„Göttingen hat ein Bild von mir“

Wolfgang Niedecken über Afrika und Zelten vor der Göttinger Stadthalle

Nachdenklich und gereift: Auf seiner neuen BAP-Tour wird es wird viel zu erzählen, mitzuerleben und nachzufühlen geben, kündigt Wolfgang Niedecken an.
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Nachdenklich und gereift: Auf seiner neuen BAP-Tour wird es wird viel zu erzählen, mitzuerleben und nachzufühlen geben, kündigt Wolfgang Niedecken an.

Göttingen. Akustisch, nah und mit einem neuen Programm - so tritt BAP-Sänger Wolfgang Niedecken bei seiner Unplugged-Tour an. Am 1. Juni können sich auch die Göttinger Fans auf neue Interpretationen altbekannter Songs freuen: Für eines seiner ausgewählten Konzerte kommt er in die Göttinger Lokhalle.

Neben seiner Tätigkeit als Sänger, Gitarrist und Komponist einer der erfolgreichsten deutschen Rockbands der letzten dreißig Jahre, schwingt der mittlerweile 63-Jährige auch gerne mal den Pinsel, schreibt Bücher oder engagiert sich für diverse Hilfsprojekte. Doch das hohe Tempo seines Lebens geht auch an einem Niedecken nicht spurlos vorüber: Keine drei Jahre ist es her, da erlitt der Kölschrock-Erfinder einen Schlaganfall. Jetzt steht er schon wieder auf der Bühne und ist unterwegs auf großer Deutschlandtour.

Herr Niedecken, gleich geht’s zum Soundcheck für den Auftritt in Freiburg, zwischendrin folgt ein Interview dem Nächsten, morgen geht’s weiter nach München - ist das nicht ziemlich stressig? 

Wolfgang Niedeken: Ach - das ist nicht wirklich Stress. Stress geht anders. Im Vergleich zu früheren Zeiten ist das eine Lachnummer und ganz entspannt. Da pass’ ich schon auf.

Dann bin ich beruhigt. Dann können wir loslegen. Ich will auch gar nicht viel über das Thema Schlaganfall sprechen, aber Sie sagten, Sie teilen das Leben in die Kategorie davor und danach. Was hat sich danach geändert? 

Niedeken: Dazu wurde ja eigentlich auch schon alles gesagt. Was mir aber erst jetzt ganz bewusst geworden ist, ist, dass erst der Schlaganfall diese Tour ermöglicht hat. Erst dadurch hatte ich die Zeit für das Soloalbum und die Planung der Tour. Denn man glaubt gar nicht, wie viel Kalkulation und Aufwand in der Umsetzung einer Akustik-Tour stecken.

In der Tour-Ankündigung heißt es, die neuen Arrangements und die veränderten Klangfarben führen den Songs neue inhaltliche Dimensionen zu. Plötzlich verwandelt sich Wut in Melancholie. Wie ist das zu verstehen? 

Niedecken: Man wird gelassener durch die Jahrzehnte. Nimmt einen anderen Blickwinkel ein und springt nie zweimal in den selben Fluss. Das ist unglaublich erholsam. Und zu Gelassenheit passen röhrende Gitarren nur bedingt - also wird der Stecker gezogen, und so ändert sich nicht nur der Klang, sondern auch die Emotion.

Es wird viel zu erzählen, mitzuerleben und nachzufühlen geben, heißt es in der Ankündigung weiter - was erwartet die Fans? 

Niedeken: Ich bezeichne mich gern als hauptberuflichen Geschichtenerzähler. Deshalb ist auch die Stückauswahl zur Tour eine fließende Geschichte und entspricht einer idealen Mischung. Geschichten aus dem Leben.

Handelt eine dieser Geschichten oder besser gesagt Songs auch von ihren Erfahrungen in Afrika? 

Niedecken: Allerdings - das Stück „Noh Gulu“ erzählt von diesen Eindrücken: Dem Leben der ehemaligen Kindersoldaten und von Mädchen, die zur Prostitution gezwungen wurden.

Wie kam es, dass Ihnen das Thema so am Herzen liegt? 

Niedeken: Ich war 2004 zum ersten Mal in Nord-Uganda und habe den Bürgerkrieg erlebt. Seit ich in die traurigen Augen eines kleinen Mädchens dort blickte, konnte ich sie nicht mehr vergessen. Seitdem versuche ich ganz fokussiert zu helfen. Um den sinnlichen Draht nicht zu verlieren fahre ich einmal jährlich in Einrichtungen in Uganda oder den Ost-Kongo, in denen Jugendlichen die Möglichkeit geboten wird, zurück ins Leben zu kommen.

Zurück ins Leben ist ein schönes Stichwort. Mit dieser Tour melden Sie sich auch bei Ihren Fans in den einzelnen Städten wieder „zurück im Leben“. Verbinden Sie auch Geschichten zu den Städten, die Sie im Laufe Ihres Tour-Lebens besucht haben? 

Niedecken: Ja, das ist wie ein Daumenkino. Fast zu jeder Stadt fällt mir eine Geschichte ein.

Wie ist es mit Göttingen? 

Niedecken: Hier war ich Anfang der 70er-Jahre mal auf dem Göttinger Kunstmarkt. Und habe wild romantisch in einem Zweimann-zelt mit meiner damaligen Freundin vor der Stadthalle gezeltet. Die Stadt hat sogar ein Bild von mir gekauft. Toblerone heißt es. Was daraus geworden ist, weiß ich allerdings leider nicht.

Das ist spannend. Dann werde ich das mal recherchieren. 

Niedecken: Das würde mich freuen.

Zur Person 

Wolfgang Niedecken wurde am 30. März 1951 in Köln geboren und ist ein deutscher Musiker, Maler und Autor. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. 1976 gründete er die Kölschrock-Band BAP. Bis heute ist er Sänger, Texter, Komponist und Frontmann der Gruppe und das einzig verbliebene Gründungsmitglied.

Darüber hinaus arbeitet er auch als Solist und nahm bislang drei Soloalben auf. Niedecken gehört zu den wesentlichen Protagonisten, die den Kölner Dialekt über die regionalen Grenzen hinaus in der deutschen Rockmusik etabliert haben.

Er ist zudem bekannt für sein soziales und politisches Engagement: Für seinen Einsatz in Afrika, wo er sich mit dem Projekt Rebound des Kinderhilfswerks World Vision um ehemalige Kindersoldaten kümmert, wurde er 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Hintergrund 

Die Bap-Tour 2014 wird sowohl selten gespielte Songs wie auch zahlreiche Klassiker enthalten. Zudem dürfen sich Fans der Band auf Erzählungen des BAP-Frontmanns Wolfgang Niedecken freuen.

Musikalisch unterstützt wird die Band auf der Bap-Tour 2014 von den Gastmusikern Anne de Wolff an der Geige und dem Perkussionisten Rhani Krija. Karten gibt es zu Preisen ab 36,75 Euro bei allen HNA-Geschäftsstellen oder telefonisch unter der Ticket-Hotline 0561/203204 sowie bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Infos und Tickets unter www.hna-kartenservice.de

Von Melanie Triesch

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