Bestände wachsen

Ratten-Plage - ist der Klimawandel schuld?

Immer mehr Ratten werden es in Göttingen. Dazu haben mehrere warme Winter in Folge beigetragen. Zudem verschwinden natürliche Feinde und das Nahrungsangebot ist reichhaltig.

Beobachten seit ein, zwei Jahren verstärkt Ratten: Angler am Kiessee in Göttingen.
  • Die Zahl der Wanderratten in Göttingen nimmt zu.
  • Mehrere warme Winter haben zur Vermehrung der Nager begetragen.
  • Das Nahrungsangebot für die Ratten ist reichhaltig.

Göttingen – In Göttingen gibt es zunehmend mehr Wanderratten. „Wir werden spürbar häufiger zu Ratten-Einsätzen gerufen“, berichtet Peter Radtke von der Ibo Schädlingsbekämpfung und Desinfektion GmbH in Göttingen. Über „Hotspots“ will er mit Rücksicht auf seine Kunden, jeweils zur Hälfte Firmen und Privatpersonen, nicht sprechen.

Ratten in Göttingen: Beobachtungen am Kiessee

Am Kiessee beobachten Spaziergänger die großen Nager fast täglich, zum Teil mehrere gleichzeitig. Entsprechende Rückmeldungen erhält auch Thorsten Bierfreund, der Vorsitzende des Angelvereins Göttingen, seit „ein, zwei Jahren“ von Mitgliedern. Die Stadt Göttingen geht mit Ködern dagegen vor.

„Der letzte knackig kalte Winter liegt schon einige Zeit zurück“, erklärt Schädlingsbekämpfer Peter Radtke. So überlebten auch schwache Tiere. „Gleichzeitig nimmt die Zahl der Greifvögel ab, obwohl wir viele Nistkästen aufhängen“, ergänzt Uwe Zinke, der Vorsitzende des Nabu Göttingen.

Ratten in Göttingen: Bestände bei Greifvögeln schrumpften

In den vergangenen zehn Jahren seien die Bestände an Bussarden, Falken und Milanen geschrumpft. Er erklärt sich das unter anderem mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft. Die Wirkstoffe reicherten sich am Ende der Nahrungskette in den Greifern an.

Die Wanderratten, die entgegen ihrem Namen standorttreu sind, finden reichlich Nahrung in der Region Göttingen. Am Kiessee etwa füttern Bürger die Enten. „Verbotsschilder werden ignoriert“, beobachtet der Angelverein-Vorsitzende. Die Wasservögel fräßen nicht alles Brot. Vieles bleibe im Wasser oder am Ufer zurück. Zudem grillten und picknickten heute mehr Menschen als früher am See. Auch sie hinterließen Essensreste.

Ratten in Göttingen: Reich gedeckter Tisch im Umfeld von Wohnblocks

Dass Ratten im Umfeld von Wohnblocks keinen reich gedeckten Tisch finden, darauf achten die Wohnungsgesellschaften in Göttingen. „Unsere Mieter sind sehr genau“, lobt die Vorstandsvorsitzende der Volksheimstätte, Heike Klankwarth. Die Hausmeister passten auf, dass die Müllplätze aufgeräumt seien und keine Gelben Säcke tagelang an der Straße ständen. Die Volksheimstätte hat ihre Mieter gebeten, während der Corona-Krise keine Tüten mit Lebensmitteln für Obdachlose an die Zäune zu hängen. Krähen reißen die Beutel auf, schildert Klankwarth. Die Lebensmittel liegen dann auf dem Boden.

„Vereinzelt melden sich Mieter, dass sie eine Ratte gesehen haben“, sagt Claudia Schuhmann von der Wohnungsgenossenschaft Göttingen (WG). Sie schickten dann den Schädlingsbekämpfer vorbei.

Ratten in Göttingen: Lebensmittelreste nicht über Toiletten entsorgen

Lebensmittelreste sollten nicht über die Toiletten entsorgt werden, mahnt Dominik Kimyon, der Pressesprecher der Stadt. Anderenfalls vermehrten sich die Ratten in der Kanalisation. Die Abwasserschächte würden in Göttingen im Zuge der turnusmäßigen Kanalreinigung regelmäßig überprüft. Werde ein Rattenbefall festgestellt, erfolge eine fachgerechte Bekämpfung. Das geschehe das ganze Jahr über zielgerichtet. Ganz los werde eine Stadt Ratten jedoch nie.

„Die Nager übertragen Krankheiten“, warnt Ibo-Mitarbeiter Radtke. Sie wühlten sich durch Böden und Wände. Oft nagten sie an Kabeln und verursachten so Schäden.

Von Michael Caspar

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