100 Jobs sollen verlagert werden

Betriebsrat von Asea Brown Boveri kämpft um Göttinger Arbeitsplätze

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Einsatz für Mitarbeiter: Bundestagsabgeordneter Fritz Güntzler (Dritter von rechts) informierte sich im Unternehmen ABB beim Betriebsrat über den geplanten Abzug von Arbeitsplätze. Mit dabei auch CDU-Stadtrat Olaf Feuerstein ( Zweiter von rechts)

Göttingen. Automationstechniker Asea Brown Boveri (ABB) will etwa 100 Jobs aus Göttingen ins britische Stonehouse und ostwestfälische Minden verlagern – die Mitarbeiter kämpfen.

Mitte November war die Belegschaft von der geplanten Umstrukturierung des Unternehmens informiert worden. Betroffen ist die Fertigung von Durchflussmessgeräten. Den Entschluss des Unternehmens hält Betriebsratsvorsitzender Thomas Ahrens für fatal: „Dass die Fertigung des induktiven Durchflussmessers verlegt werden soll, ist aus unserer Sicht eine Katastrophe und ein großer Fehler.“

Der Betriebsrat hält diese Entscheidung für sozial unverträglich und kontraproduktiv für die Zukunftsausrichtung. Sein Argument ist unter anderem, dass durch eine Verlagerung der Fertigung nach Stonehouse ein Umsatz von rund 50 Millionen Euro in Deutschland wegfallen würde. „Außerdem sind wir auf längere Sicht hier in Göttingen als Werk nicht mehr überlebensfähig, wenn wir unser Brot- und Butterprodukt nicht mehr produzieren“, so Ahrens. Daran ändere seiner Auffassung nach auch der Plan der Unternehmensleitung nichts, Göttingen zum Service- und Kompetenzzentrum machen zu wollen. „Schließlich gehört die Entwicklung in unmittelbare Nähe der Produktion“, so Ahrens weiter. „Und da das nicht mehr gegeben sein wird, ist es nur eine Frage der Zeit, wenn der Standort Göttingen komplett geschlossen wird.“

Die weltweite wirtschaftliche Entwicklung des globalen Bereiches „Measurement & Analytics“ hatte nach Angaben des Unternehmens zu der Entscheidung geführt, das Geschäft an allen Standorten zu überprüfen. Grund für die Entwicklung seien vor allem rückläufige Investitionen der ABB-Kunden in verschiedenen Marktsegmenten, vor allem im Bereich Öl und Gas.

„Bis vor fünf Jahren waren wir breit aufgestellt und in verschiedenen Märkten vertreten“, sagt Thomas Ahrens. Doch dann sei die Strategie gewechselt worden und man habe auf die Bereiche Öl und Gas gesetzt. „Weil die Preise dort aber nicht wie erwartet stiegen, rutschte das Unternehmen Ende 2013 in die Verlustzone.“

Gemeinsam mit dem Standort Minden haben die Göttinger jetzt eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die mit einer Wirtschaftsberatungsgesellschaft ein Zukunftskonzept erarbeiten wird. Dies soll Ende Januar vorliegen. Bei einem Gespräch mit dem gesamten Betriebsrat versprach der Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) am Freitag, sich in enger Zusammenarbeit mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann für den Erhalt der Arbeitsplätze einzusetzen.

„Um ein zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln, ist die Kooperation zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung Grundvoraussetzung“, betonte Güntzler. Weitere Gespräche mit dem Bundestagsabgeordneten sind im Januar nach Vorlage des Zukunftskonzeptes geplant.

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