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Jugendlicher Elan gegen Klimakrise: Schüler besetzten Aula des Felix-Klein-Gymnasiums in Göttingen

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Von: Melanie Zimmermann

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Schülerinnen und Schüler besetzen kurz vor Weihnachten die Aula des Felix-Klein-Gymnasiums in Göttingen. Sie fordern die Politiker auf, endlich konkrete Schritte gegen die Klimakrise zu ergreifen.

Göttingen – Kurz vor den Weihnachtsferien ist am Felix-Klein-Gymnasium (FKG) in Göttingen fast alles wie immer. Aber eben nur fast. Seit Montag (19.12.2022) besetzen Schülerinnen und Schüler von „End Fossil: Occupy!“ die Aula des Gymnasiums. Aber warum eigentlich? Wie hilft das Besetzen öffentlicher Räume, die Klimakrise abzuwenden?

Schon beim Betreten des Schulgebäudes ist nicht zu übersehen, was dieser Tage dort los ist. An der Fassade des Eingangs wurde in grüner Farbe der Aufruf „Schulen besetzen“ gesprayt. Direkt im Foyer hängt unübersehbar das erste von vielen Bannern, das auf die derzeitige Besetzung hinweist. In den Fluren, auf den Toiletten kleben hier und da Sticker mit „End Fossil: Occupy!“ und dem Logo der Kampagne.

Umwelt-Demo in Göttingen: Schüler besetzen Aula des Felix-Klein-Gymnasiums

Ein Zeichen gegen die Klimakrise setzen: Von Montag bis Donnerstag haben Schülerinnen und Schüler der Klimaschutzorganisation „End Fossil: Occupy!“ die Aula des Felix-Klein-Gymnasiums besetzt.
Ein Zeichen gegen die Klimakrise setzen: Von Montag bis Donnerstag haben Schülerinnen und Schüler der Klimaschutzorganisation „End Fossil: Occupy!“ die Aula des Felix-Klein-Gymnasiums besetzt. © Emil Focks/End Fossil: Occupy!

Es ist 11.50 Uhr am Mittwoch. In der besetzten Aula im ersten Stock des FKG läuft ein Vortrag. Der dritte an diesem Tag. Und einer von vielen, die die Besetzenden in diesen Tagen dort anbieten. Zur Aufklärung. Für einen Diskurs.

„Wir wollen mit unserer Besetzung den Unterricht weder behindern noch aktiv stören. Wir haben die Schule als Ort unseres Protests gewählt, da wir hier für die Zukunft lernen und vorbereitet werden sollen“, erklärt Greta, 17 Jahre, eigentlich Schülerin an der IGS Geismar. „Was bringen uns gute Noten, wenn wir nach der Schule nur eine zerstörte Welt vorfinden?“.

Was bringen uns gute Noten, wenn wir nach der Schule nur eine zerstörte Welt vorfinden?

Greta (17), Schülerin der IGS Geismar

Genau wie Elly, 18 Jahre, Schülerin am Hainberg-Gymnasium (HG), hat sie bereits zwei Nächte in der Aula des FKG übernachtet. Gut die Hälfte der Besetzenden sind Schülerinnen und Schüler des Felix-Klein-Gymnasiums.

Die andere Hälfte käme von anderen Schulen, so die beiden Schülerinnen. Auf die Frage, wie es bisher läuft mit der Besetzung, strahlen sie. „Es läuft super.“ Beide waren bereits bei den Besetzungen in der IGS und am HG dabei. Greta außerdem auch bei der Besetzung des Hörsaals der Universität Göttingen.

Umwelt-Gerechtigkeits-Organisation „End Fossil: Occupy!“ nimmt Politiker in die Pflicht

Nach den erfolgreichen Aktionen an der IGS und dem HG gingen Planungen für das FKG los. „Das hier ist dann doch schon eine etwas andere Größenordnung“, gibt Greta zu. Rund anderthalb Monate haben die Besetzenden ihr Vorhaben am FKG geplant. Der 19. Dezember stand als Start bereits fest. Dann fiel am Montag im gesamten Landkreis der Unterricht wegen Eisglätte aus.

„Man könnte denken, dass uns das in die Karten gespielt hat – hat es aber ganz und gar nicht“, erzählt Elly. Mit der Besetzung wolle man einen Diskurs mit den Jugendlichen führen. „Aber wie soll das gehen, wenn ausgerechnet diese Zielgruppe dann nicht da ist?“ erklärt Greta. Alle für den Montag bereits geplanten Veranstaltungen wurden gecancelt. „Das war schade, denn so blieb uns ein Tag weniger für alles“, so die 17-Jährige.

Die Schülerinnen und Schüler schliefen auch in der Aula des FKG in Göttingen.
Die Schülerinnen und Schüler schliefen auch in der Aula des FKG in Göttingen. © Emil Focks/End Fossil: Occupy!

Am Dienstag geht es dann los. „Wir hatten morgens eine Veranstaltung, in der wir uns und unsere Bewegung vorgestellt haben – und die Aula war voll!“, erzählt Elly glücklich. Die Anwesenden stellten viele Fragen. „Davon waren natürlich auch viele kritisch“, sagt Greta. Dass sie mit ihrer Aktion provozieren und nicht jeder ihnen wohl gesonnen sei, ist ihnen bewusst. „Wir bekommen das auch hier in der Schule zu spüren, auch von Schülerinnen und Schülern“, so Greta.

Wir konnten uns, unsere Anliegen, unsere Sorgen erklären und darüber Gespräche führen.

Elly (18), Schülerin am Hainberg-Gymnasium

Was sie alle aber sehr gefreut habe, sei, dass es in einem Großteil der gestellten Fragen wirklich um Inhalte ging. „Wir konnten uns, unsere Anliegen, unsere Sorgen erklären und darüber Gespräche führen“, sagt Elly. „Darauf sind wir schon ein bisschen stolz, denn das ist genau das, was wir möchten“, ergänzt Greta. Unter den Zuhörenden in der Aula waren neben vielen Schülern auch einige Lehrkräfte.

Schülerinnen und Schüler im Spagat zwischen guten Noten und Umwelt-Engagement gefordert

Und wie stehen die Eltern zu dem politischen Engagement ihrer Kinder? „Ich habe meinen Eltern von Beginn an erzählt, was ich mache und worum es uns geht. Es ist ihnen anfangs nicht ganz leicht gefallen, das zu akzeptieren. Aber sie haben gemerkt, dass ich mir wirklich ernsthaft Sorgen um meine Zukunft mache. Und so haben sie es mit der Zeit verstanden und unterstützen mich“, erzählt Greta dankbar.

Auch Elly kann sich auf die Unterstützung ihrer Eltern verlassen. „Mein Vater hat gerade angerufen, dass er vor der Schule steht – er bringt mir noch ein paar Klamotten vorbei.“ Ihren Eltern sei es wichtig, dass ihr politisches Engagement sich nicht negativ auf ihre Leistungen in der Schule auswirke. „Aber das ist mir selber auch wichtig. Und bisher bekomme ich alles echt gut organisiert“, so die 18-Jährige.

Am Donnerstag war der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien. An diesem Tag endete auch die Besetzung der FKG-Aula mit einer Klimademo. Diese startete um 11.15 Uhr am FKG und führte in die Innenstadt. (mzi)

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