Interview mit Präsidentin: Uni Göttingen in Geschichte gut aufgestellt

Große Ehre und Herausforderung: Göttingens Uni-Präsidentin Prof. Dr. Ulrike Beisiegel über den Historikertag. Foto: Uni Göttingen/nh

Göttingen. Mehr als 3000 Teilnehmer aus 24 Nationen werden zum 50. Deutschen Historikertag erwaret, den Bundespräsident Joachim Gauck am Dienstagabend in der Lokhalle offiziell eröffnet. Zum Auftakt sprachen wir mit Göttingens Uni-Präsidentin Prof. Dr. Ulrike Beisiegel.

Die Georg-August-Universität Göttingen richtet die Veranstaltung zum zweiten Mal aus. Der 18. Deutsche Historikertag fand 1932 in der Gänselieselstadt statt.

Frau Beisiegel, in dieser Woche fallen mehrere tausend Historiker und geschichtlich interessierte Menschen in Göttingen ein - was bedeutet der Deutsche Historikertag für die Universität und die Stadt? 

Ulrike Beisiegel: Die Universität Göttingen richtet ja den 50. Deutschen Historikertag aus, also die Jubiläumstagung des Verbands der Historiker. Das ist eine große Ehre und zugleich eine große Herausforderung. Es ist über achtzig Jahre her, dass der Historikertag in Göttingen war. Dass die Tagung jetzt in Göttingen stattfindet, zeigt, dass die Universität Göttingen heute in den Geistes- und Kulturwissenschaften und ganz besonders in den Geschichtswissenschaften bestens aufgestellt ist. Der Dank der Universität gilt ganz besonders Herrn Prof. Reitemeier und seinen Kollegen, die den Historikertag nach Göttingen geholt haben.

Wie ist die Universität in die Organisation und Planung des Historikertages eingebunden, welcher Aufwand, welche Kosten stecken darin? 

Beisdiegel: Für die Organisation des Historikertags ist ein eigenes Büro zuständig, das vom Land Niedersachsen finanziert wird und große Unterstützung auch von Sponsoren und Stiftungen erfährt. Aber zugleich erfordert die Ausrichtung der Tagung die Mithilfe Vieler in der Universität, denn wir wollen ja gute Gastgeber sein. Neben den Historikern sind das unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit, das Gebäudemanagement, Göttingen International, die Personalabteilung und das Sicherheitswesen, denen ich allen herzlich danke. Wo nötig unterstützt natürlich auch das Präsidium die Tagung. Konkret haben wir den Historikern die Miete für die Nutzung der Hörsäle erlassen und beteiligen uns mit einer Summe von 40.000 Euro an der Ausrichtung. Dies ist, gemessen am Gesamtumsatz der Tagung von ca. 1,2 Millionen Euro, allerdings zugegebener Weise ein geringer Betrag.

Das Motto ist ja weit gefasst: „Gewinnen und verlieren“. Gewonnen und verloren wurde immer. Es gibt also eine historische Komponente und viel aktuellen Bezug: Was kann denn Ihrer Meinung nach die Gesellschaft heute von Historikern lernen und somit auch aus deren Arbeit gewinnen? 

Beisiegel: Ich glaube, dass die Historiker mit dem Motto „Gewinner und Verlierer“ deutlich machen möchten, dass sich die Bewertung einer Person, einer Entwicklung oder auch eines Ereignisses im Licht neuerer Forschung ändern kann. Ohne das Wissen um die zurückliegenden Entwicklungen können wir die Gegenwart nicht richtig einordnen, so dass die Geschichtswissenschaften auch heute eine sehr wichtige Funktion für Politik und Gesellschaft haben. Scheinbare Gewinner können im Verlauf der Geschichte zu Verlierern werden und umgekehrt.

Welchen Stellenwert nimmt die Geschichtsforschung ihrer Meinung nach in einer sich scheinbar immer schneller drehenden Welt ein - aus soziologischer und politischer Sicht - ein? 

Beisiegel: Politiker sind sehr hohem Handlungsdruck ausgesetzt, sie müssen häufig sehr schnell sehr komplexe Entscheidungen treffen. Es ist aber wichtig, sich zunächst die Ursachen sowie seinen eigenen Standpunkt zu vergegenwärtigen. Nicht nur die Geschichtswissenschaft, sondern alle Gesellschafts- und Kulturwissenschaften müssen die Vielfalt und Komplexität erforschen und die Ergebnisse den Politikern zur Verfügung stellen und vermitteln. Das ist nicht immer leicht, aber es ist wichtig, Probleme mit Hilfe der Wissenschaft auszuloten, um nicht hinterher Entscheidungen korrigieren zu müssen. Dies zu ermöglichen ist Aufgabe der Universität, und das drückt sich bereits in dem Text auf unserer Stiftungsmedaille aus dem Jahr 1737 aus „IN PUBLICA COMMODA - ZUM WOHLE ALLER“. Das gilt bis heute.

Von Thomas Kopietz

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