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Aktivisten blockieren erneut das Weender Tor in Göttingen

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Von: Melanie Zimmermann

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Aktivisten des Bündnisses „Letzte Generation“ fordern bei einer Sitzblockade in Göttingen bezahlbaren ÖPNV und ein Tempolimit. Viele Autofahrer verlieren die Nerven.

Göttingen – So hatten sich viele Autofahrer ihren Montag (21.11.2022) sicherlich nicht vorgestellt: Am Mittag ging kurzzeitig am Weender Tor in Richtung Nikolausberger Weg nichts mehr. Grund: Aktivistinnen und Aktivisten des Bündnisses der „Letzte Generation“ blockierten die Kreuzung. Einige klebten sich sogar auf dem schneenassen Asphalt fest.

Gegen 12.20 Uhr betraten die insgesamt sechs Aktivistinnen und Aktivisten die Kreuzung Weender Tor in Göttingen, stellten sich vor den an der Ampel wartenden Autos auf und blockierten diese mit Bannern. Ihre Forderung: Ein Tempolimit von 100 km/h auf deutschen Autobahnen und bezahlbaren Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) für alle.

Für Tempolimit und bezahlbaren ÖPNV: Aktivisten von „Letzte Generation“ demonstrieren in Göttingen

Fordern Tempolimit und bezahlbaren ÖPNV: Aktivisten der Letzen Generation am Mntag in Göttingen auf der Kreuzung Weender Tor.
Fordern Tempolimit und bezahlbaren ÖPNV: Aktivisten der Letzen Generation am Montag in Göttingen auf der Kreuzung Weender Tor. © Zimmermann, Melanie

Der Unmut der blockierten Autofahrer ließ nicht lang auf sich warten. Einige versuchten zunächst, durch Hupen die Aktivisten dazu zu bringen, die Kreuzung freizugeben – erfolglos. Davon genervt fuhren schließlich einige Autofahrer mit ihren Wagen unerlaubt über die Verkehrsinsel, um so zu wenden und ihre Fahrt in Richtung Bahnhof fortzusetzen.

Ich habe einen Termin, ich stehe unter Zeitdruck. Demonstrieren finde ich super, aber das hier ist einfach nur Mist!

Autofahrer

Ein Mann nutzte sogar den Rad- und Fußgängerweg, um an der Ecke zum Vapiano an den Aktivisten vorbeizufahren – nicht ohne seinem Ärger durch das geöffnete Fenster lauthals Gehör zu verschaffen. „Ich habe da kein Verständnis mehr für“, sagte ein anderer Autofahrer, der sich zu Fuß auf den Weg zur Kreuzung gemacht hatte, um zu schauen, was genau dort los war. „Ich habe einen Termin, ich stehe unter Zeitdruck. Demonstrieren finde ich super, aber das hier ist einfach nur Mist!“.

Göttingen: Aktivisten kleben sich am Weender Tor an Asphalt fest – Oliven-Öl löst Kleber

Nach rund 20 Minuten traf der erste von insgesamt vier Polizeiwagen ein. „Hinsetzen“ rief eine der Aktivistinnen, kurz bevor die Beamten aus dem Wagen stiegen. Zwei von ihnen nutzten die Gelegenheit, um im sitzen jeweils ihre linke Hand mit Sekundenkleber auf dem Asphalt festzukleben.

Der mehrmaligen Aufforderung eines Beamten, die nicht angemeldete Blockade zu beenden, kam niemand nach. Und so räumten die Polizeibeamten schließlich die Kreuzung. Drei Aktivisten weigerten sich, aufzustehen – sie wurden von den Beamten auf den Bürgerstreig getragen, ein weiterer Aktivist räumte beendete schließlich freiwillig seine Blockade. Der Verkehr, der sich mittlerweile bis weit hinter den Bahnhof zurückstaute, konnte so schließlich wieder über eine Spur umgeleitet werden.

„Letzte Generation“-Demo in Göttingen: Polizei löst Sitzblockade auf

Komplizierter wurde es bei den beiden Teilnehmenden, die sich auf dem Asphalt festgeklebt hatten: Der inzwischen ebenfalls eingetroffene Rettungsdienst organisierte Oliven-Öl für die Hände – und dann hieß es erneut: warten. „Man sollte die Hände einfach abreißen“, schimpfte eine Fußgängerin, als sie an der roten Ampel wartete. „Wenn ich das sehe, bekomme ich eine richtige Hasskappe!“.

Räumung der Kreuzung durch die Polizie: Nur ein Aktivist stand freiwillig auf, der Rest wurde getragen.
Räumung der Kreuzung durch die Polizie: Nur ein Aktivist stand freiwillig auf, der Rest wurde getragen. © Zimmermann, Melanie

Merle Michaelsen ist eine der Aktivistinnen, die ihre Hand auf den Asphalt klebte. Auf die Reaktion der Menschen auf die Straßenblockade angesprochen angesprochen, sagte sie: „Natürlich kostet es mich eine unglaubliche Überwindung, durch das Unterbrechen des Alltags auf den Zusammenbruch des Klimas aufmerksam zu machen. Ich bin eigentlich auch gar nicht so ein Mensch.

Sie sei Ärztin und operiere – niemals hätte sie sich vorstellen können, mal eine Hand auf dem Asphalt festzukleben. „Aber meine Angst vor einer Zukunft für meine Kinder, die nicht mehr lebenswert ist, ist größer.“ Sie könne den Unmut verstehen, wisse sich aber nicht mehr anders zu helfen, als mit friedlichem Widerstand die Politik darauf aufmerksam zu machen, dass man geradewegs auf eine Katastrophe zuschlittere.

Nach insgesamt 40 Minuten war die Aktion der Letzten Generation beendet und der Verkehr lief normal. (mzi)

Verwandte Themen: Mit Sitzblockaden und Schildern haben Mitglieder der Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion in Göttingen gegen die aktuelle Klimapolitik demonstriert. Eine Gruppe von Umweltaktivisten hat für fünf Tage einen Hörsaal der Uni Göttingen besetzt.

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