Songs aus 27 Jahren Bandgeschichte

"Göttingen, ihr rockt einfach": Beginner begeisterten 2600 Fans in der Lokhalle

+
Seit 27 Jahren ein Beginner: Eizi Eiz (Jan Delay) brachte die 2600 Zuschauer, die beim Auftritt in der Lokhalle zwei Stunden lang durchtanzten, ordentlich ins Schwitzen.

Göttingen. Zusammen mit 2600 Zuschauern ließen die Hamburger Rapper Eizi Eiz, Denyo und DJ Mad, alias die Beginner, die Göttinger Lokhalle beben. Dabei wurde es auch politisch.

Kurz wird es dunkel. Dann setzt der Beat wieder ein, das Licht geht an und die Bühne verschwindet hinter einem Wald aus Armen, die sich im Takt wiegen. „Und wie wär‘s mit ner Schelle? Ma‘eben auf die Schnelle?“, rappt Jan Philipp Eißfeldt, besser bekannt als Eizi Eiz oder Jan Delay. Dann lässt der Bass die Göttinger Lokhalle beben.

Die nach eigener Aussage „derbste Band der Welt“ ist mit ihrem vierten Album „Advanced Chemistry“ aus Hamburg angereist. DJ Mad, Denyo und Eizi Eiz, alias die Beginner, begrüßen knapp 2600 Zuschauer mit der Inkarnation eines Show-Openers: „Ahnma“, der erste Track der 2016 erschienen Platte. Wie ein Containerschiff walzt der düstere Bass eines Schiffshorns über den Zuhörer, und auch wenn der Refrain des Gangsta-Rappers Gzuz nur vom Band kommt, rappt das ganze Publikum mit. Überhaupt präsentiert sich Göttingen am Mittwochabend textsicher. „Wieso habt ihr hier in Göttingen den besten Reggae-Chor?“, wundert sich Eizi Eiz nach seiner 19 Jahre alten Version des Nena-Hits „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“.

HipHop, der verbindet

Wenn man etwas noch nie über HipHop sagen konnte, dann, dass er Generationen verbindet. Doch den Beginnern gelingt genau das. Sie haben in den 90ern die Anfänge des Deutschrap mitgestaltet und prägten die Hamburger Szene, deren Markenzeichen lockere, aber auch gesellschaftskritische Texte sind. Als Stilbruch wurde ihr aktuelles Album „Advanced Chemistry“ kritisiert, auch weil Gangsta-Rapper wie Gzuz oder Haftbefehl beteiligt waren. Das ist den Fans in Göttingen aber herzlich egal: Mittvierziger, Jugendliche, Familien mit Kindern, viele sangen mit, ob bei den neuen Songs wie „Meine Posse“ und „Es war einmal“ oder bei Klassikern wie „Liebes Lied“ und „Hammerhart“.

Nicht nur das Publikum war am Tanzen: Auch Eizi Eiz, besser bekannt als Jan Delay, geriet ordentlich ins Schwitzen.

Zeichen gegen Rassismus

Dann spricht Denyo von seiner zweiten Maxi-Single, dem Lied „Fremd im eigenen Land“ der deutschen HipHop-Pioniere Advanced Chemistry, denen sie ihr Album gewidmet haben. Und plötzlich stehen sie selbst auf der Bühne: Torch und Toni-L, zwei Gründungsmitglieder der Band. Mit einer Collage aus „Fremd im eigenen Land“ und „Thomas Anders“ setzen die Rapper ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit. Auch der Stuttgarter Rapper Afrob, der das Publikum zu Beginn aufgewärmt hatte, lässt es sich nicht nehmen, noch einmal herauszukommen.

Trotz gefühlter Temperaturen um die 40 Grad: Denyo trat im dicken Pullover auf.

Die Luftfeuchtigkeit hat gegen Ende 100 Prozent erreicht. Manche fächeln sich mit ihren Caps Luft zu. „Göttingen, ihr rockt einfach“ bedankt sich Eizi Eiz bei den Zuhörern, als die Beginner nach fast zwei Stunden und zwei Zugaben die Bühne verlassen. Einmal mehr haben sie gezeigt, dass Deutschrap mehr sein kann als nur prolliges Machogehabe. Nämlich nachdenklich, politisch, laut, lustig und sogar vereinend.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.