Ehrenamtliche Einsatzkräfte stark eingebunden

Flüchtlingsarbeit: Feuerwehren im Kreis fordern Entlastung

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Ehrungen bei Göttinger Kreisfeuerwehr: Landrat Bernhard Reuter (von links), Karl-Heinz Wille, Dieter Ludewig (beide Dransfeld), Andreas Otte (Radolfshausen), Frank Hartje (Dransfeld), Dieter Röthig (Hann.Münden), Holger Kamm (Dransfeld), Jürgen Ehlers (Vize-Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen), Manfred Braun (Nesselröden) und Kreisbrandmeister Karl-Heinz Niesen (Friedland).

Holtensen. Die Belastung der Feuerwehr bei der Betreuung von Flüchtlingen muss zurückgefahren werden. Das forderte Göttingens Kreisbrandmeister Karl-Heinz Niesen bei der Versammlung des Kreisfeuerwehrverbandes in Göttingen-Holtensen.

„Die Arbeitgeber fangen langsam an zu klagen, wenn wir ständig weg sind“, sagte er vor rund 200 Gästen. „Wir brauchen unsere ehrenamtlichen Einsatzkräfte auch noch für unsere eigentlichen Feuerwehraufgaben.“ Niesen unterstrich aber gleichwohl, die Feuerwehr stehe gemäß ihres Leitbildes „für eine Gemeinschaft, die Menschen Hilfe leistet unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht und Ansehen der Person.“

Landrat Bernhard Reuter (SPD) dankte den Aktiven für ihre unermüdliche Arbeit bei der Betreuung von Flüchtlingen, bei der Hilfeleistungen „fast schon zum Alltagsgeschäft“ geworden seien. „Sie haben eine großartige Solidarität bewiesen.“

Reuter unterstrich, bei der Unterbringung der Flüchtlinge sei es „wichtigstes Ziel“, keine kommunale Infrastruktur, wie Sporthallen und Dorfgemeinschaftshäuser, in Anspruch zu nehmen. Er befürchtet, dass sonst sehr schnell die Akzeptanz in der Bevölkerung gefährdet werde.

CDU-Kreistagsabgeordneter Edgar Winter aus Rosdorf, der für die großen Fraktionen sprach, hielt ein Plädoyer für die Willkommenskultur. Er griff dabei auf ein Zitat aus der Bibel zurück: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.“

Nicht gerade glücklich zeigte sich Kreisbrandmeister Niesen über den Schritt der Landesregierung, Ende September/Anfang Oktober in der Landesfeuerwehrschule vorübergehend Flüchtlinge unterzubringen. Das Land war damals schnell zurückgerudert. Hintergrund für die Kritik sind die nicht ausreichenden Schulungs- und Weiterbildungskapazitäten im Land. Darüber könne auch nicht das Angebot eines Truppführer-Pilotlehrgang in Göttingen hinwegtäuschen.

Nach Darstellung von Jürgen Ehlers aus Twieflingen bei Helmstedt, Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen, gebe es in der Landesfeuerwehrschule Probleme mit der Bereitstellung von zahlenmäßig ausreichendem Lehrpersonal. 50 Prozent der Lehrgänge könnten deshalb nicht zugewiesen werden. Ehlers: „Auf lange Sicht ist der flächendeckende Brandschutz gefährdet, wenn die Ausbildung nicht erhöht wird.“

Kritik äußerte Kreisbrandmeister Niesen an den veränderten Regeln für die Abstände von Hydranten zur Löschwasserversorgung. Dafür seien die kleinen Ortsfeuerwehren mit den vorhandenen Schläuchen in ihren Tragkraftspritzenfahrzeugen (TSF) nicht ausgerüstet. Niesen ironisch: „Wenn der nächste Hydrant auf einmal 300 Meter von der Einsatzstelle entfernt ist, sehen wir vom Verteiler immerhin das Feuer.“ (zhp)

Bei den Wahlen zum Vorstand des Kreisfeuerwehrverbandes Göttingen wurde Geschäftsführerin Manuela Sasse aus Scheden in ihrem Amt bestätigt. Als Beisitzer wurden ebenfalls wiedergewählt: Markus Füllgrabe aus Bovenden, Karsten Beuermann aus Dransfeld, Heiko Wiegmann aus Friedland, Heinz-Uwe Koch aus (Radolfshausen und Martin Willing aus Rosdorf. Kreisstabsführer und damit verantwortlich für die Feuerwehrmusikzüge und -kapellen ist Tobias Burzinski aus Adelebsen.

Mitgliederentwicklung: Nachwuchsprobleme bei Jugendwehren

Die 120 Feuerwehren zwischen Staufenberg im Süden und Radolfshausen im Osten haben nach Darstellung von Kreisbrandmeister Karl-Heinz Niesen (Friedland) derzeit 3890 aktive Mitglieder. Das sind 50 weniger als noch vor einem Jahr.

Die Zahl der Mitglieder bei den Jugendfeuerwehren hat sich um 45 erhöht. Damit seien 1157 Jugendfeuermitglieder auf den Weg in die Einsatzabteilungen. Trotzdem macht sich die Feuerwehr Sorgen um die Mitgliederentwicklung. So beklagte Kreisjugendfeuerwehrwart Alexander Otte (Waake-Bösinghausen), dass 64 der 112 Jugendfeuerwehren Nachwuchsprobleme hätten.

Auszeichnungen: Ehrenkreuze und Wappenteller

Hohe Ehrungen gab es in der Verbandssammlung bei der Kreisfeuerwehr Göttingen. Hier die Geehrten:

So wurde Hann. Mündens Stadtbrandmeister Dieter Röthig mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber ausgezeichnet. Röthig steht seit 2012 an der Spitze der Mündener Wehr. Außerdem freuten sich Frank Hartje und Holger Kamm aus Dransfeld sowie Andreas Otte aus Radolfshausen über diese Auszeichnung.

Die Ehrennadel in Silber des niedersächsischen Landesfeuerwehrverbandes erhielt Dieter Ludewig (Dransfeld). Zum Ehrenmitglied des Göttinger Kreisfeuerwehrverbandes wurde Karl-Heinz Willer (Adelebsen) ernannt. Der Wappenteller des Kreisfeuerwehrverbandes ging an Manfred Braun (Nesselröden).

zhp

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