Unverpackt-Laden in Göttingen

Aber bitte ohne Plastik: In „Wunderbar Unverpackt“ kann man plastikfrei einkaufen

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Einkaufen geht auch ohne Plastik – das beweist Denise Gunkelmann mit „Wunderbar Unverpackt“ in Göttingen und Braunschweig. Unter der Woche arbeitet sie in beiden Läden.

Eine Alternative zu den Plastikverpackungen zahlreicher Supermärkte bietet Göttingens erster und einziger Unverpackt-Laden.

  • In Göttingen hat der erste Unverpackt-Laden aufgemacht, indem plastikfrei eingekauft werden kann. 
  • Die Besitzerin eröffnete bereits 2016 einen Unverpackt-Laden in Braunschweig.
  • Leute reagieren positiv auf das Plastikfrei-Komzept.

Dass Plastik schlecht für die Umwelt ist, dürfte mittlerweile bei der Mehrheit der Menschen angekommen sein. Doch der Verzicht auf Plastik ist in Supermärkten teilweise eine Herausforderung. 

Nudeln, Haferflocken und Schokolade? Verpackt. Tomaten, Salate und Gurken? Oftmals ebenfalls in Plastik gehüllt. Eine andere Möglichkeit bieten Läden wie „Wunderbar Unverpackt“ in Göttingen.

Göttinger Alternative zum Plastikwahnsinn

Unverpackt-Läden entstehen seit einiger Zeit in verschiedenen Städten und sind eine Alternative zum täglichen Plastikwahnsinn. Denn – wie der Name verrät – können Lebensmittel und Drogerieprodukte direkt in mitgebrachte Behälter abgefüllt werden. 

Einkaufen ohne Plastikmüll also. Denise Gunkelmann hat 2018 Göttingens ersten – und bislang einzigen – Unverpackt-Laden mittels Crowdfunding gegründet.

Alles außer Fleisch - Käsetheke, Milchprodukte und Trockensortiment

Die 30-Jährige steht in der Verkaufsfläche ihres Ladens in der Groner-Tor-Straße 22. Es ist ihr zweiter Laden, einen weiteren betreibt sie in Braunschweig. Die Beleuchtung ist angenehm, es läuft keine Musik und die Einrichtung ist schick, aber gleichzeitig gemütlich. Eine ruhige Atmosphäre zum Einkaufen. 

In „Wunderbar Unverpackt“ gibt es alles außer Fleisch – eine Käsetheke, Milchprodukte und ein umfangreiches Trockensortiment. Artikel wie Reis, Mehl und Nudeln sind in einem Regal an der Wand in Spender abgefüllt.

Auch Non-Food Artikel im Sortiment in Göttingen

Wer möchte, kann was Herz und vor allem Magen begehrt, in die mitgebrachten Behältnisse abfüllen. Diese werden zu Beginn gewogen, damit das Gewicht des Gefäßes nicht mitbezahlt wird. 

Und wer keine Behälter dabei hat, kann entweder im Laden welche erwerben, oder sich in der Kiste am Eingang bedienen. Dort hinterlassen Kunden gereinigte Gefäße wie Gläser und Dosen. Auch viele Non-Food-Artikel seien im Sortiment, sagt Gunkelmann, wie Shampoo oder Deodorant. Sie selbst verwendet nur Produkte aus dem Laden.

Bereits der zweite Laden - 2016 Eröffnung in Braunschweig

2016 eröffnete Denise Gunkelmann ihren ersten Unverpackt-Laden in Braunschweig, wo sie mit ihrem Freund lebt. Nach einer anfänglich harten Zeit etablierte sich der Laden. Und die gebürtige Göttingerin machte sich daran ihren zweiten Laden aufzubauen. „Göttingen tickt sehr grün“, sagt Gunkelmann. 

Von der Einstellung der Menschen passe ein solcher Laden sogar besser hierher als nach Braunschweig. In beiden Städten würden die Läden aber gut angenommen werden. Das Publikum sei sehr ähnlich. Dass habe auch viel mit dem veränderten Bewusstsein der Menschen zu tun.

Klimawandel durch Fridays For Future präsenter

Unverpackt-Läden sind hip – und besorgte Eltern wollen ihre Kinder vor Plastik schützen. Seitdem Fridays-For-Future auf den Straßen ist, verändert sich etwas. Mit der Jugendbewegung ist der Klimawandel präsent – und damit rücken auch alternative Formen des Verbrauchens ins Bewusstsein. 

Das kommt Läden wie Gunkelmanns zugute. Das merkte sie auch am Weihnachtsgeschäft, sagt Gunkelmann. Viele Menschen haben vergangenes Jahr nach nachhaltigen Geschenken gesucht. Das habe sie sehr gefreut und gezeigt, warum sie das mache. Die Leute würden allgemein sehr positiv auf das Plastikfrei-Konzept reagieren. 

Plastikfreie Bestseller sind Haferflocken, Müsli und Shampoo

Es gebe viele interessierte Nachfragen zu den Produkten, teilweise bringen die Kunden auch eigene Ideen ein. Ihr engster Partner ist der regionale Händler Naturkost Elkershausen. Die Bestseller seien Haferflocken, Müsli und Shampoo. 

Nur die Spender, in denen das Trockensortiment aufbewahrt wird, sind aus BPA-freiem Plastik. Aus praktischen Gründen, sagt Gunkelmann. Zum einen aus hygienischen, da sich Glasbehälter nicht bei 80 Grad reinigen lassen. Zum anderen aufgrund des Gewichts und des begrenzten Raums – Glasbehälter wiegen deutlich mehr und brauchen doppelt so viel Platz.

Viel Unterstützung von Partner, Familie und Freunden

Dass sie sich selbstständig gemacht hat, bereut Gunkelmann nicht. Zwei Läden zu haben, bedeutet aber, viel unterwegs zu sein. Montags und dienstags arbeitet sie in Göttingen, den Rest der Woche in Braunschweig. Das sei anstrengend, aber sie habe es sich ja selbst ausgesucht, sagt sie. 

Unterstützt wird sie von elf Mitarbeitern. Und ganz besonders auch von ihrer Familie, ihrem Freund und ihren Freunden. Das ist ihr wichtig zu betonen.

Video:  Green & Nachhaltig

Unverpackt-Laden in Kassel

Auch in Kassel soll im März ein Unverpackt-laden eröffnen. Dieser sammelte über eine Crowdfunding-Aktion Geld für das Startkapital. 31.000 Euro sind es geworden.

In Bornheim eröffnete Frankfurts dritter Unverpackt-Laden. Rund 600 Artikel des täglichen Bedarfs bietet das Geschäft.

Läden sagen Plastikmüll den Kampf an

Nach Angaben des Verbands Unverpackt ging das erste deutsche Geschäft mit ausschließlich losen Waren 2014 in Kiel an den Start, inzwischen gibt es demnach mindestens 178 solcher Läden. Hinzu kämen weitere 176 in Planung. Schwerpunkte sind die Metropolen, allerdings werden zunehmend Gründungen in Kleinstädten vorbereitet.

Alle Läden auf Internetseite des Verbands Unverpackt

 „Jetzt kommen die Pioniere, die aufs Land gehen“, sagt Verbandschef Gregor Witt, der in Köln das Geschäft Tante Olga mitgegründet hat. Auf seiner Internetseite hat der Verband alle Läden auf einer Deutschlandkarte markiert. Zum Beispiel in Osnabrück, Hildesheim, Braunschweig oder Göttingen können demnach Kunden bereits unverpackt einkaufen. Gründungen seien unter anderem in Alfeld, Delmenhorst und Goslar geplant. In Bremen gibt es mehrere Läden.

In konventionellen Supermärkten weniger Plastik

Auch in konventionellen Supermärkten werden mittlerweile wiederverwendbare Netze statt Plastik- oder Papiertüten für Obst und Gemüse angeboten. An Bedientheken können sich die Kunden Wurst und Käse in Mehrwegbehälter füllen lassen. Die Betreiber von Unverpackt-Geschäften hätten viele Ideen und Denkanstöße geliefert, die dazu beitragen, auch im klassischen Lebensmitteleinzelhandel Verpackungen zu reduzieren, sagt der Sprecher des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, Christian Böttcher. 

Jährlich knapp 230 Kilo Verpackungsmüll pro Kopf

Insgesamt gibt es etwa 37 000 Lebensmittelgeschäfte in Deutschland. Der Verpackungsverbrauch hat mit jährlich 18,7 Millionen Tonnen einen neuen Höchststand erreicht, wie die Deutsche Umwelthilfe kürzlich kritisierte. Das sind etwa 226,5 Kilo Verpackungsmüll pro Kopf.

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