Studentenhaus Goßlerstraße 17

Hunderte demonstrieren mit Hausbewohnern gegen Rechtsextremismus

Massenprotest gegen Rechtsradikalismus: Vor dem Studentenwohnhaus Goßlerstraße 17/17a in Göttingen, nahe Uni-Campus, kamen am Samstag mehrere Hundert Demonstranten zusammen.
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Massenprotest gegen Rechtsradikalismus: Vor dem Studentenwohnhaus Goßlerstraße 17/17a in Göttingen, nahe Uni-Campus, kamen am Samstag mehrere Hundert Demonstranten zusammen.

300 Menschen haben am Samstag an einer Kundgebung gegen rechte Gewalt in Göttingen teilgenommen.

Die Demo ging an der Goßlerstraße vor dem Wohnhaus über die Bühne. Im Garten des Hauses war in der Nacht zum vergangenen Montag ein Brandanschlag verübt worden, den Bewohner und linke Gruppen Rechtsradikalen zuschreiben.

Aufruf mehrerer Inititativen

Das Motto der Kundgebung: „Für eine solidarische Nachbarschaft – Gemeinsam gegen rechte Gewalt in Göttingen und überall“. Mehrere Initiativen hatten zur Teilnahme aufgerufen, nachdem Unbekannte Feuer an einem Unterstand im Garten des selbst verwalteten linken Wohnhauses gelegt hatten und Nazi-Schmierereien auf dem Uni-Campus hinterlassen haben. Bewohner und einige politische Gruppen aus dem linken Spektrum vermuteten daraufhin einen rechtsradikalen Hintergrund und Täter aus dem rechtsextremistischen Spektrum.

Bewohner: Rechte Angriffe

Luca Wolf wohnt in dem Haus: „Wir sind überwältigt von der vielfältigen Solidarität. Das zeigt uns, dass wir als Nachbarschaft gegen Nazi-Terror in Göttingen und darüber hinaus zusammenstehen“, sagt er. Diese Attacke reihe sich in eine Vielzahl von Angriffen auf Hausprojekte, Kneipen und Einzelpersonen durch Neonazis ein. „Der Angriff richtet sich gegen alle, die nicht in das Weltbild von Neonazis und Rechten passen.“

Studentenwohnhaus Goßlerstraße 17/17a in Göttingen: Dort wurde am vergangenen Montag ein Feuer gelegt, das Bewohner selbst löschten.

Erstmals hatte sich auch die Uni Göttinen zu den Vorfällen geäußert: Ein Vertreter des Methodenzentrums Sozialwissenschaften sagte, dass man sich dem Anliegen anschließe, ein starkes Zeichen zu setzen. „Rechte Gewalt geht uns alle an und muss ernst genommen werden. Der Kampf dagegen muss gemeinsam erfolgen, an der Uni und überall.“

Solidarisch mit den Bewohnern

Auch andere linke Göttinger Wohnprojekte zeigten sich solidarisch, so eine Bewohnerin der Bühlstraße 28: „Auch bei uns gab es schon Einschüchterungsversuche der Neonazis, seien es rechte Sticker und Schmierereien, die Androhung von Gewalt oder die wiederholte Zerstörung unseres Schaukastens.“ Auch Schüsse aus einer Luftdruckwaffe von einem rechten Burschenschaftler auf einen Bewohner habe es in der Vergangenheit gegeben.

Erfolge des Widerstands

Ulla Schwardmann war es ein Anliegen, an der Kundgebung teilzunehmen: „Ich bin aus Solidarität gegenüber den Bewohnern gekommen. Es ist wichtig, rechtzeitig und nachhaltig präsent zu sein.“ In Göttingen sei man zivilgesellschaftlich gut aufgestellt, findet die Göttingerin. „So haben wir es mit vielen Demos und anderen Aktionen geschafft, den Rechtsextremisten Jens Wilke davon abzuhalten, zumindest derzeit öffentlich aufzutreten.“

Neben Reden, Musik und Solidaritätsbekundungen gab es am Samstag an der Goßlerstraße Stände mit Siebdruck, selbstgemachten Suppen, Kuchen, Waffeln und Informationen von Göttinger Initiativen gegen Rechts. Bewohner Luca Wolf fordert alle Göttinger dazu auf, sich auch in der kommenden Zeit an vielen Aktionen gegen Neonazis und rechte Akteure zu beteiligen, so an den Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag am 31. November in Braunschweig.

Von Stefan Rampfel

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