Pünktlich zum 75. Vereinsgeburtstag

Göttingen 05: Aufstieg vor vierzig Jahren in die 2. Fußball-Bundesliga

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Kein Sieger im Spitzenspiel: 3500 Zuschauer sahen am 9. September 1979 im Maschpark das torlose Remis zwischen 05 und dem VfL Oldenburg. In dieser Szene schnappt sich der VfL-Keeper das Leder. Die Göttinger Harald Snater (li.) und Bernd Brendel (re.) kommen zu spät.

Der große Fußball macht seit vielen Jahren einen großen Bogen um Südniedersachsen. Doch das war nicht immer so. Denn einst sorgte Göttingen 05 bundesweit für Schlagzeilen. Insbesondere vor fast genau vierzig Jahren. Denn da gelang den Schwarz-Gelben der Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Bereits die Voraussetzungen für die Saison 1979/80 waren verheißungsvoll. Denn anders als in den Vorjahren verließ kein Leistungsträger den Klub vom Maschpark. Trainer Helmut Latermann konnte mit Harald Snater (TSV Grolland), Ulrich Thorke (Union Salzgitter), Karsten Böker (SC Paderborn) sowie Jörg Jander und Bernhard Schrader (beide eigene Amateure) zudem auf gute Neuzugänge bauen. „Das Ziel von mir, dem Verein und der Mannschaft ist die zweite Liga“, meinte Latermann vor dem Saisonstart.

Entsprechend selbstbewusst legten die 05er mit 11:3-Punkten und 14:1-Toren einen Traumstart hin. Nach der ersten Pleite beim 0:3 bei Union Salzgitter brachte die Göttinger aber völlig aus dem Rhythmus. Wenig souverän hangelten sich die 05er durch den Herbst und erst nach Weihnachten war das Selbstvertrauen wieder da. Durch einen 4:0-Sieg über die Amateure von Werder Bremen übernahmen die Südniedersachsen Anfang Februar 1980 erstmals die Tabellenführung, die aber zwei Wochen später nach einem 1:5 gegen Union Salzgitter schon wieder weg war. Torjäger Bernd „Bomber“ Brendel hatte die 05er zwar in Führung gebracht, eklatante Defensivschwächen und eine indiskutable Leistung sorgten aber für das Heimdebakel.

Pünktlich zum Saisonfinale zeigten die Göttinger aber Charakter. Anlässlich des 75. Vereinsjubiläums gastierte der große FC Bayern aus München im Göttinger Maschpark zu einem Freundschaftsspiel. Am 8. April sahen 8000 Besucher einen enttäuschenden Bundesligisten um den Torschützen Paul Breitner – und einen Drittligisten, der bei der 0:1-Pleite reichlich Selbstvertrauen für die weiteren Aufgaben tankte.

Durch einen 2:1-Sieg am vorletzten Spieltag beim VfL Wolfsburg und einen 2:0-Erfolg über den VfB Lübeck, bei dem 05-Torhüter Kurt Goetz einen Elfmeter hielt, sicherten sich die Göttinger hinter dem VfL Oldenburg die Vizemeisterschaft, die zu zwei Aufstiegsspielen gegen den Berliner Meister berechtigte.

Entscheidung in Berlin: Durch ein 1:1 beim FC Preußen gelang Göttingen 05 am 25. Mai 1980 der Aufstieg in die 2. Liga. Unser Foto zeigt das 05-Team um Ulrich Thor ke, Gerd Bohne, Detlef Wolter, Peter Koptula, Wolfgang Kellner, Thomas Bruns, Karsten Böker, Harald Snater, Carl Christian Dybowski, Kurt Goetz und Bernd Brendel vor dem Anpfiff. 

Gegen den BFC Preußen Berlin traten die 05er zuerst im Maschpark an. Dank eines verwandelten Handelfmeters von Detlef „Delle“ Wolter gab es vor der Saison-Rekordkulisse von 5300 Zuschauern einen glücklichen 1:0-Sieg. Überragender Göttinger war Heiner Schwarck. Der Aushilfslibero vertrat den verletzten Abwehrchef Wolfgang Kellner glänzend und legte nebenbei Preußen-Torjäger Fiedler an die Kette.

Im Rückspiel in Berlin-Lankwitz sahen die mitgereisten über 1000 05-Fans am 25. Mai zur kuriosen Anstoßzeit um 11 Uhr eine spannende Partie. Die Berliner Führung durch Rohlack (50. Minute) konterten die Göttinger zwölf Minuten vor dem Ende. Nach einem Freistoß von Thorke wuchtete Snater das Leder per Kopf unter die Latte zum 1:1. Als Schiedsrichter Möller die Partie um 12.48 Uhr abpfiff, gab es im schwarz-gelben Fanlager kein Halten mehr.

Grenzenloser Jubel: Nach dem 1:1 in Berlin gab es kein Halten mehr im 05-Fanlager. Hier wird der inzwischen verstorbene „Calle“ Dybowski geherzt.

Göttingen 05, das 1974 zu den Gründungsmitgliedern der 2. Liga zählte, war nach drei Jahren Abstinenz zurück in der Bundesliga – aber nur für ein Jahr. Denn wegen der Einführung der eingleisigen 2. Liga in der Saison 1981/82 blieb 05 in der Qualifikationsserie chancenlos. Der Grund: Die Platzierungen der Vorjahre flossen maßgeblich in die Punkte-Wertung ein. Für den Aufsteiger aus der Amateur-Oberliga ein riesiger Nachteil.

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