Kristin im Originalstück eine eher untergeordnete Rolle spielt, macht Regisseur Holetzeck sie zur gleichberechtigten Protagonistin. Er gibt der Rolle mehr Raum und Charakter, was zu einer komplexen Dreiecksbeziehung des Protagonistentrios führt.

Eifersucht und sozialer Aufstieg

Alle drei haben eines gemein: Sie müssen sich Zwängen unterwerfen und leiden darunter. Seien es die Konventionen des Adellebens mit all ihren Privilegien und Pflichten, die den Alltag der jungen Julie prägen. Ein perfekter Nährboden der Faszination zu erliegen, die vom rebellischen Diener Jean ausgeht.

Dieser kann sich nicht mit seiner Rolle am Adelshof abfinden, strebt nach sozialem Aufstieg und nutzt seine Männlichkeit gepaart mit seinem Charme, um Macht über die junge Adelige auszuüben. Seine Partnerin Kristin lässt ihn widerwillig gewähren, doch das Spiel mit Eifersucht ist gefährlich. Muss es nicht letztlich unweigerlich auf eine Katastrophe zusteuern?

Emanzipation, Feminismus und Selbstverwirklichung

Holetzeck, jahrelang Hausregisseur am Staatstheater Kassel, erschafft mit dieser Konstellation eine Dynamik, die um die Themen Emanzipation, Feminismus und Selbstverwirklichung kreist. Moderne Songs und Klänge wechseln sich in der Inszenierung mit Fragmenten klassischer Klavierstücke ab, die die Schauspieler selbst spielen – zuweilen auch mit Hinterteil und Füßen.

Das Bühnenbild ist geprägt von einer circa 500 Quadratmeter großen Holzschräge, auf der die Geschichte im Auf und Ab der Darsteller ihren Lauf nimmt. „Das Leben ist manchmal auch schräg“, erklärt Dorothea Röger. Das Bühnenbild sei für die Schauspieler Herausforderung und Möglichkeit zugleich. Die Kulisse, wenngleich minimalistisch gehalten, verleiht der Handlung Mehrdimensionalität und führt die Akteure bis an die Kante – den Abgrund. (Raphael Digiacomo)

Informationen

Tickets sind an der Kasse des Jungen Theaters in der Bürgerstraße 15 erhältlich. Außerdem unter Tel. 0551 495 015 und auf junges-theater.de. Termine: 28. Januar, 5. und 10. Februar, jeweils 20 Uhr.

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