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Göttinger Institution „Roter Buchladen“ wird 50

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Von: Thomas Kopietz

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Nicht wegzudenken: Der „Rote Buchladen“ am Nikolaikirchhof ist ein Unikum in der Verlags- und Buchstadt Göttingen. Er besteht ein halbes Jahrhundert. Jürgen Ehbrecht (links) und Klaus Schild sind seit vielen Jahren im Ladenteam dabei.
Nicht wegzudenken: Der „Rote Buchladen“ am Nikolaikirchhof ist ein Unikum in der Verlags- und Buchstadt Göttingen. Er besteht ein halbes Jahrhundert. Jürgen Ehbrecht (links) und Klaus Schild sind seit vielen Jahren im Ladenteam dabei. © Thomas Kopietz

Der „Rote Buchladen“ in Göttingen wird 50. Das Jubiläum wird am Wochenende (23./24.09.2022) mit Lesungen und einem Fest am Nikolaikirchhof gefeiert.

Göttingen – Der „Rote Buchladen“ feiert Jubiläum. Es gibt ihn seit 50 Jahren in Göttingen. Er hatte – natürlich – in der Roten Straße seine Niederlassung lange Zeit an der „Roten Straße“, wo auch seit Jahrzehnten linkspolitisch Interessierte und Aktive wohnen. Entstanden war er als ein „linkes“ Projekt, betrieben von einem Kollektiv.

Seit 1997 hat der Rote Buchladen seinen festen Platz am Nikolaikirchhof. Das 50-Jährige wird mit einem Festprogramm gefeiert – bis kommenden Samstag, 24. September. Das Sortiment im Roten Buchladen war und ist ein ausgewähltes, das es so in keiner anderen Buchhandlung in der Buchladenstadt Göttingen gab und gibt.

Festliches Jubiläum: Ein halbes Jahrhundert „Roter Buchladen“ in Göttingen

So Bücher zu Feminismus und Queerness, linker Theorie und deren Diskussion, sozialen Bewegungen, Nationalsozialismus und dessen Rezeption, marxistischer Theorie, Kritischer Theorie, Antirassismus und Migration, Anarchismus, Ökonomie – die Regale fassen weitere Buch-Themen, nicht zuletzt die Atomenergie.

Auch fehlt es nicht an Belletristik aus unterschiedlichen Ländern, ebenso wenig wie an Krimis und eine Auswahl an kritischen Zeitungen und Zeitschriften. Außerdem sind die Bücher und CDs der Büchergilde Gutenberg vorrätig. Darüber hinaus finden politisch Interessierte auch Flugblätter, Plakate und Informationsmaterial zu Veranstaltungen und Aktionen, wie die Betreiber sagen.

Bei Veranstaltungen ist der Rote Buchladen auch mit Büchertischen vertreten, so wie kürzlich der Lesung von Fußball-Buch-des-Jahres-Autor Bernd M. Beyer im Literaturhaus. Natürlich gibt es auch eigene Veranstaltungen, zum Teil im eigenen Laden.

„Roter Buchladen“: Feminismus und Queerness, linker Theorien und soziale Bewegungen in Göttingen

Aufgrund der Historie hat der Rote Buchladen natürlich ein älteres Stammpublikum. Aber „junge Themen“ wie die Gender-Thematik lenke auch jüngere Kunden in den Laden, schildern Klaus Schild und Jürgen Ehbrecht, die im Laden arbeiten und seit Jahrzehnten zum Team gehören.

Die beiden freuen sich, dass zu ihrem Laden-Team auch jüngere Mitarbeiterinnen zählen. „Der Laden hat mittelfristig eine Zukunft“, bilanziert Jürgen. Zwar ist der Buchladen heute nicht mehr, wie einst in der heißen Göttinger Phase, eine Anlauf- und Sammelstelle vor politischen Protestaktionen, aber durchaus ein Treffpunkt für politisch Interessierte und junge Leser.

Für das Festprogramm sind größere Räume gebucht: Am Freitag, 23. September, gibt es eine Lesung mit dem Göttinger Autor Reimar Paul, der aus den bewegten Göttinger Zeiten und seinem Buch „Unterwegs – die Jahre 1984-1989 in Göttingen“ liest. Los geht es um 19 Uhr im Literaturhaus Göttingen an der Nikolaistraße.

Göttingen: „Roter Buchladen“ wird 50 – Lesungen und Fest am Nikolaikirchhof

Am Samstag, 24. September, wird ab 14 Uhr auf dem Nikolaikirchhof gefeiert, mit Erinnerungen aus 50 Jahren: Es gibt Quiz, Getränke, Kuchen, Infostände und eine Lesung: um 18 Uhr mit Louisa Lorenz aus ihrem Buch: „CLIT – die aufregende Geschichte der Klitoris“.

Die Veranstalter bitten die Besucher, getestet zu kommen und FFP-2-Masken zu tragen. Ein Wunsch, den sich Jürgen und Klaus – die betonen, dass ihre Nachnamen unwichtig sind – einst nicht vorstellen konnten.

Die Zeiten ändern sich, der Rote Buchladen aber bleibt. Klaus und Jürgen vom Ladenteam sind auch diesbezüglich optimistisch, denn trotz digitalen Medien würden viele junge Leute Lesen und als Kunden in den Laden kommen. (tko)

2018 stellte der Göttinger Autor und Journalist Reimar Paul sein Buch „In Bewegung“ bei einer Lesung im „Roten Buchladen“ vor.

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