Zentrale Server können gehackt werden

Unterschriftenaktion in Göttingen: Ärzte lehnen zentrale Speicherung von sensiblen Patientendaten ab

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Sammelten Unterschriften: Ines Hidde (von links), Annette Apel, Carsten Heidrich und Carsten Henkel informierten in der Fußgängerzone über die zentrale Speicherung von Patientendaten und den Risiken.

„Keine zentrale Speicherung sensibler Gesundheitsdaten“ lautet die Forderung von Göttinger Ärzten, die in der Innenstadt über das Thema informierten und Unterschriften sammelten.

  • Ärzte informierten über das Thema in der Göttinger Innenstadt und sammelten Unterschriften.
    • Sensible Patientendaten sind schützenswert.
    • Wie die Vergangenheit zeigte, sind die Daten auf zentralen Servern vor Hackerangriffen nicht sicher.

    „Alle Ärzte, Physiotherapeuten, Apotheker und Krankenhäuser in Deutschland sind verpflichtet, sich miteinander zu vernetzen“, sagt Annette Apel, Zahnärztin und stellvertretende Vorsitzende der IG-Med. „Sämtliche Diagnosen und Patientendaten aller gesetzlich Versicherten sollen anschließend in elektronischen Patientenakten auf zentralen Servern privater Betreiber außerhalb der Praxen gespeichert werden“, so Apel weiter.

    Patientendaten sind schützenswert - zentrale Server können gehackt werden

    Patientendaten, Diagnosen und Befunde seien jedoch „besonders sensibel“ und deshalb auch schützenswert. „Daten auf zentralen Servern können gehackt, veröffentlicht, missbraucht, verändert und gelöscht werden“, so Apel. Das hätten die Hackerangriffe der vergangenen Jahre auf Regierungen, Banken und Politiker, aber auch Datenlecks der Gesundheitswesen in den USA, in Norwegen und Singapur in aller Deutlichkeit gezeigt.

    „Eine zentrale Speicherung der Daten ermöglicht zudem eine komplette Kontrolle von Patienten und Ärzten“, gibt Apel zu denken. „Und kein Arzt wird für die Einhaltung des Datenschutzes einmal freigegebener Daten garantieren können.“ Damit sei sogar die Schweigepflicht der Ärzte in Gefahr.

    Göttingen: Unterschriften für Gesetzesänderung

    Zahlreiche Ärzte und Physiotherapeuten haben diese Aspekte und Risiken nun abgeschätzt und bewusst gegen eine Bereitstellung von Patientendaten entschieden. „Obwohl sie verantwortungsvoll handeln, werden sie vom Gesetzgeber mit Honorarabzügen bestraft und es drohen weitere Sanktionen bis zum Entzug der Kassenzulassung“, sagt Annette Apel. Um das entsprechende Gesetz ändern zu lassen, werden Unterschriften für eine Petition an den Deutschen Bundestag gesammelt. 

    Göttingen: Sichere Kommunikation wünschenswert

    „Echte Fortschritte durch Digitalisierung in der Medizin sind sicher zu begrüßen“, sagt Apel. Eine sichere Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten sowie von Ärzten und Physiotherapeuten untereinander wären sogar wünschenswert. „Die zentrale Datenspeicherung und den Druck oder sogar Zwang, diese zu nutzen, lehnen wir aber strikt ab.

    Patientendaten ungeschützt im Netz

    Bereits im September tauchten Millionen Patientendaten ungeschützt im Netz auf. Sensible medizinische Daten von Millionen Patienten weltweit standen auf offen zugänglichen Servern im Netz, teils über Jahre hinweg.

    Auch die Frankfurter Uniklinik will weg vom Papier. Viele Patientenakten sind bereits elektronisch angelegt. 

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