Direktoren sind enttäuscht

Weiterführende Schulen in Göttingen: Keine Reservierung an Gymnasien

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Wollen Gerechtigkeit: Die Leiterinnen und Leiter der fünf Göttinger Gymnasien im Treppenhaus des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG): von links Michael Brüggemann (FKG), Wolfgang Schimpf (MPG), Rita Engels (OHG), Ulrike Koller (THG) und Georg Bartelt (HG). 

Göttingen. Den „Reservierungstermin“ der fünf Göttinger Gymnasien für Eltern der künftigen Fünftklässler am 13./14. Mai wird es nicht geben. Die Schulleiter haben das Angebot  zurückgezogen. 

Grund ist eine Intervention von Schulleitern zweier Gesamtschulen. Diese wollten ihren Vorabtermin durchsetzen, quasi den Erstzugriff auf potenzielle stärkere Schüler, und hatten gegen den Reservierungstermin beim Bezirksschulamt in Braunschweig interveniert.

Juristen prüften

Nach der juristischen Prüfung dort schluckten die Leiterinnen und Leiter der fünf Gymnasien nun die Kröte: Eltern können ihre Kinder dort erst am 20. und 21. Mai anmelden. „Es wird zeitgleich keinen Reservierungstag an Gymnasien und die Anmeldung an den Gesamtschulen geben“, fasst Michael Brüggemann, Schulleiter am Felix-Klein-Gymnasium (FKG), zusammen.

Enttäuschte Schulleiter

Die Enttäuschung sitzt tief bei Brüggemann, Ulrike Koller (THG), Georg Bartelt (HG), Rita Engels (OHG) und Wolfgang Schimpf (MPG), denn im Frühjahr 2018 hatte man sich in einer Runde mit dem Schulträger Stadt und den Gesamtschulleitern auf einen gemeinsamen Anmeldetermin geeinigt. Den gab es dann auch, formell aber war er von der IGS-Geismar unterlaufen worden.

Initialzündung für die Einigung war der 2017 von den Gymnasien kreierte zeitgleiche „Reservierungstermin“. Damals funktionierte die – auch für die Eltern vom Aufwand her praktische – Reservierung aus Sicht der Gymnasien prima: Etwa 80 Prozent der Reservierungen wurden am Ende zu fixen Anmeldungen. Es bestand früh eine Planungssicherheit, wie Brüggemann schildert. Und: Das Verfahren machte die Gesamtschulen nicht unbeliebter bei den Eltern und Schülern. Sie hatten weiter hohe Anmeldezahlen. Eine Intervention seitens der Gesamtschulen beim Bezirksschulamt gab es damals nicht.

Fakt ist: Der Schulträger Stadt kann gestaffelte Anmeldetermine festsetzen. Aber es gibt Bedenken: Nach dem Wegfall von Haupt- und Realschulen in Göttingen sind die Gesamtschulen keine Angebotsschulen mehr, sondern zu einer ersetzende Schulform geworden, wie Wolfgang Schimpf sagt. „Folglich sind die Gesamtschulen gleichberechtigt, mit allen Konsequenzen der Gleichbehandlung.“ Vorgezogene Anmeldetermine seien somit nicht angebracht.

Konzept unterlaufen

Laut Schimpf wird auch das Gesamtschulkonzept samt einer sinnvollen Mischquote von Haupt-, Realschul- und Gymnasialschülern unterlaufen. Durch das frühe Abgraben von guten Schülern, blieben so auch für die anderen Gesamtschulen weniger starke Schüler übrig, die optimale Mischung – wichtig für das Funktionieren des Gesamtschulkonzepts – stimmte zuletzt bei drei von vier Gesamtschulen (mit Bovenden) nicht mehr, so die Analyse der Gymnasialschulleiter.

Vorteil Gesamtschule

Warum der Schulträger Stadt unter dem mittlerweile pensionierten Dezernenten Siegfried Lieske (Grüne) nach der 2018 funktionierenden Regelung nun wieder zum gestaffelten Anmeldetermin zurückgekehrt ist, erschließt sich keinem der fünf Schulleiter. Wolfgang Schimpf sagt: „Es entsteht ein Vorteil für die Gesamtschule.“ Und ein Nachteil für die Eltern. Sie müssen möglicherweise zweimal mit den Originalzeugnissen auf Anmeldetour gehen.

Haupt-/Realschule

Der Wegfall von Haupt- und Realschulen in Göttingen führe auch dazu, dass zunehmend mehr Schüler dieser Leistungskategorie aus Göttingen weggingen – hin zu den Landkreis-Oberschulen in Dransfeld und Groß Schneen. „Eine kuriose Situation“, sagt Ulrike Koller. Nicht minder kurios: In Göttingen finden sie sich übrigens nicht nur in den Gesamtschulen, sondern auch in den Gymnasien wieder, wenn sie keinen Gesamtschulplatz bekommen.

Folgen nicht gesehen

„Man hätte bei dem von der Stadt in voraus eilendem Gehorsam betriebenen von Auslaufen der Haupt- und Realschulen in Göttingen diese Folgen und Entwicklungen antizipieren müssen“, sagt Wolfgang Schimpf. Er habe schon vor einigen Jahren in einem Aufsatz gewarnt, auch davor, dass rechtliche Grauzonen entstehen könnten.

Die fünf Gymnasialleiter jedenfalls wünschen sich „ein auskömmliches kooperatives Miteinander und gemeinsame Entscheidungen an einem Tisch“ mit den Vertretern von Gesamtschulen und dem Schulträger. Dass dabei etwas herauskommen kann, zeige die funktionierende Oberstufen-Stadtleiste – die sei im Sinne der Eltern und Schüler. Die jetzige Anmeldelösung aber nicht.

Anmeldetermine für weiterführende Schulen

Gesamtschulen in Göttingen: Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, Geschwister-Scholl-Gesamtschule und Neue IGS Göttingen in Weende. Montag, 13. Mai, 8 bis 18 Uhr Dienstag, 14. Mai, 8 bis 13 Uhr

IGS Bovenden: Mittwoch, 8. Mai, 13.30 bis 17.30 Uhr Donnerstag, 9. Mai, 13.30 bis 17.30 Uhr Montag, 13. Mai, 8 bis 18 Uhr Dienstag, 14. Mai, 8 bis 13 Uhr

Göttinger Gymnasien: Montag, 20. Mai, 8 bis 18 Uhr, Dienstag, 21. Mai, 8 bis 13 Uhr

Oberschulen: Bonifatiusschule II: Montag, 20. Mai, 8 bis 18 Uhr Dienstag, 21. Mai, 8 bis 16 Uhr; Carl-Friedrich-Gauß-Schule, Groß Schneen: Montag, 13. Mai, 8 bis 19 Uhr, Dienstag, 14. Mai, 8 bis 16 Uhr; Schule am Hohen Hagen, Dransfeld: Mittwoch, 8. Mai, 14. bis 18 Uhr, Donnerstag, 9. Mai, 8 bis 13 Uhr

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