Schwaches Herz wieder stärken

Herzforscher in Göttingen erhalten Millionen-Förderung für neue Therapien

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Aus Stammzellen wachsen neue Herzzellen: Die in Göttingen entwickelten „Herzpflaster“ stehen kurz vor der klinischen Erprobung. 

Wissenschaftler in Göttingen forschen an neuen Therapieren gegen Herzschwäche. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt sie mit Millionen. 

  • Am Herzforschungszentrum  der Universität Göttingen wird an Therapien gegen Herzschwäche geforscht
  • Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt das Zentrum seit 2012
  • Jetzt hat die DFG weitere 14, 6 Millionen Euro genehmigt

Herzinsuffizienz ist keine gute Diagnose, und noch dazu eine häufige, denn etwa zwei Prozent aller Europäer erfahren von Medizinern, dass sie eine Herzschwäche haben. Und leider zu viele leben danach keine fünf Jahre lang mehr. 

Doch es gibt Hoffnung, denn in Göttingen wird seit Jahren an Ursachen und Therapien geforscht, seit 2012 im „Sonderforschungsbereich (SFB) 1002“, für den die Universitäts-Medizin (UMG) nun 14,6 Millionen Euro für vier Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhält.

Forschung gegen Herzschwäche in Göttingen: Neue Therapien für wirksame Behandlung

Für den Klinik-Direktor, Vorsitzenden des Herzforschungszentrums und SFB-Sprechers, Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, ist das eine erfreuliche Nachricht, die Folgen haben könnten – positive, für Mediziner und Patienten, denn für die Forscher am SFB geht es vor allem darum, eine wirksamere Behandlung der Herzschwäche zu entwickeln und damit auch das Leben Betroffener zu verlängern. 

„Die weitere Förderung des SFB 1002 ermöglicht uns, neue Verfahren zur Behandlung der Herzinsuffizienz zu identifizieren, die wir im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) erstmals klinisch einsetzen werden“, sagt Hasenfuß. Zum DZHK gehören neben Göttingen weitere SFB-Standorte: Frankfurt und München.

Forschung gegen Herzschwäche in Göttingen: Spitzentechnik hilft

Die Göttinger Forscher spüren bei Patientenuntersuchungen und Modellverfahren krankhafte Herzveränderungen nach, versuchen, diese zu entschlüsseln. Dabei helfen hochauflösende Bildgebungsverfahren, biochemische und molekularbiologische Methoden. Besonders im Blick haben die Wissenschaftler dabei die Interaktion der Herzmuskelzellen und die Mechanismen der Genregulation. Sie sind also in kleinsten zellulären Funktionseinheiten unterwegs, denn diese könnten den Schlüssel verbergen, für die Lösung hin zu neuen Behandlungsmethoden. So treffen sich Grundlagen- und Anwendungsforschung – unter Beteiligung der erkrankten Menschen.

Direktor: Prof. Dr. Gerd Hasenfuß. 

Forschung gegen Herzschwäche in Göttingen: „Herzpflaster“ aus Stammzellen

Seit 2012 ist in Göttingen viel passiert auf dem Weg zum Ziel, der Herzschwäche einen Teil ihrer Gefahr zu nehmen, sie besser zu therapieren. Herausgekommen sind neue Diagnosemöglichkeiten, aber auch bereits Behandlungsverfahren, die bereits in klinischen Studien mit Patienten überprüft werden. 

Ein Beispiel dafür ist die Behandlung von Patienten mit starker Bindegewebsvermehrung im Herzmuskel, was dem Herz viel seiner Kraft nimmt. Ansatz der Therapie ist eine neue Medikamentenkombination und die verbesserte Diagnostik von Herzrhythmusstörungen durch ein neues, hochauflösendes Ultraschallverfahren und somit weitaus differenziertere Bilder. 

Kurz vor dem Einsatz steht ein weiteres revolutionäres Verfahren, das die Göttinger Herzforscher entwickelt haben: das aus Stammzellen gezüchtete „Herzpflaster“, das aus Stammzellen gezüchtet wird. „Es wird bald erstmals in einer klinischen Studie eingesetzt“, sagt Gerd Hasenfuß nicht ohne Stolz.

Forschung gegen Herzschwäche in Göttingen: Campus-Teamleistung

Dass Göttingen so weit vorne dabei in der Erforschung der Herzschwäche ist, dafür sorgt eine besondere Teamleistung in der Südniedersachsen-Metropole: Beteiligt sind Wissenschaftler aus Bereichen der Herz-Kreislaufforschung, Kliniker, Experten aus der Pharmakologie, Biochemie, Biophysik, Informatik und aus der Physik von Uni, aus neun Uni-Medizin-Kliniken und Instituten, aus der Versuchstierkunde des Primatenzentrums, der Abteilung Biophotonik am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

Für UMG-Vorstandssprecher Prof. Wolfgang Brück macht dieses krafvolle und filigrane Zusammenspiel amGöttingen Campus attraktiver für Wissenschaftler, und das ist vor einer weiteren spektakulären Neuerung wichtig: Auf dem Gelände der Uni-Klinik entsteht ein Forschungszentrum, das „Heart and Brain Center Göttingen“, das ein weiterer Beleg für die vernetzte Forschung von heute ist, an der Mediziner und Naturwissenschaftler für die Menschen arbeiten.

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Herzforscher der Göttinger Uni-Klinik sind dem Ziel, die Herzschwäche (Herzinsuffizenz) und gefährliche Herzrhythmusstörungen zu verringern, einen Schritt näher gekommen.

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