Mehrere hunderttausend Euro Schaden

Brandanschlag auf Göttinger Amtshaus: Reinigungsarbeiten starten im Januar - Neues Sicherheitskonzept in Planung

+
Brandanschlag auf das Göttinger Amtshaus richtete Ende November großen Schaden an.

Bei dem Brandanschlag auf das Göttinger Amtshaus entstand vermutlich ein Schaden von mehreren hunderttausend Euro. Das teilte die Polizei am Freitag mit.

  • In Göttingen ist das Amtshaus durch einen Brand schwer beschädigt worden.
  • Kurz nach dem Brand wurde ein Bekennerschreiben veröffentlicht.
  • Die Polizei geht von einem linksmotivierten Brandanschlag aus. 
  • Der Brand richtete einen hohen Schaden an - die Reinigungsarbeiten starten im Januar.

Update, 13.12.2019, 21.12 Uhr: Nach dem Brandanschlag auf das Göttinger Amtshaus am Hiroshimaplatz müssen in mühevoller Kleinarbeiten Akten gereinigt werden. Der Großputz wird mehrere tausend Stunden in Anspruch nehmen. Das machte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) im Stadtrat deutlich. 

Nach Brandanschlag: Reinigung des Amtshauses soll im Januar starten

Die Reinigungsarbeiten sollen im Januar starten. Nicht absehbar ist aus Sicht von Köhler wie lange das Amtshaus nach dem Anschlag, bei dem die Polizei von einer linksmotivierten Tat ausgeht, gesperrt bleiben muss. Auch der finanzielle Schaden durch den Anschlag sei bislang noch immer nicht absehbar. Er geht aber davon aus, dass Inventar ohne Lackschicht nicht mehr brauchbar sein wird.

Rund 80 Mitarbeiter sind von der Sperrung des Amtshauses betroffen

Von der Sperrung des Amtshauses sind etwa 80 Mitarbeiter von Ausländerbehörde (30), Jobcenter (40) und Statistik (10) betroffen. Sie sollen in Kürze in einem provisorischen Büro im früheren Telekom-Gebäude in der Nordstadt wieder ihre Arbeit aufnehmen. Allerdings sind die Bedingungen an den Arbeitsplätzen nicht optimal. 

Göttinger Stadtverwaltung will Sicherheitskonzept erarbeiten

Köhler kündigte an, dass die Verwaltung nun ein Sicherheitskonzept erarbeiten werde. „Es scheint eine neue Gewaltspirale zu geben.“ Gleichzeitig verabschiedete der Rat eine Resolution „Gegen Gewalt und Terror – für ein friedliches, weltoffenes und demokratisches Göttingen“. Darin verurteilt der Rat aufs Schärfste den Brandanschlag. „Die Anwendung von Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ist ein Anschlag auf die Demokratie“, heißt es darin. Göttingen müsse eine Stadt des Friedens, der Weltoffenheit und des friedlichen Meinungsaustauschs bleiben. 

Von Seiten der Piraten/Die Partei-Ratsgruppe und der Göttinger Linken gab es die Forderung, mit der Resolution auf den Anschlag auf ein linkes Wohnprojekt an der Goßlerstraße zu verurteilen. Oberbürgermeister Köhler wies darauf hin, dass die aktuelle Tat über das bisherige Maß hinaus gegangen sei. Konkret seien mit diesem Fall erstmals Verwaltungsmitarbeiter persönlich bedroht worden.

Update, 06.12.2019, 16.53 Uhr: Knapp zwei Wochen nach dem Brandanschlag auf das Göttinger Amtshaus fehlt von den Tätern weiter jede Spur. 

Polizei: Vermutlich wurde Benzin als Brandbeschleuniger verwendet

Wie die Polizei am Freitag mitteilte, wurde bei der Tat vermutlich Benzin als Brandbeschleuniger eingesetzt. Den Schaden in dem historischen Gebäude schätzten die Ermittler auf mehrere hunderttausend Euro.

Nach dem Feuer in den frühen Morgenstunden des 25. November war ein Bekennerschreiben im Internet aufgetaucht, weshalb die Polizei weiter von einem Anschlag aus der linksextremen Szene ausgeht. 

Nach dem Brandanschlag: Polizei bittet um Hinweise

Bei den weiteren Ermittlungen sei die Polizei auch auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, hieß es am Freitag. Die Ermittler der Sonderkommission hätten deshalb am Donnerstagnachmittag Hinweisblätter in umliegenden Wohnhäusern, Geschäften und öffentlichen Gebäuden verteilt.

Hinweise nimmt die Göttinger Polizei rund um die Uhr unter Tel. 0551/4912115 entgegen.

Brandanschlag in Göttingen: de Maizière liest trotz Protesten

Update, 27.11.2019, 10.42 Uhr: Unter Polizeischutz hat der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière seine Lesung nachgeholt. Um die Sicherheit während der Lesung zu gewährleisten, zog die Polizei am Dienstagabend in Göttingen rund um das historische Rathaus ein starkes Aufgebot zusammen. Bis Veranstaltungsbeginn gab es keine Zwischenfälle. 

Thomas De Maziere, Boris Pistorius Altes Rathaus Göttigen.

„Leute, die Behörden anzünden, sind genauso schlimm wie diejenigen, die Flüchtlingsunterkünfte anzünden“, sagte de Maizière nun vor der Lesung am Dienstag. Es sei schlimm, dass die Mitarbeiter der Göttinger Ausländerbehörde zumindest durch das Bekennerschreiben persönlich bedroht worden seien. Er sehe die größte Gefahr derzeit zwar im Rechtsextremismus, sagte der ehemalige Bundesinnenminister. Aber auch der Linksextremismus bleibe gefährlich.

Update, 18.50 Uhr: Der Göttinger Polizeipräsident Uwe Lührig verurteilte dem Anschlag: "Wenn Gewalt- oder Straftaten als Mittel eingesetzt werden, um Politikerinnen und Politiker oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung einzuschüchtern oder zu manipulieren, handelt es sich nicht mehr um eine legitime Form der politischen Meinungsäußerung", sagte er. 

"Dabei erreicht der Brandanschlag auf das Göttinger Amtshaus eine Qualität, die nach meiner Auffassung ganz klar als Linksterrorismus zu bezeichnen ist." "Dieser Anschlag war feige", sagte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD). 

Stadt Göttingen hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt

Mit Blick auf die im Bekennerschreiben enthaltene Drohung gegenüber Mitarbeitern der Stadtverwaltung fügte er hinzu: "Diese Bedrohungen verurteile ich aufs Schärfste. Wer Häuser anzündet, Menschen bedroht und ihr Leben aufs Spiel setzt, ist gesellschaftlich zu ächten." Die Stadt hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

Update, 14.55 Uhr: Nach dem politisch motivierten Brandanschlag in Göttingen gibt die Polizei weitere Details bekannt. Der Brandort ist weiterhin von der Polizei beschlagnahmt. Für die weiteren Ermittlungen wurde im Zentralen Kriminaldienst der Polizeiinspektion Göttingen eine zehnköpfige Sonderkommission (SOKO) eingerichtet.

Noch am heutigen Tage werden Experten der Brandursachenkommission des Landeskriminalamtes Niedersachsen aus Hannover den Tatort weiter untersuchen.

Update, 12.01 Uhr: Auf Anfrage sagte die Pressesprecherin der Göttinger Polizei, dass die Ermittler von einem "linksmotivierten, gezielten Brandanschlag" ausgehen. Das online veröffentlichte Bekennerschreiben betrachtet die Polizei demnach als echt. Ziel des Anschlages sei die Ausländerbehörde der Stadt gewesen, wie es in dem Bekennerschreiben auch zu lesen ist. Verletzte gab es nicht. Die Schadenshöhe ist nicht bekannt, aber wohl "enorm", wie die Polizei-Pressesprecherin weiter sagte.

Update, 10.10 Uhr: Nach dem Brand des Amtshauses in Göttingen, bei denen Teile des Gebäudes zerstört wurden, ist ein Bekennerschreiben auf der Website "indymedia" aufgetaucht. Darin rechtfertigen die unbekannten Brandstifter ihre Tat mit dem kommenden Besuch Thomas de Maizières.  

Man habe seinen Besuch als Anlass genommen, einen Teil des "menschenverachtenden Systems", für das de Maizière stehe, anzugreifen. Die Lesung de Maizières wurde bereits am Montag, den 21. Oktober, von rund 100 linken Demonstranten verhindert.

Im Amtshaus befindet sich auch die Ausländerbehörde. Dazu heißt es in dem Schreiben: „Die Ausländerbehörde und ihre Mitarbeiter*innen sind Teil dieses Systems und tragen auch persönliche Verantwortung für ihr Handeln“. Damit kritisieren die Autoren des Schreibens den Umgang von Geflüchteten. 

Ob es sich bei dem Bekennerschreiben um ein echtes Schreiben handelt, ist bislang noch ungeklärt. 

Erstmeldung vom 25.11.2019, 08.42 Uhr: Im Amtshaus sind die Ausländerbehörde, das JobCenter und der Fachbereich Statistik und Wahlen untergebracht. Die Feuerwehr wurde um 3.06 Uhr über die automatische Brandmeldeanlage alarmiert. 

Großbrand im Amtshaus Göttingen

Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel
Großbrand im Amtshaus Göttingen
 © Stefan Rampfel

Daraufhin wurde zunächst der Löschzug der Hautpfeuerwache in Bewegung gesetzt, der nach wenigen Minuten eintraf. Vor Ort stellten die Einsatzkräfte fest, dass bereits Flammen aus einer Tür an der Rückseite schlugen. 

Göttingen: Flammen schlugen am Gebäude entlang

Daraufhin wurden zusätzlich die Feuerwache des Klinikums und die Ortsfeuerwehren Geismar und Stadtmitte alarmiert. Wie die Polizei vor Ort mitteilte, schlugen die Flammen am Gebäude empor, auch aus dem ersten Obergeschoss loderte bereits das Feuer.

Göttingen: Feuerwehr war bis in den Morgen mit den Löscharbeiten beschäftigt

"Wir hatten teilweise bis zu vier C-Rohre parallel im Einsatz", sagt Feuerwehr-Pressesprecher Frank Gloth. Die Kräfte sind unter schwerem Atemschutz im Innenangriff im Einsatz gewesen. Nach rund zwei Stunden wurde das Feuer als gelöscht gemeldet. Die weiteren Arbeiten zogen sich aber bis weit in die Morgenstunden.

Göttingen: Feuer richtet schwere Schäden in und am Amtshaus an

Das Feuer hat im Eingangsbereich des Amtshauses großen Schaden angerichtet.

Ein Blick in Innere zeigt die schweren Schäden, die das Feuer angerichtet hat. Der komplette Eingangsbereich sowie eine massive Holztreppe sind stark vom Brand gezeichnet. Auch an der rückwärtigen Fassade ist das Ausmaß des Brandes gut zu erkennen. Zudem ist der giftige Rauch in sämtliche Räume gezogen.

Brandursache ist noch unklar - Die Polizei ermittelt

Ob Brandstifter am Werk waren oder es sich um einen technischen Defekt handelt, ist indes noch nicht bekannt. Die Polizei hat bereits erste Ermittlungen aufgenommen. Auch die Schadenshöhe ist noch unbekannt, dürfte aber nach Auskunft von Pressesprecher Gloth enorm sein.

Gebäude bleibt bis auf Weiteres geschlossen

Nach Auskunft der Haustechnik des Neuen Rathauses bleibt das Amtshaus voraussichtlich vorübergehend geschlossen. Das Gebäude wurde 1834/35 durch Christian Friedrich Andreas Rohns als "Neue Kaserne" erbaut und dient heute als Teil der Stadtverwaltung.

Vor Ort waren rund fünfzig Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Polizei. Die Straßen rund um das Neue Rathaus waren während des Einsatzes gesperrt. Zu Behinderungen kam es aufgrund der Uhrzeit jedoch nicht.

Göttingen: Schon in der Vergangenheit gab es Sachbeschädigungen am Amtshaus

In der Nacht auf den 18. Juni dieses Jahres brannten Reifen vor der Göttinger Ausländerbehörde am Hiroshimaplatz - ebenfalls um kurz nach 3 Uhr. Damals ermittelte der Staatsschutz der Göttinger Polizeiinspektion, weil ein politischer Hintergrund vermutet wurde. Im März 2019 gab es Farbschmierereien an dem betroffenen Gebäude

Von Stefan Rampfel

Dieser Artikel könnte Sie auch interessieren: 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.