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Kritik an China: Auszeichnung für Präsidenten des Weltkongresses der Uiguren in Göttingen

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Von: Michael Caspar

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Der Präsident des Weltkongresses der Uiguren Dolkun Isa wird von der Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen mit deren Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet.

Göttingen – Deutschland sollte seine wirtschaftliche Abhängigkeit von China lockern. Das hat Dolkun Isa vom Weltkongress der Uiguren der Bundesrepublik mit Blick auf die Folgen von Russlands Krieg gegen die Ukraine geraten. Kongress-Präsident Isa ist von der Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen mit deren Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet worden.

Die Volksrepublik China, so Isa, sei ein autoritäres Regime, das vor Menschenrechtsverletzungen nicht zurückschrecke. Das erlebe sein Volk seit 1949. Damals habe China Ostturkestan erobert und sich als Provinz Xinjiang („Neue Grenzregion“) einverleibt. Seither sei durch gezielte Ansiedlung der Anteil der Chinesen an der Bevölkerung von fünf Prozent auf heute mehr als 40 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum sei der Anteil der Uiguren von 80 Prozent auf gut 40 Prozent gesunken.

Präsidenten des Weltkongresses der Uiguren Dolkun Isa in Göttingen geehrt

Hat seine Eltern in chinesischen Lagern verloren: Dolkun Isa, der Präsident des Weltkongresses der Uiguren.
Hat seine Eltern in chinesischen Lagern verloren: Dolkun Isa, der Präsident des Weltkongresses der Uiguren. © MICHAEL CASPAR

„Der Assimilationsdruck, den das Regime auf uns ausübt, hat unter Präsident Xi Jinping seit Mitte der 2010er Jahre erheblich zugenommen“, führt Isa aus. Bis zu einer Million Uiguren säßen nach Schätzung der Vereinten Nationen in Umerziehungslagern, wo es zu auch Zwangssterilisierungen komme. Zusammen mit den Tibetern seien die Uiguren die letzten beiden noch nicht im chinesischen Volk aufgegangenen nationalen Minderheiten.

Der Druck, den das Regime auf uns Uiguren ausübt, hat unter Präsident Xi Jinping seit Mitte der 2010er Jahre erheblich zugenommen.

Dolkun Isa, Präsident des Weltkongresses der Uiguren

Jeder demokratische Widerstand sei in der Volksrepublik unmöglich. „Um so wichtiger ist die Arbeit von uns Uiguren im Ausland“, erklärt Isa. Der 2004 gegründete Weltkongress vereine rund 40 Organisationen aus 20 Staaten. Die meisten Auslandsuiguren, mehr als eine Million Menschen, lebten in der turksprachigen Republiken Zentralasiens.

Sie könnten ihre Kultur dort frei pflegen. 50.000 Uiguren gebe es in der Türkei. Jeweils 15.000 Uiguren lebten in Europa und Nordamerika. Der Weltkongress mache mit Öffentlichkeitsarbeit und Demonstrationen auf die Lage der Uiguren aufmerksam. Mit der Unterstützung der Gesellschaft für bedrohte Völker äußerten sie sich auch in Gremien der Vereinten Nationen.

Uiguren-Vertreter äußert Kritik an China und rät Deutschland, seine wirtschaftliche Abhängigkeit zu lockern

„Die Volksrepublik versucht uns zum Schweigen zu bringen“, sagte Isa. Das Regime nehme in China lebende Familienangehörige von Aktivisten in Geiselhaft. Er habe Vater und Mutter in Lagern verloren. Auch seine Geschwister seien im Visier des Staatsapparates. Ein Kontakt zu ihnen werde von System unterbunden. Er erfahre von Dritten über das Schicksal seiner Familie.

„China setzt auch Länder, die sich auf unsere Seiten stellen, unter Druck“, berichtet Isa. Aus diesem Grund schwiegen die meisten islamischen Länder zur Unterdrückung ihrer uigurischen Glaubensbrüder. Die oft autoritär regierenden Staatschefs suchten den Schulterschluss mit China, das sie im Gegenzug unter anderem vor Kritik durch den Weltsicherheitsrat schütze.

Ein Göttinger Menschenrechtler hat im Vorfeld der Fußball-WM den Golfstaat Katar besucht. Die Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen hat vom Papst Wiedergutmachung auf seiner Kanada-Reise gefordert, dort waren tausende indigene Kinder misshandelt worden. Göttinger Menschenrechtler forderten von islamischen Verbänden Statement gegen Gräueltaten des Islamischen Staats (IS) – ohne Erfolg.

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