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Ein Stadttheater für die Region: JT-Spielzeit 2022/23 — junges Publikum im Blick

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Von: Thomas Kopietz

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Ausweichquartier an der Bürgerstraße mit (zu) kleinem Saal: Das Junge Theater (JT) muss deshalb auch verstärkt in größeren Hallen der Region spielen – wie in Northeim. Das eigentliche Domizil sollte 2022 saniert sein.
Ausweichquartier an der Bürgerstraße mit (zu) kleinem Saal: Das Junge Theater (JT) muss deshalb auch verstärkt in größeren Hallen der Region spielen – wie in Northeim. Das eigentliche Domizil sollte 2022 saniert sein. © Thomas Kopietz

Vom Klassiker zur Uraufführung: Das Junge Theater Göttingen stellt seinen Spielplan vor. In der Spielzeit 2022/23 wird es viel zu sehen geben – auch für das junge Publikum.

Göttingen – Auch die Spielzeit 2022/23 wird das Junge Theater (JT) Göttingen im Ausweichspielort an der Bürgerstraße verbringen. Von Freiwilligkeit kann aber keine Rede sein. „Wir sind hier gefangen!“, bringt es Intendant Nico Dietrich mit drastischen Worten auf den Punkt.

Denn eigentlich sollte das JT nach ursprünglicher Zeitplanung in der just gestarteten Spielzeit wieder zurückkehren in das Otfried-Müller-Haus (OMH). Dietrich nutzte deshalb die Vorstellung des Spielzeitprogramms, um auf die für das JT untragbare Lage hinzuweisen.

Ein Stadttheater für die Region: Das Junge Theater (JT) Göttingen stellt seinen Spielplan 2022/2023 vor

Seit 2016 ist an der Ecke von Wochenmarktplatz und Hospitalstraße aber nicht viel passiert. Das Domizil von JT und Aktionszentrum KAZ steht leer. Verantwortlich dafür ist die Stadt und noch immer ist nicht klar, wann die Sanierung richtig losgehen und beendet werden kann. Für die JT-Verantwortlichen entsteht so auch finanzieller Druck. Denn das JT holt fast 50 Prozent durch den Eintritt herein.

Wir sind hier gefangen. Wir müssen hier raus!

Nico Dietrich, JT-Intendant

Verschärfend hinzu kommt, dass auch die Zuschüsse seitens der Stadt stagnieren. So gab es 2012 exakt 722.000 Euro von der Stadt für das JT, 2013 waren es aufgrund des Entschuldungshilfeprogramms und der Sparauflagen vom Land nur noch 612.000 Euro. 2021/22 erhielt das Junge Theater 710.000 Euro – bei gleichzeitig deutlichen Kostensteigerungen in den vergangenen zehn Jahren.

Unter dem Strich stehen 12.000 Euro weniger feste Zuschüsse von der Stadt. Vom Landkreis erhielt das JT 2021 rund 55.000 Euro, vom Landschaftsverband 9000 Euro, macht insgesamt 774.000 Euro. Davon sind 120.000 Euro reiner Mietzuschuss. Bleiben 662.000 Euro für den Betrieb inklusive Bezahlung der 36 Mitarbeiter.

 Junges Theater Göttingen: Viel unterwegs – Ausweichquartiere weiterhin nötig

Kernproblem aber ist: Das wegen Planungsstillstands bei der Stadt scheinbar zum Dauerquartier werdende Ausweichhaus an der Bürgerstraße bietet 40 Prozent weniger Zuschauerplätze als der Saal in dem auf den Umbau wartende Otfried-Müller-Haus.

Auch deshalb zieht es das Team um Intendant Nico Dietrich öfter hinaus in die Region. Gastspiele dort polieren die Zuschauerbilanz auf. Kein Wunder, dass das Theater deshalb öfter zu den Menschen im Landkreis und darüber hinaus kommt. „Die Besucher müssen nicht so weit fahren“, nennt Dietrich einen Vorteil.

Noch wichtiger: Das JT bespielt so größere Hallen, wie die Stadthallen in Northeim und Osterode. „Wir sind ein Theater der Stadtteile und Regionen“ sagt Nico Dietrich und schiebt – ohne Seitenhieb – nach: „Wir sind auch eins der wirtschaftlichsten Theater der Region.“ Ein Drittel der gesamten JT-Zuschauer kämen aus dieser.

JT setzt auch auf junges Publikum: Kooperation mit 35 Kitas und Schulen und Familientheaterstücke

Zweites Mittel, um die Einnahmen zu erhöhen, ist das starke und weiter wachsende Kinder- und Jugendprogramm, basierend auf der Kooperation mit 35 Kitas und Schulen. Das betonte Dietrich bei der Programmvorstellung 2022/23. „Wir haben bereits 1500 Buchungen für Vorstellungen.“ So tauchen im Saisonspielplan auch verstärkt Stücke auf, die besonders auf das junge Publikum abzielen.

Dazu zählt sicher „Die Drei ??? Kids – Der singende Geist“. Das Familientheaterstück nach der Kult-Hörspielserie um die drei Detektive Justus Jonas, Bob Andrews und Peter Shaw zieht Menschen von 6 bis 70 Jahren an. Intendant Nico Dietrich wird das Stück bis zur Premiere am 2. Dezember bühnenreif machen. Auch die Stadthalle Northeim hat es bereits gebucht.

Ebenfalls auf das junge Publikum, weil Abitur-Thema 2023, zielt „Corpus Delicti“ nach dem Buch von Juli Zeh, eine „wichtige Autorin der Zeit“, wie sie Nico Dietrich bezeichnet. Thema ist die Sorge um den gesunden Körper und die Überwachung durch den Staat, der bei unsteter Lebensweise Strafen verhängt. Premiere wird am 27. Januar 2023 sein. Regie führen wird Kalma Streun.

JT präsentiert Saison-Eröffnungsstück „Woyzeck“

Das bereits gestartete Saison-Eröffnungsstück „Woyzeck“, ist ebenfalls Abitur-Stoff und dürfte starke Zuschauerzahlen bringen.

Am Ende sagt Intendant Nico Dietrich noch einmal mit Nachdruck: „Wir müssen hier raus, sind aber immer noch da.“ Also hilft nur: kreativ sein gegen die Krise. Dennoch ist und bleibt das JT ein Göttinger Theater. „Wir spielen trotz unserer Engagements im Umland nicht weniger in Göttingen.“

Infos, Programme und Karten finden sie hier oder unter Tel. 05 51/49 50 15. (Thomas Kopietz)

Junges Theater: Weitere Premieren in der Spielzeit 2022/23

Weitere Premieren im JT Spielzeit 2022/23: Im November startet das JT die Uraufführung von „Baron Münchhausen bittet zu Tisch“ in der Inszenierung von Götz Lautenbach und Nico Dietrich. Das Kochbuch der Baronin von Münchhausen wurde gefunden! Rezepte werden gekocht. Aber ist der Gastgeber wirklich der berühmte Lügenbaron? Die Zuschauer werden es erfahren.

„Achtsam morden“ steht am Samstag, 19. November, erstmals auf dem Programm. Auch bei der von Sascha Mey inszenierten Krimi-Komödie wird es lustig. Nach einem Achtsamkeitskurs bringt ein Strafverteidiger seinen Mandanten um. 17 Figuren stellen das skurrile Treiben vor – dargestellt von drei Schauspielerinnen. „Das könnte ein Kassenrenner der Saison werden“, sagt Dramaturgin Isabelle Küster.

Ein Klassiker steht mit der wunderbaren Liebes-Leben-Geschichte aus den 1970er-Jahren, „Harold und Maude“, ab 10. März 2023 an. Agnes Giese wird darin die Hauptrolle spielen. Schließlich darf in guter Tradition auch das JT-Musikstück nicht fehlen.

In „Beate – das Uhsical“ (Buch: Peter Schanz) geht es um das Leben der berühmt-berüchtigten Beate Uhse und die Musik aus der Zeit. Michaela Dicu inszeniert die Revue, deren Musik von einer Live-Band gespielt wird. Premiere ist am 28. April 2023. (tko)

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