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Krumme Geschäfte mit Firma? Ex-Chef von UMG-Tochter wegen Korruption angeklagt

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Von: Heidi Niemann

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Spannender Prozess: Zwei frühere leitende Mitarbeiter einer Tochtergesellschaft der Uni-Medizin Göttingen (UMG) sind wegen Korruptionsverdachts angeklagt.

Göttingen – Zwei frühere leitende Mitarbeiter einer Tochtergesellschaft der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) müssen sich nun vor Gericht verantworten. Ihnen wird Korruption in gleich mehreren Fällen vorgeworfen.

Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Braunschweig hat einen ehemaligen Geschäftsführer der UMGf und dessen einstigen Stellvertreter wegen gewerbsmäßiger Untreue und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr in 33 Fällen sowie gewerbsmäßiger Untreue in drei beziehungsweise vier Fällen angeklagt.

Uni-Medizin Göttingen: Ex-Chefs von UMG-Tochter wegen Korruption angeklagt

Staatsanwaltschaft in Braunschweig: Hier liefen die Ermittlungen zusammen.
Staatsanwaltschaft in Braunschweig: Hier liefen die Ermittlungen zusammen. (Symbolbild) © Moritz Frankenberg/dpa

Neben den beiden 39 und 42 Jahre alten mutmaßlichen Haupttätern muss sich außerdem ein 46-jähriger früherer Geschäftsführer einer Personaldienstleistungsfirma in Thüringen wegen Beihilfe zur Untreue und Bestechung im geschäftlichen Verkehr in 33 Fällen sowie Beihilfe zur Untreue verantworten. Vier weitere Angeschuldigte – zwei 62 und 45 Jahre alte Männer und zwei 37 und 59 Jahre alte Frauen – sollen hierzu Beihilfe geleistet beziehungsweise Geldwäsche begangen haben.

Anonymer Hinweis brachte den Kurroptions-Fall ins Rollen

Die Ermittlungen waren vor mehr als vier Jahren nach einem anonymen Hinweis in Gang gekommen. Ende November 2018 wurden bei Durchsuchungen in Geschäftsräumen und Privatwohnungen in Göttingen und anderen Orten zahlreiche Unterlagen, Computer und Datenträger sichergestellt.

Es bestehe der Verdacht, dass Mitarbeiter der UMG-Tochterfirma gegen Schmiergelder und andere Vergünstigungen Aufträge an die Personaldienstleistungsfirma im nordthüringischen Kyffhäuserkreis vergeben haben könnten, teilte die Staatsanwaltschaft damals mit.

Diesen Verdacht sieht die Strafverfolgungsbehörde nach umfangreichen Ermittlungen nun als erhärtet an. Laut Anklage soll die UMG-Tochterfirma durch korrupte Machenschaften zwischen Januar 2016 und Oktober 2018 um mehrere hunderttausend Euro geschädigt worden sein.

Mutmaßlicher Haupttäter war Geschäftsführer von UMG-Tochter

Der 39-jährige mutmaßliche Haupttäter war seit Februar 2016 alleiniger Geschäftsführer der Tochterfirma, die für die UMG bestimmte Aufgaben wie Wachdienste, Facility-Management und Handwerksarbeiten übernimmt. In dieser Position soll er dann einem Jugendfreund, der ebenfalls in der UMG-Tochterfirma beschäftigt war, zum beruflichen Aufstieg verholfen haben, indem er diesen zum stellvertretenden Geschäftsführer ernannte.

Der 42-Jährige sei ursprünglich als Vorarbeiter im Bereich Maler- und Fußbodenarbeiten eingestellt gewesen, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit. Auch zu der Personaldienstleistungsfirma in Thüringen, die in das Korruptionsgeflecht verwickelt sein soll, gab es persönliche Beziehungen: Der 46-jährige Firmengründer und zeitweilige Geschäftsführer der Firma sei „zumindest ein guter Bekannter“ der beiden Angeschuldigten, heißt es in der Anklage. Die UMGf bezog von der Firma gelegentlich Zeitarbeitskräfte, wenn der eigene Mitarbeiterstab nicht ausreichte, um Bau- und Wartungsarbeiten zu erledigen.

2016 hätten sich die beiden mutmaßlichen Haupttäter entschlossen, unter Nutzung ihrer Leitungspositionen die bereits bestehende Zusammenarbeit zu intensivieren, heißt es in der Anklage. Dabei sollen sie ein spezielles System entwickelt haben, um sich eine „Einnahmequelle von einiger Dauer und Erheblichkeit“ zu verschaffen. So seien angeworbene Mitarbeiter nicht bei der UMGf, sondern bei der Firma in Thüringen angestellt worden – ein Umweg mit offenbar finanziellen Folgen.

Über eine halbe Million Euro: Um diese Summen geht es genau

Insgesamt habe die Personalfirma durch die Taten einen Betrag von fast 680.000 Euro erlangt. Die früheren UMGf-Leiter hätten dafür ab Januar 2016 monatliche Cashback-Bargeldzahlungen erhalten, ohne dass Verantwortliche der Muttergesellschaft UMG davon wussten. Insgesamt hätten sie 83.000 beziehungsweise 103.000 Euro kassiert. Zwei weitere Angeschuldigte, die in das System involviert gewesen seien, hätten Zahlungen von 6.300 beziehungsweise 11.000 Euro erhalten. (Heidi Niemann)

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