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Resistent gegen Antikörper: Gefahr durch neue Omikron-Variante

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Von: Thomas Kopietz

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Eine neue Omikron-Variante beschäftigt Forscher am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen. Die Untervariante BQ.1.1 ist resistent gegen alle zugelassenen Antikörpertherapien.

Göttingen – Von wegen Corona ist vorbei: Die neue Omikron-Untervariante BQ.1.1 ist laut Forschern am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen resistent gegen alle zugelassenen Antikörpertherapien. Die Omikron-Variante BQ.1.1 ist demnach weder durch einzelne Antikörper noch durch Antikörpercocktails zu neutralisieren, wie das bei der aktuell vorherrschenden Variante BA.5 der Fall ist.

Besonders gefährdet bei einer Infektion sind Risikogruppen. Das bedeutet: Neue Therapien müssen entwickelt werden, um vor der Covid-19-Erkrankung, hervorgerufen durch BQ.1.1 zu schützen. Das wird auch notwendig sein, denn laut der DPZ-Forscher und deren Kollegen von der Uni Erlangen-Nürnberg sei die Omikron-Untervariante BQ.1.1 weltweit auf dem Vormarsch.

Göttingen: Neue Omikron-Variante bereitet Forschern Sorgen

Schema des Spike-Proteins der Omikron-Variante in der Aufsicht mit Mutationen (rot) an der Rezeptor-Bindungs-Domäne (lila) und der N-terminalen Domäne (blau).
Schema des Spike-Proteins der Omikron-Variante in der Aufsicht mit Mutationen (rot) an der Rezeptorbindungs-Domäne (lila) und der N-terminalen Domäne (blau). © DPZ Göttingen

Gleichwohl zeigt die Studie auch, wie effizient die derzeit zugelassenen Antikörpertherapien die aktuell zirkulierenden Omikron-Untervarianten hemmen. „Mit Blick auf die Risikopatientinnen besorgt uns die Tatsache, dass die Omikron-Untervariante BQ.1.1 gegen alle zugelassenen Antikörpertherapien resistent ist“, sagte Studienleiter Markus Hoffmann.

Insbesondere in Regionen, in denen BQ.1.1 stark verbreitet ist, sollten Ärzte bei der Behandlung von infizierten Risikopatienten daher nicht allein auf Antikörpertherapien setzen, sondern zusätzlich die Gabe von weiteren Medikamenten wie Paxlovid oder Molnupiravir in Betracht ziehen.

Mit Blick auf die Risikopatientinnen besorgt uns die Tatsache, dass die Omikron-Untervariante BQ.1.1 gegen alle zugelassenen Antikörpertherapien resistent ist.

Markus Hoffmann

Als Folge einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 oder einer Covid-19-Impfung kommt es im Körper zu einer Immunantwort. Dabei werden auch neutralisierende Antikörper gebildet, die zum Schutz vor einer erneuten Infektion mit SARS-CoV-2 sowie einem schweren Krankheitsverlauf beitragen.

Immunflucht: Mutationen entkommen Antikörpern

Neutralisierende Antikörper schützen, indem sie sich an das virale Stachelprotein „Spike“ anheften und so verhindern, dass das Virus in Zellen eindringen kann. Allerdings sind einige SARS-CoV-2-Varianten, insbesondere die Omikron-Variante, durch Mutationen im Spike-Protein in der Lage, einigen neutralisierenden Antikörpern zu entkommen und dadurch auch in geimpften oder genesenen Personen Infektionen mit Symptomen auszulösen.

Dr. Markus Hoffmann, Infektionsbiologe am DPZ
Dr. Markus Hoffmann, Infektionsbiologe am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) Göttingen © Andrea Tilch/DPZ

Das nennen die Forscher eine Immunflucht. Diese ist eine besondere Gefahr für Risikogruppen. Vor allem hoch betagte Personen sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem bilden nämlich auch nach vollständiger Impfung oftmals keine ausreichende Immunantwort aus, um vor einem schweren Verlauf der Infektion geschützt zu sein.

Prüfen, ob Antikörpertherapien gegen BQ.1.1 wirken

Um diese Patienten zu schützen, werden ihnen biotechnologisch hergestellte Antikörper vorbeugend oder als frühe Therapie bei einer diagnostizierten Corona-Infektion verabreicht. Mutationen im Spike-Protein von verschiedenen SARS-CoV-2-Varianten vermitteln Resistenz gegen einzelne Antikörpertherapien.

Prof. Stefan Pöhlmann, Forscher am Deutschen Primatenzentrum im Porträt
Prof. Stefan Pöhlmann, Forscher am Deutschen Primatenzentrum Göttingen (DPZ) © Andrea Tilch/DPZ

„Daher ist es wichtig regelmäßig zu überprüfen, ob die zurzeit zugelassenen Antikörpertherapien weiterhin gegen die aktuell zirkulierenden Virusvarianten wirksam sind“, so die DPZ-Forscher um Studienleiter Markus Hoffmann.

Neue Therapien müssen Immunflucht eindämmen

Stefan Pöhlmann, Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am Göttinger DPZ sagt, worauf es bei der notwendigen Entwicklung neuer Antikörpertherapien und Impfstoffe ankomme: „Sie sollten idealerweise auf Regionen im Spike-Protein abzielen, die nur wenig Potenzial für Fluchtmutationen aufweisen“, sagt der Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am Deutschen Primatenzentrum. (Thomas Kopietz)

Verwandte Themen: In Göttingen werden nachhaltige Überwachungsstrategien und Testmethoden für den Einsatz in künftigen Pandemien entwickelt. In Stadt und Kreis Göttingen wird auf zusätzliche Impfstoffe gegen das Corona-Virus gewartet.

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