Infektionsbiologen untersuchen das Eindringen des Coronavirus in die Wirtszelle

Forschern gelingt erster Schritt zur Bekämpfung von Coronavirus

Deutsches Primatenzentrum: Infektionsbiologin Stefanie Gierer bereitet Zellkulturen für die nachfolgende Infektion mit künstlichen Viruspartikeln vor. Die Forscher hoffen auf Erkenntnisse zur Behandlung der gefährlichen Corona-Viruserkrankung. Foto: Heurich/DPZ/nh
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Deutsches Primatenzentrum: Infektionsbiologin Stefanie Gierer bereitet Zellkulturen für die nachfolgende Infektion mit künstlichen Viruspartikeln vor. Die Forscher hoffen auf Erkenntnisse zur Behandlung der gefährlichen Corona-Viruserkrankung.

Göttingen. Forschern des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) in Göttingen ist ein erster Schritt zur Bekämpfung eines neuen Coronavirus gelungen. Seit im Sommer 2012 der erste Patient an dem Betacoronavirus gestorben ist, sind Wissenschaftler auf der ganzen Welt auf der Suche nach einem Gegenmittel.

Das Virus war erstmals bei einem Mann aus Saudi-Arabien, der an einer schweren Atemwegserkrankung und Nierenversagen starb, aufgefallen. Infektionsforscher des DPZ haben nun Enzyme identifiziert, die das Virus für die Infektion aktivieren. Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse dazu beitragen, die lebensbedrohliche Erkrankung behandelbar zu machen.

An dem mit dem SARS-Erreger verwandten Coronavirus 2c EMC/2012 ist bislang mehr als die Hälfte der Erkrankten gestorben. Seinen Ursprung hat das Coronavirus vermutlich auf der arabischen Halbinsel. Genetische Analysen ergaben eine enge Verwandtschaft zu Viren aus Fledermäusen; ob das neue Coronavirus aber von der Fledermaus auf den Menschen übertragen wurde, ist noch unklar.

In ihrer Studie, die im Journal of Virology erschienen ist, beschreiben die DPZ-Forscher um Stefanie Gierer und Stephanie Bertram gemeinsam mit Kollegen aus Hannover, Essen, Bonn und San Francisco, wie dem Virus der Eintritt in die menschliche Wirtszellen gelingt: Das Oberflächenprotein („Spike“) des Virus dockt dabei über ein neu identifiziertes Rezeptormolekül (DPP4) an die Zellen an und dringt in sie ein. Eine wesentliche Voraussetzung dafür sei die Aktivierung des Spike-Proteins durch Wirtszell-Enzyme, Proteasen, so die Wissenschaftler. Zwei aktivierende Proteasen haben die DPZ-Forscher identifiziert; sie stellen mögliche Angriffspunkte für Gegenmittel dar.

Erster Ansatz für Therapie

Außerdem konnte man nachweisen, dass sich die Infektion durch ein Serum, das von einem bereits erkrankten Patienten gewonnen wurde, stoppen lässt.

Dies beweise, dass Menschen in der Lage sind, blockierende Antikörper gegen das Virus auszubilden, so die Forscher. „Das Humane Coronavirus EMC ist eine potenzielle Gefahr für die öffentliche Gesundheit“, sagt Stefan Pöhlmann, Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am DPZ. „Aber unsere Ergebnisse und die Ergebnisse anderer Arbeitsgruppen liefern erste, potenzielle Ansatzpunkte für Therapeutika und verbessern unsere diagnostischen Möglichkeiten.“ (shx)

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