Umstrittener Wirkstoff

Glyphosat landet auf Bahngleisen im Landkreis Göttingen

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Der Bahnhof Göttingen aus der Luft: Die Deutsche Bahn setzt bei der Unkrautbekämpfung auf den Gleisen in der Region Spritzmittel mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein.

Die Bahn setzt zur Pflege ihrer Gleisanlagen in Stadt und Landkreis Göttingen auch Spritzmittel ein.

Dabei kommen auch Produkte zum Einsatz, die den umstrittenen Wirkstoff Glyphosat enthalten. Das kritisiert der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen). Er fordert die Bahn auf, die Verwendung zu stoppen.

Der Göttinger Abgeordnete hatte sich zuvor mit einer Anfrage zu den Spitzmitteln an Enak Ferlemann (CDU), dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium gewandt. Dabei kam heraus, dass die Bahn im Gebiet von Stadt und Landkreis Göttingen Ende Mai und Anfang Juni die Spritzmittel verwendet hat.

Verschiedene Spritzmittel im Einsatz

Im Bereich der Stadt Göttingen kam auch „Tender GB Ultra“ mit dem Wirkstoff Glyphosat als Unkrautbekämpfungsmittel zum Einsatz. Dabei wurden maximal zehn Liter je Hektar versprüht. Im Landkreis Göttingen benutzte die Bahn auch folgende Glyphosat-haltigen Spritzmittel: „GB Forte“ (maximal 7,5 Liter je Hektar) beziehungsweise „Glyfos Supreme“ (maximal acht Liter je Hektar).

Keine Vorab-Informationen

„Eine Information der Bevölkerung ist nach Auskunft der DB AG nicht vorgesehen und rechtlich nicht erforderlich“, schreibt Ferlemann an Trittin. „Das Mindeste wäre aber eine Information der Anwohnerinnen und Anwohner durch die DB im Vorfeld des Mitteleinsatzes gewesen“, sagt hingegen Trittin. Das Vorsorgeprinzip verlange, die Belastung beziehungsweise Exposition der Bevölkerung gegenüber dem Wirkstoff soweit als möglich zu minimieren.

Neues Forschungsprojekt

Weiterhin teilte Staatssekretär Ferlemann dem Göttinger Abgeordneten mit, dass das Eisenbahn-Bundesamt auf Initiative des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur ein Forschungsprojekt mit dem Titel „Entwicklung eines Alternativverfahrens zur chemischen Vegetationskontrolle auf Gleisanlagen“ ausschreibt. Damit solle eine „umweltfreundliche, chemiefreie Alternative“ zum Einsatz von Glyphosat erforscht werden.

Trittin übt Kritik

Trittin übt Kritik am Glyphosat-Einsatz: „Die Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation stufen Glyphosat als ,wahrscheinlich krebserregend für Menschen’ ein. Solange Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit bestehen, muss ein Anwendungsmoratorium für Glyphosat verhängt werden“, so der Abgeordnete, der die Deutsche Bahn auffordert, den Einsatz von Glyphosat zu stoppen, wie dies „Stadt und der Landkreis Göttingen dies bei eigenen Flächen schon beschlossen“ haben.

Hintergrund: Glyphosat wird auf viele Ackerflächen in Deutschland gespritzt

Glyphosat ist nach Angaben der Umweltschutzorganisation BUND das in Deutschland und der Welt am häufigsten eingesetzte Pflanzenschutzmittel. Nach Schätzungen der Umweltschützer wird es auf 40 Prozent der deutschen Ackerflächen eingesetzt. Glyphosat ist ein Breitbandwirkstoff. Es werden alle Pflanzen vernichtet, die nicht gentechnisch verändert wurden. Das Spritzmittel wurde in den 1970er-Jahren von der US-Firma Monsanto, die inzwischen zum deutschen Bayer-Konzern gehört, patentiert. Glyphosat gilt laut Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“. Umweltschutzverbände und Politiker fordern ein Glyphosat-Verbot

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