Mieter gegen Vermieter

Göttingen: Mieter protestieren gegen die Adler-Group: „Ich bin mit meinen Nerven am Ende“

Eine Frau steht auf einem Platz und spricht in ein Mikrofon. Hinter ihr ist ein Protest-Banner zu erkennen.
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Erzählte davon, wie nervenaufreibend die Sanierung ihrer Wohnung ist: Mieterin Bärbel Safieh (von links), zusammen mit Ortsratsmitglied Hendrik Falkenberg und Mitorganisator Gunnar Siebecke bei der Protestaktion auf dem Groner Jonaplatz.

Im Göttinger Ortsteil Grone haben Mieter von Wohnungen der „Adler-Group“ die Nase endgültig voll. Das wurde am Samstag auf einer Protestkundgebung deutlich.

Göttingen – Veranstaltet wurde die Kundgebung, an der sich rund 100 betroffene Mieter beteiligten, vom Verein InGrone, dem Bündnis „Gutes Wohnen für alle“ sowie einer Mieterinitiative.

„Ich bin mit meinen Nerven am Ende“, sagte Bärbel Safieh, die von ihren Erfahrungen während der zurückliegenden (und nach wie vor stattfindenden) Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen in den Groner Adler-Immobilien berichtete. „Die Arbeiten finden unter katastrophalen Bedingungen, teilweise sogar ohne Sicherung und ohne jede Information statt“, bemängelte Safieh.

Sind ebenfalls unzufrieden: Viele weitere Mieter der Adler-Group kamen zur Kundgebung.

Weil beim Bau der Wohnungen Asbest verwendet worden sei und dieser entfernt werden müsse, habe man während der Sanierung vorübergehend in Behelfswohnungen umziehen müssen. „Jetzt soll ich in meine Wohnung zurück, obwohl dort noch nichts fertig ist“, berichtete die Mieterin. „Aber mit uns kann man es ja machen, wir sind ja nur die Idioten in Grone Süd“, wetterte Safieh.

In all dieses Chaos sei nun auch noch wie eine Bombe die Information über den geplanten Verkauf von mehr als 1000 Göttinger Adler-Group-Wohnungen an die „LEG Immobilien“ geplatzt, die für zusätzliche Verunsicherung vieler Mieter gesorgt habe.

„Wir hatten schon immer das Gefühl, dass wir von Adler belogen und betrogen werden“, meinte Bärbel Safieh, die – nach den Mieterhöhungen der vergangenen sechs Jahre von insgesamt 27 Prozent – nach erfolgtem Verkauf weitere Erhöhungen befürchtet. „Mein Traum ist dennoch, dass wir endlich mal mit unseren Wohnungen in gute Hände kommen“, schloss sie.

„Was Adler macht, ist menschenverachtend und erniedrigend“, befand eine andere Mieterin, die kurzfristig auf die Rednerliste gerutscht war. Sie berichtete von Baumaßnahmen, die zwar offiziell abgeschlossen, aber längst nicht beendet seien. „Da gibt es offene Löcher, Kakao an den Wänden und Grünanlagen, bei denen nichts passiert ist.“

Sie empfinde es als „richtig bitter“, dass sie keinerlei persönliche Ansprechpartner mehr habe. „Dazu kommen falsche Nebenkostenabrechnungen und eine Stadt, die einfach die Augen davor verschließt, was Adler hier macht“, so die Mieterin.

„Adler kam 2015 mit der Aussage nach Göttingen, ein bestanderhaltender Mieter sein zu wollen“, sagte Hendrik Falkenberg vom Groner Ortsrat. Die Sanierungsankündigung für ihre Wohnungen vor drei Jahren habe dann aber nur das Ziel gehabt, den Profit zu steigern.

Protest gegen die Adler-Group: Ortsrat mit Forderung an die Stadt Göttingen

„Wir müssen sehen, dass wir diese Wohnungen wieder in den kommunalen Bestand überführen“, forderte Falkenberg. Vermieter müssten endlich wieder für ihre Mieter da sein und nicht nur – wie bei Aktiengesellschaften wie der Adler-Group üblich – für eben jenen Profit. „Wir fordern die Stadt auf, Wohnraum nicht weiter an Miethaie zu verkaufen.“

Mietern, die Probleme mit den aktuellen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen hätten, riet Falkenberg, sich an den Mieterverein zu wenden. „Unser Ziel muss sein, sowohl die städtischen Politiker als auch die in Berlin auf unsere Seite zu bringen, damit Mietraum auch weiterhin bezahlbar bleibt“, so Falkenberg. (Per Schröter)

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