Stadt rüstet sich

Göttingen hat nun eine Unterkunft für Covid-19-infizierte Geflüchtete und Wohnungslose

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Schlüsselübergabe für die Quarantäne-Unterkunft: (von links) Margarita Cajkin, Regina Munke, Martin Nolte und Petra Broistedt.

Göttingen – Eine zusätzliche Quarantäne-Unterkunft für Wohnungslose und Geflüchtete hat die Stadt Göttingen an der Breslauer Straße 1 eingerichtet. Dort können bis zu 20 Menschen untergebracht werden, die positiv auf Corona getestet wurden.

„Bisher ist uns kein einziger Corona-Fall unter Geflüchteten oder Wohnungslosen der Stadt bekannt“, betonte Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt am Montag bei der Vorstellung des Gebäudes. In den Flüchtlingsheimen gebe es bereits Isolierzimmer, ergänzte Regina Munke, Fachdienstleitung für Asyl- und Wohnungswesen. Außerdem verfüge die Stadt über vier Drei-Zimmer-Wohnungen für jeweils bis zu sechs Infizierte.

Das Gebäude an der Breslauer Straße hat zwei Etagen mit jeweils zehn Einzelzimmer. Sie sind mit Tisch und Stuhl, Bett und Spind schlicht eingerichtet. Auf den Fluren gibt es einen Spender mit Desinfektionsmittel. Eine Gemeinschaftsküche fehlt. Die Bewohner erhalten Vollverpflegung. Im Keller sind abschließbare Duschräume für Männer und Frauen. Außerdem stehen dort Waschmaschine und Trockner. Bei einer Belegung schaut ein Betreuer nach dem Infizierten. Zudem wird ein Sicherheitsdienst eingesetzt.

„Für die Geflüchteten gibt es Deutschkurse und Angebote der Beschäftigungsförderung online“, sagte Broistedt. Das Haus verfüge über Wlan. So werde den Infizierten während der Quarantäne die Zeit nicht lang. Wenn bei ihnen schwere Symptome aufträten, kämen sie sofort ins Krankenhaus.

„Wir informieren Geflüchtete fortlaufend in verschiedenen Sprachen über Corona“, stellte die Dezernentin klar. Den Menschen ständen in den Sammelunterkünftgen ausreichend Masken und DesinfektionsmitteI zur Verfügung. Es sei Platz vorhanden, um die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände einzuhalten. Leider werde auf Plakaten, die an vielen Stellen in der Stadt hingen, das Gegenteil behauptet.

Das Gebäude an der Breslauer Straße hat bis Oktober 2019 als Flüchtlingsunterkunft gedient. Sie war aufgrund von Problemen mit den sanitären Einrichtungen geschlossen worden. „Die zehn Zentimeter dicken Abflussrohre aus Gusseisen hatten sich zur Hälfte mit Kalk und Urinstein zugesetzt“, berichtete Bauunterhalter Martin Nolte. Die Rohre sind ersetzt worden. Das Haus hat zudem einen neuen Anstrich erhalten. Der Bauhof führte die Arbeiten gemeinsam mit Göttinger Firmen innerhalb von zwei Wochen aus. „Insgesamt sind 25000 Euro investiert worden“, so Margarita Cajkin, Fachdienstleitung Hochbau und Objektverwaltung.

Erbaut worden ist das Gebäude 1958 für den Militärischen Abschirmdienst, den Geheimdienst der Bundeswehr. Als diese nach der Wiedervereinigung ihren Göttinger Standort aufgab, fiel die Immobilie an die Stadt. Mehrere Jahre lang nutzte das Rechnungsprüfungsamt das Haus. 2015, zu Beginn der Flüchtlingskrise, entstand dort eine Sammelunterkunft. Damals wurden die beiden Gefängniszellen zurückgebaut, die dem Geheimdienst dort einst zur Verfügung gestanden hatten.

VON MICHAEL CASPAR

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