Goethe-Institut will in alte Voigt-Schule ziehen

Ehemalige Voigt-Schule an der Bürgerstraße, am Rande der Innenstadt: Dort will das Göttinger Goethe-Institut einziehen. Foto: Kopietz

Göttingen. Der Deal war in der Pipeline, jetzt ist er öffentlich: Das renommierte Goethe-Institut will das Gebäude der ehemaligen Voigt-Realschule an der Bürgerstraße in Göttingen kaufen. Ein möglicher Umzug des Städtischen Museums vom Ritterplan an die Bürgerstraße wäre damit vom Tisch.

Das gaben die Institutsleitung und Stadtverwaltung am Freitag bekannt. Das Goethe-Institut will das Haus umbauen und in eigener Regie führen, um seinen Bildungsbetrieb vom stadteigenen Fridtjof-Nansen-Haus an der Merkelstraße in das frühere Schulgebäude verlagern zu können. Eine Entscheidung über den Verkauf soll der Rat der Stadt noch im März treffen.

Mit dem Neustart will sich das Institut in der Uni-Stadt nach Angaben der Göttinger Leiterin Ulrike Hofmann-Steinmetz stärker „allen städtischen Aktivitäten und Initiativen“ öffnen. So soll der Austausch zwischen den Studierenden an dem Institut und der Göttinger Öffentlichkeitintensiviert werden. Die Aula und andere Räume im Goethe-Institut sollen zum „Bürger-Zentrum“, also öffentlich nutzbar werden.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) hatte in den vergangenen Wochen das Interesse des Goethe-Instituts bestätigt. Er begrüßt die Initiative und die Chance für das leerstehenden Gebäude. Dies sei eine hervorragende Möglichkeit, um den Standort Göttingen des Goethe-Instituts auf lange Sicht zu sichern, so der Verwaltungschef.

Köhler hat die Vorsitzenden der Ratsfraktionen und der CDU/FDP-Gruppe bereits über das Kaufinteresse informiert. Ziel des Oberbürgermeisters ist es, dass der Rat im März über den Verkauf entscheidet. Auch das Goethe-Institut, dessen internationale Studierende künftig in einem modernen Gästehaus wohnen sollen, ist an einer 2015 beginnenden Umsetzung des Projekts interessiert, sagt Leiterin Hofmann-Steinmetz.

Zur Nutzung der ehemaligen Schule an der Bürgerstraße hatte es unterschiedliche Ideen gegeben. So sollte das Gebäude an einen Bielefelder Investor gehen. Dieses Vorhaben scheiterte 2014.

Außerdem hatte der jetzige Oberbürgermeister im Wahlkampf ins Gespräch gebracht, das Städtische Museum vom Ritterplan in die alte Voigt-Schule zu verlagern. Ein Vorschlag, der heftig diskutiert und von Museumsfreunden kritisiert wurde. Im Herbst 2014 wohnten in der Voigt-Schule vorübergehend Studenten in einem Notquartier.

Unklar ist weiter die Zukunft der ehemaligen Baptisten-Kirche nebenan. Dort will der Verein Filmkunstfreunde ein Programmkino einrichten, sammelte 3000 Unterschrifte für das Projekt und verhandelt mit möglichen Betreibern. Ein fachkundiger Betreiber soll nach Auskunft der Filmkunstfreunde bereitstehen. Der Rat der Stadt hatte einem möglichen Verkauf an den Verein im Mai  2014 zugestimmt. (bsc/tko)

www.goethe.de

Drei Fragen an Oberbürgermeister Rolf-Georg-Köhler

Lange stand die alte Voigt-Schule an der Bürgerstraße leer, wurde um einen Verkauf und die Nachnutzung gerungen. Jetzt will das Goethe-Institut seinen Göttinger Standort dorthin verlegen. Thomas Kopietz sprach darüber mit Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD).

Herr Köhler, sind sie zufrieden über den geplanten Kauf der Voigt-Schule durch das Goethe-Institut?

Rolf-Georg Köhler: Ich bin sehr froh darüber. Auch, weil damit der Standort Göttingen des Goethe-Institutes gesichert wird. Es ist schließlich kein Beschluss auf lokaler Ebene, sondern wird getragen vom Vorstand.

Warum zieht das Goethe-Institut um?

Köhler: Es gibt mehrere Gründe: Das Fridtjof-Nansen-Haus und der angebaute Wohntrakt entsprechen laut der Verantwortlichen des Goethe-Institutes nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Bildungszentrum. Es müsste viel in die Substanz investiert werden. Und das Goethe-Institut investiert nicht in gemietete Gebäude. Außerdem will man näher an die Innenstadt, die Universität, den Bahnhof heranrücken.

Was geschieht mit dem jetzigen Sitz des Goethe-Institutes in der Merkelstraße im Ostviertel?

Köhler: Das Fridtjof-Nansen-Haus ist Eigentum der Stadt. Es ist aber noch zu früh, um über eine Nachnutzung oder einen möglichen Verkauf zu sprechen. Wir sind froh, das die Gespräche mit dem Goethe-Institut, die im Dezember begannen, so schnell zielführend waren. Das ging als sehr fix. Da muss man uns nachsehen, dass wir noch keine konkreten Pläne für das Fridtjof-Nansen-Haus haben. Der Umzug wird auch noch ein wenig dauern. (tko)

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.