Laut Inschrift wurde Ernst August I. schon 1827 König

Krönung vorverlegt: Falsches Datum auf umstrittenem Göttinger Denkmal

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Künstlerin Göbel hat eine falsche Jahreszahl genannt. Es fehlt ein „X“ für „10“ beim Krönungstermin 20. Juni 1837 von Ernst August von Hannover.

Göttingen. Das umstrittene Denkmal für „Dem Landesvater seine Göttinger Sieben“ am Bahnhof ist nach der Einweihung weiter im Gespräch: Am Denkmal ist eine falsche Zahl eingearbeitet worden.

Ernst August I. von Hannover bestieg 1837 den Thron des Königsreichs Hannover. Laut gravierter Inschrift mit römischen Buchstaben auf dem bronzenen Deckel hatte der König aber schon 1827 die Regentschaft übernommen. Ein „X“, das für eine 10 steht, ist bei der Gravur schlicht vergessen worden. Warum, das ist unklar.

Geschaffen hat das umstrittene monumentale Werk – manche Kritiker nennen es auch „den hässlichen Klotz“ – die Künstlerin Christiane Möbus, die sich überrascht ob des Fehlers zeigte. Bei der Endabnahme der Platten sei das Versäumnis nicht aufgefallen.

Mittlerweile ist auch die Stadt, die über die Fachbereiche das Projekt begleitet hat, informiert worden. Der Fehler, den der Göttinger Bausachverständige Jan Stubenitzky bemerkt und öffentlich gemacht hatte, solle korrigiert werden, teilte Sprecher Detlef Johannson mit.

Der Sockel, den im Gegensatz zum „Double“ vor dem Hannoverschen Bahnhof keine Reiterstatue ziert, wurde der Stadt von unbekannten Kunstmäzenen geschenkt. Die Stiftung Niedersachsen übernahm die Federführung. Sie will den Fehler nun ausmerzen, beziehungsweise mit einem weiteren „X“ korrigieren lassen.

Aussehen, Standort, aber auch die mit 500.000 Euro hohen Kosten des Denkmals hatten in Göttingen seit Bekanntgabe der Pläne für Diskussionen gesorgt. Auch sei die Verbindung zum Denkmal vor dem Hauptbahnhof Hannover für viele Passanten nicht konstruierbar. Das Denkmal dort war 1861 enthüllt worden: Georg V., Sohn von Ernst August, hatte das Reiterstandbild aufstellen lassen. In Hannover ist es beliebter Treffpunkt: Man verabredet sich dort „unter dem Schwanz“ – des Pferdes.

Ernst August hatte das freiheitliche Staatsgrundgesetz von 1833 vier Jahre später 1837 bei seinem Amtsantritt aufgehoben. Dagegen richtete sich der massive Protest der „Göttinger Sieben“, allesamt Professoren der Universität. Sie wurden entlassen, drei sogar des Landes verwiesen.

Umstritten ist das neue Göttinger Denkmal aber auch, weil die Künstlerin ihren Namen – Christiane Möbus – hat aufbringen lassen, neben denen der Göttinger Sieben Wilhelm Eduard Weber, Wilhelm Eduard Albrecht, Heinrich Ewald, Georg Gottfried Gervinus, Friedrich Christoph Dahlmann sowie Jacob und Wilhelm Grimm. Eine Anmaßung sei das, wie einige meinen.

Am Freitag zur Einweihung gab es spontanen Protest per Kreideaufschrift: „Göttingen welcome Refugees“, stand kurz am Sockel. Die Aufschrift wurde fix beseitigt. Die Gravurkorrektur aber dürfte länger dauern – und teurer werden. (tko/dpa)

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