Familienunternehmen für Einrichtung

Wenig Fachkräfte, viele Internet-Käufe: Helten schließt nach 53 Jahren

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Nur noch bis Ende des Jahres: „Helten Einrichtungen“ im Industriegebiet Siekhöhe in Göttingen wird nach 53 Jahren schließen. Grund sind der Mangel an Fachkräften und ein verändertes Einkaufsverhalten. 

Wieder verschwindet ein renommiertes Göttinger Einzelhandelsgeschäft: Das im Industriegebiet Siekhöhe beheimatete Einrichtungshaus Helten schließt zum Ende des Jahres.

Seit Donnerstag, 19. September, gibt es einen Abschiedsverkauf zur Geschäftsschließung – mit hohen Abverkaufsrabatten, wie Inhaber Torsten Helten mitteilt.

Helten Einrichtungen ist ein typisches Beispiel für eine Firmengeschichte während der zunächst analogen und später digitalen Zeit sowie fehlender Fachkräfte: Gegründet, als Möbelhäuser wuchsen, die Kunden gerne zum Schauen, Probesitzen kamen – und dann auch kauften – als Stammkunden blieben. 

Geschlossen in den Zeiten der digitalen Welt, wo die Bestellung der Design-Lampe und des hochwertigen Sofas von eben jenem nach einem Preisvergleich per Maus-Klick oder Handy-Tastatur getätigt wird. Geschäftsführer Torsten Helten bleibt nur festzustellen: „Unsere kompetente, aufwändige Beratung ist begehrt. Danach aber beginnt zu oft die Jagd nach hohen Rabatten oder der vermeintlich günstige Kauf im Internet.“ Das sei ein Grund für den Rückzug des Familienunternehmens.

Ein solches ist Helten Einrichtungen immer gewesen: Das von den Rosdorfern Renate und Fritz Helten 1966 gegründete Einrichtungshaus wuchs über die Jahrzehnte stetig – das Konzept, ausgewählte und qualitativ hochwertige Design-Möbel bei fundierter Beratung zu verkaufen, kam an. 

Dafür stehen auch die Umzüge: Vom Gründungsstandort Nikolaistraße 12 ging es in der Göttinger Innenstadt 1970 in die Theaterstraße 17 und 1975 in die Düstere Straße 15.

Seit Jahrtausendwende auf der Siekhöhe, davor in der Innenstadt

Zur Jahrtausendwende folgt dann der große Schritt heraus aus der City und in das wachsende Industriegebiet Siekhöhe in die Herbert-Quandt-Straße 12 nahe der A 7 und dem Kaufpark. Die Ausstellungsfläche wächst auf stattliche 1350 Quadratmeter, Lager und Werkstatt sind ebenfalls im Haus. 

Mit dem Umzug lenkt der Sohn des Gründerpaars, Torsten Helten, die Geschicke des Unternehmens, das in Göttingen eine Nische besetzt.

Eine, in die zunehmend auch andere Möbelhäuser teilweise mit hineinstießen. Aber auch eine, die nicht mehr mit dem eigenen Anspruch der intensiven Beratung besetzt werden kann. Denn es fehlen dafür die Fachkräfte. Seit Jahren suche man bundesweit nach motivierten und qualifizierten Mitarbeitern für den Verkauf des hochwertigen Sortiments und die innenarchitektonische Beratung. „Leider oft ohne Erfolg“, stellt Torsten Helten ernüchtert fest. 

Denn heute würden die Menschen viel Wert auf Freizeit und ein freies Wochenende legen. „Arbeitszeiten am für uns wichtigen Freitagabend und Samstag passen deshalb vielen Menschen nicht mehr.“ Im Geschäft aber benötige man ständig fünf Mitarbeiter in Beratung und Verkauf. „Die haben wir nicht mehr.“ Das sei der Hauptgrund für die Schließung.

Geschäftsführer: Torsten Helten

Ein weiterer sei, dass sich das Einkaufsverhalten seit einigen Jahren massiv verändert hat – drastisch im Vergleich zu einst, als die Eltern das Haus führten. „Unsere Beratungsleistungen werden missbraucht“, bringt es der Geschäftsführer auf den Punkt. In der Hatz der Schnäppchenjagd hat ein Anbieter wie Helten Einrichtungen keine Chance, er unterliegt.

So folgt die Schließung, die stellvertretend für eine Entwicklung im Einzelhandel ist und die „uns sehr schwergefallen ist“, wie Torsten Helten bemerkt. Am Ende, nach 53 Jahren, bietet er vor allem den langjährigen Kunden – Ironie des Schicksals – Preisnachlässe an. „Eine einmalige Gelegenheit, hochwertige Designer-Möbel, Teppiche, Leuchten und Kunsthandwerk mit hohen Abverkaufsrabatten zu erwerben.“

Für Torsten Helten aber geht das Arbeitsleben natürlich weiter. Er will für seine Objektkunden bei Inneneinrichtungen da sein und sich in seinem weiteren Unternehmen „used-design“ stärker einbringen. 

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