Hörspielproduktion

Göttingen: Apex Kultur produziert Stück der stillen hunde als 3D-Hörspiel

Drei Männer sitzen in einem Theaterraum vor einer Bühne, auf den Tischen sind Kopfhörer zu sehen.
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Medienpremiere im Apex: Stefan Dehler (links) und Christoph Huber (rechts) sprachen gemeinsam mit Stephan Schmidt über die Hörspielproduktion „Die Besserung“, Hörproben inklusive.

Ungewohntes Terrain für die stillen hunde Stefan Dehler und Christoph Huber: Mit Produzent Stephan Schmidt produzierten die beiden Schauspieler „Die Besserung“ als 3D-Hörspiel.

Göttingen – „Die Besserung“ steht ab Samstag, 13. November, kostenfrei zum herunterladen auf verschiedenen Plattformen bereit. Das Hörspiel basiert auf dem gleichnamigen bekannten Bühnenstück aus der Feder von Stefan Dehler. Es schildert nach originalen Berichten überlebender Häftlinge des Jugend-Konzentrationslagers Moringen das Schicksal zweier als „asozial“ stigmatisierter Jugendlicher im nationalsozialistischen Deutschland.

„Seit 2009 spielen wir das Stück regelmäßig in Schulen“, erzählt Christoph Huber bei der Medienpremiere der fertigen Hörspielproduktion im Apex. Und schnell wird klar: Es war für die beiden Schauspieler gar nicht so leicht, von Bühnenpräsenz in den Hörspiel-Modus zu wechseln.

Die Idee zu dem Projekt, desssen Träger der Apex Kultur e.V. ist und das mit der Unterstützung der AKB-Stiftung aus Einbeck sowie in Eigenleistung finanziert wurde, habe es schon länger gegeben, so Huber. „Die erste Aufnahme sollte bereits im September 2020 stattfinden.“ Man habe den Termin jedoch immer wieder verschoben, auch wegen der Corona-Pandemie.

Im Mai dieses Jahres sei es schließlich soweit gewesen. Aufgenommen wurde in verschiedenen Räumlichkeiten im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Bovenden mit der Technik des „Ultra Authentic Audio Recording“.

Diese Aufnahme-Methode, bei der ein sogenannter Kunstkopf zum Einsatz kommt, sorgt für mehr Klang, mehr Räumlichkeit – und mehr Emotionen beim Hörer. „Bei dieser Form der Aufnahme-Methode wird hinterher nichts künstlich an Soundeffekten hinzugefügt“, erklärt Stephan Schmidt, Inhaber der Produktionsfirma friends of green sonic.

Keine nachträgliche Inszenierung des Hörspiels

Heutzutage würden Hörspiele inszeniert „und das hört man eben auch“, erklärt Schmidt. Bei der Aufnahme mit dem Kunstkopf werden kleinste Raumbewegungen und Geräusche miterzählt. „Die singende Amsel vor einem der Fenster hatten wir beispielsweise so nicht mit eingeplant“, sagt Stefan Dehler lachend. Aber auch sie sei zu hören.

Für die beiden Schauspieler war das Spielen ihres Stückes um den Kunstkopf herum eine echte Herausforderung. „Wir mussten Bewegungen, wie das einfache überreichen eines Briefes, völlig neu denken“, so Dehler. Sätze, die Christoph Huber beim Spielen vor Publikum normalerweise ironisch betone, klangen plötzlich „nicht mehr richtig“, sagt er. Sie mussten anders gesprochen werden.

Damit die Hörer die zeitlichen Übergange der Geschichte zwischen Gegenwart und Vergangenheit akustisch miterleben können, nutzte Produzent Schmidt das Mittel des klassischen Bühnenauf und -abgangs.

Die Mühe hat sich gelohnt. Das Endergebnis, die achte Schnittfassung, wie Schmidt verrät, nimmt den Zuhörer mitten in die Geschichte mit hinein. In das Büro, in dem die beiden Söhne sich über die Jugend-KZ-Vergangenheit ihrer Väter unterhalten. In das Untersuchungszimmer, wenn Dr. Ritter – die einzig wirklich existierende Person in dem Stück – einen der Jungen beurteilt, fühlt sich der Hörer, als stünde er direkt daneben. Damals, in Moringen, 1942.

Wer sich ein eigenes Bild der 3D-Hörspielproduktion machen möchte, bekommt bereits am Freitag, 12. November ab 17.30 bis 21 Uhr die Möglichkeit. Besucher können im Apex (Burgstraße 46 in Göttingen) an einer Reihe von Hörstationen einen Eindruck von Inszenierung und Raumklangqualität der Produktion.

Ab Samstag, 13. November, steht die Hörspielproduktion auf diversen Online-Portalen im Internet zum kostenlosen Download bereit. Die entsprechenden Links gibt es im Internet auf der Homepage stille-hunde.de. Für das volle Klangerlebnis empfiehlt Stephan Schmidt das Hörspiel über Kopfhörer zu hören, aber auch via Lautsprecher sei kein Problem. (Melanie Zimmermann)

Die Besserung - Handlung

Im Mittelpunkt des Klassenzimmerstücks „Die Besserung“ steht das Leben des vierzehnjährigen Franz, der 1942 bei den NS Jugendbehörden als „Herumtreiber“ und „Pubertätsversager“ aktenkundig wird und nach zwei Fluchtversuchen aus dem Jugendheim in das sogenannte „Jugendschutzlager“ Moringen überstellt wird.

Die Geschichte des Häftlings Franz ist eingebettet in eine Rahmenhandlung, in der zwei Söhne sich über das aus Scham von ihren Vätern lange verschwiegene Geheimnis der KZ-Haft austauschen.

Mühsam tragen sie das Wissen über die Geschichte des Jugend-KZ zusammen, über das sie in diesem Moment genauso wenig informiert sind wie die jugendlichen Zuschauer.

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