Landkreis Göttingen

Häusliche Krankenpflege in schwieriger Lage - Kimbu wünscht sich Unterstützung vom Kreis

Sprachen über die finanzielle Lage der häuslichen Kinderkrankenpflege: (von links) Kimbu-Geschäftsführerin Kerstin Mollenhauer, Kreisrat Marcel Riethig und Pflegedienstleiterin Barbara Möllmann.
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Sprachen über die finanzielle Lage der häuslichen Kinderkrankenpflege: (von links) Kimbu-Geschäftsführ erin Kerstin Mollenhauer, Kreisrat Marcel Riethig und Pflegedienstleiterin Barbara Möllmann.

In Göttingen ist die Kinderkrankenpflege Kimbu seit Jahren auf Spenden angewiesen. Nur so können sie ihre wichtigen Dienste aufrechterhalten.

Um sich über die finanziell schwierige Situation der Gesellschaft zu informieren und über Lösungswege zu sprechen, sprach Göttingens Kreisrat Marcel Riethig am Mittwoch mit Kimbu-Geschäftsführerin Kerstin Mollenhauer und Pflegedienstleiterin Barbara Möllmann.

Als häuslicher Pflegedienst betreut Kimbu im Landkreis Göttingen, aber auch weit über dessen Grenzen hinaus, schwerkranke Kinder und Jugendliche bei sich zu Hause und damit in ihrer gewohnten Umgebung. Dadurch werden gleichzeitig die Angehörigen der jungen Patienten entlastet.

58 Fachkräfte

„Aktuell arbeiten 58 Kinderpflegefachkräfte und Krankenpflegefachkräfte für uns, die insgesamt 32 Kinder und Jugendliche betreuen – ein Teil davon mehrere Stunden am Tag oder sogar rund um die Uhr“, berichtete Kerstin Mollenhauer.

Riesiges Gebiet

Weil Kimbu in der Region der einzige häusliche Pflegedienst sei, der auf die Bedürfnisse schwerkranker Kinder spezialisiert sei, erstrecke sich das Versorgungsgebiet von Hildesheim im Norden bis Kassel im Süden und von Hofgeismar im Westen bis Nordhausen im Osten – ein Radius von rund 80 Kilometern.

Und genau darin besteht auch das Problem: „Die Kosten für die zum Teil doch sehr weiten Fahrten werden von den Krankenkassen in den meisten Fällen nicht ausreichend vergütet“, so Mollenhauer.

Zeit im Auto

Dabei gehe es gar nicht so sehr um die tatsächlich anfallenden Fahrtkosten, sondern vielmehr um die Zeit, die die Mitarbeiter im Auto verbringen. „Um diese Zeit vergüten zu können, sind wir auf Spendengelder angewiesen“, sagt die Geschäftsführerin. 

Ein Zustand, der eigentlich untragbar sei. Wenn Kimbu aber nicht zu den Patienten nach Hause fahren würde, müssten die Eltern mit ihren schwerstkranken Kindern selber zum Arzt oder in die Klinik fahren und dort auch die langen Wartezeiten in Kauf nehmen. 

„Die familiäre Situation ist mit einem schwerkranken Kind ohnehin angespannt, zu Hause können sich die Kinder besser erholen und gegebenenfalls sogar die Schule weiter besuchen“, so Mollenhaupt.

Versorgungsradius

„Weil wir Probleme mit der Finanzierung der Fahrtkosten hatten, waren wir zwischendurch schon einmal eine Zeitlang gezwungen, unseren Versorgungsradius auf 30 Kilometer zu reduzieren“, sagt Pflegedienstleiterin Barbara Möllmann. 

Dadurch sei man gezwungen gewesen, zahlreichen Patienten den Pflegevertrag zu kündigen. „Das war ganz schrecklich“, so Möllmann. Auch wenn sich die Situation inzwischen wieder gebessert habe, gebe es immer noch reichlich Probleme. „Eines davon ist der Fachkräftemangel, weshalb wir viele Anfragen auch nicht bedienen können“, bedauert die Pflegedienstleiterin.

Neues Projekt

Von Kreisrat Marcel Riethig wünschten sich Mollenhauer und Möllmann unter anderem Unterstützung für das Projekt „Überleitungshaus“, in dem kranke Kinder und ihre Eltern unmittelbar nach dem Krankenhausaufenthalt zunächst einmal eine gewisse Zeit auf das vorbereitet werden können, was sie zu Hause erwartet.

„Dabei geht es gar nicht in erster Linie um Geld, sondern vielmehr um fachliche Unterstützung bei der Planung und der Umsetzung“, sagt Kerstin Mollenhauer. „Das ist ein hoch spannendes Projekt“, lobte Riethig und sicherte zu, Kimbu im Rahmen seiner Möglichkeiten dabei zu unterstützen.

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