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Stadt Göttingen will neue Windräder erlauben

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Von: Stefan Rampfel

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Die Stadt Göttingen will neue Windräder erlauben. Doch an den Plänen der Stadtverwaltung zum Ausbau der erneuerbaren Energien gibt es Kritik.

Göttingen – Die Stadt Göttingen will bis 2030 klimaneutral werden. Dafür soll unter anderem der Strombedarf künftig aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Das wird im Klimaplan 2030 als wichtiges Ziel formuliert, der 2021 vom Rat der Stadt verabschiedet wurde.

Eine Fläche zwischen Weende und Nikolausberg eignet sich besonders für Windkraftanlagen. Doch an diesen Plänen gibt auch Kritik. Um das wichtige Ziel zu erreichen, klimaneutral zu werden, müssen mögliche Flächen im Stadtgebiet für verschiedene Formen der Energiegewinnung erkannt und auf ihre Eignung geprüft werden, darunter Photovoltaik, Solarwärme, Biogas, Geothermie und eben auch Windenergie.

Erneuerbaren Energien für Göttingen: Stadt will neue Windräder erlauben

So wie auf dieser Fotomontage könnte es bald auch oberhalb Göttingens bei Deppoldshausen aussehen.
So wie auf dieser Fotomontage könnte es bald auch oberhalb Göttingens bei Deppoldshausen – links der Sendeturm – aussehen. Im Hintergrund Nikolausberg (rechts) und Roringen (Mitte). (Fotomontage) © Stefan Rampfel

Dafür will die Stadt Göttingen jetzt einen „Teilnutzungsplan“ aufstellen, der für das gesamte Stadtgebiet gelten und den Mindestabstand von Windrädern zu Siedlungsflächen auf 600 Meter festlegen soll. „Mit diesen Maßnahmen wollen wir die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels aktiv verlangsamen“, sagt Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD).

„Außerdem möchten wir die Göttinger möglichst schnell und unabhängig mit Energie aus erneuerbaren Quellen versorgen.“ Es sei ihr daher ein wichtiges Anliegen, dass die dafür notwendigen rechtlichen Grundlagen in Göttingen durch die Aufstellung des Flächennutzungsplans getroffen werden, so die Verwaltungschefin.

Mit den Maßnahmen wollen wir die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels aktiv verlangsamen.

Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt

Mit dem Wind-an-Land-Gesetz des Bundes werden bisherige Regelungen zur Windenergie aufgehoben. Die Stadt will so vorgehen, dass die Belange des Klimaschutzes, des Landschaftsschutzes, der Land- und Forstwirtschaft sowie die Sicherung der Energieversorgung miteinander in Einklang gebracht werden.

Neue Windräder für Göttingen: Kritik an den Plänen der Stadtverwaltung

Das weitere Vorgehen, so die Stadtverwaltung, sieht – vorbehaltlich einer Zustimmung durch die politischen Gremien – vor, dass in einem Erneuerbare-Energien-Konzept die strategische Ausrichtung in Bezug auf alle erneuerbaren Energiequellen und die hierfür zu nutzenden Flächen entwickelt und festgelegt wird.

Für die Windkraft könnte auch eine große Fläche zwischen Weende, Nikolausberg und Deppoldshausen gehören. Bereits 2012 gab es in diesem Bereich erste Planungen für den Bau von sechs bis acht Windrädern mit einer Höhe von bis zu 210 Metern. Zum Vergleich: Der in der Nähe stehende Bovender Fernmeldeturm ist „nur“ 155 Meter hoch.

Damit Göttingen unabhängiger und sicherer agieren kann, müssten eigene Energiequellen geschaffen werden, sagen auch die Göttinger Grünen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Windräder im Stadtgebiet. Die Hochebene Deppoldshausen eigne sich in besonderer Weise für solche Windkraftanlagen, heißt es beispielsweise von den Grünen.

Experte zum Thema Windkraft ist Bundestagsabgeordneter Jürgen Trittin (Grüne).

Jürgen Trittin Bundestagsabgeordneter
Jürgen Trittin, Bundestagsabgeordneter der Grünen © Jelinek, Hubert

Drei Fragen an Jürgen Trittin:

Wie lange dauert ein Genehmigungsverfahren ?

Nach den alten rechtlichen Vorgaben rechnen wir zwischen fünf und sieben Jahren zwischen Antragstellung und Genehmigung. Wir wollen diese Zeit halbieren.

Wie viel Windkraft kann man schaffen?

Wir sind gehalten, zwei Prozent der Landesfläche zur Verfügung zu stellen. Das gilt auch für Göttingen.

Was sagen Sie zu den Gefahren für Vögel?

Es gibt den Nutzungskonflikt zwischen Tieren und Windrädern nicht wirklich. Wenn man einen Rotmilan sehen möchte, muss man auf die Dransfelder Hochebene gehen. Dort fliegt der Rotmilan zwischen Windrädern.

Artenschutz: Berücksichtigung und Prüfung der Umweltbelange nötig

In der Diskussion um Windkraftanlagen in Göttingen hatte die Biologische Schutzgemeinschaft (BSG) dem Fachdienst Stadt- und Verkehrsplanung der Stadt Göttingen bereits 2013, also vor fast zehn Jahren, eine Stellungnahme vorgelegt, die elf Potenzialflächen mit rund 180 Hektar auswies.

Die BSG stellte damals fest, dass sie der Windkraft grundsätzlich positiv gegenüberstehe, aber eine umfassende Berücksichtigung und Prüfung der Umweltbelange, insbesondere des Artenschutzes, nötig sei, da durch die Windrotoren vor allem Vögel und Fledermäuse stark gefährdet sind, insbesondere Eulen und Greifvögel, allen voran der Rotmilan.

Als sehr kritisch wurde damals vor allem die Fläche nahe dem Weender Ortsteil Deppoldshausen angesehen, weil hier auch Milane, Wanderfalken, Fledermäuse, Kraniche und Schwarzstorche leben und fliegen – künftig eventuell unter Lebensgefahr. (ysr)

Verwandte Themen: In Niedersachsen verläuft der Ausbau der Windenergieanlagen nur schleppend. Mehrere Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus Göttingen und Braunschweig arbeiten am „Rotorblatt der Zukunft“ für Windkraftanlagen. Ein Boykott der Gaslieferungen aus Russland würde auch im Landkreis Göttingen die Unternehmen und deren Deckung des Energiebedarfs treffen.

Erhitzte Stimmung bei Diskussionsrunde über Windkraftausbau in Deppoldshausen

Zu einer Informationsveranstaltung über einen möglichen Windkraftbau auf der Hochebene bei Deppoldshausen, zu der Stadtrats- und Ortsratsfraktion der Göttinger Grünen eingeladen hatte, kamen am Mittwoch als 100 Interessierte. In Vorträgen gingen der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Grüne), die Landtagsabgeordnete Marie Kollenrott (Grüne), Dr. Peter Schweiger (Internist, aktiv bei health4future) sowie Jörg Klapproth (Windkraft Diemarden) auf das Thema ein.

Die Fläche bei Deppoldshausen sei die windträchtigste im Stadtgebiet, naturschutzrechtlich aber die kritischste, sagte Heike Hauk von der Stadtratsfraktion der Grünen. Jürgen Trittin riet dazu, Windkraft als Chance zu sehen und die Planungen auf politischer Ebene schnell anzustoßen. Peter Schweiger berichtete, dass keine gesundheitlichen Auswirkungen von Windkraft auf den Menschen bestehen. In Hinblick auf den Klimawandel sei es vielmehr gesundheitsschädlich, keine zu bauen.

In der anschließenden Diskussionsrunde herrschte eine teils hitzige Stimmung. Besonders Bewohnerinnen und Bewohner aus Deppoldshausen waren gegen den Bau von Windkraftanlagen südlich ihrer Siedlung. Die Gegner brachten als Argument vor allem den Schutz der Vogelwelt ins Spiel. Festzuhalten bleibt, so Horst Roth von den Weender Grünen, dass man erst ganz am Anfang des Prozesses sei und zunächst Argumente für und gegen einen Windkraftausbau bei Deppoldshausen austausche. (ysr)

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