Wahlen zum Jugendparlament

LGBT-Community: Lucas Logemann kandidiert für das Göttinger Jugendparlament

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Zum Thema Transgender herrscht laut Lucas Logemann viel Unwissen.

Die Wahlen für das Göttinger Jugendparlament laufen. Der 14-jährige Lucas Logemann will sich künftig für die queere Community in Göttingen einsetzen. Und gegen Mobbing.

Göttingen –Noch bis zum 17. März können Kinder und Jugendliche abstimmen, wer künftig für die Jugend Göttingens sprechen soll. Einer, der gerne die Interessen der Göttinger LGBTQIA+-Community (siehe Hintergrund) vertreten möchte, ist Lucas Logemann.

Logemann: Themen der LGBT-Community ansprechen

Der 14-Jährige Schüler des Felix-Klein-Gymnasiums wurde bei seiner Geburt dem weiblichen Geschlecht zugewiesen, lebt aber seit er zwölf Jahre alt ist entsprechend seiner Geschlechtsidentität. Im Parlament will er Themen, mit denen Jugendliche der LGBTQIA+-Community konfrontiert sind, ansprechen. „Man muss den Druck, den LGBTQ+-Jugendliche empfinden, wenn Mitschüler und Lehrer ihre Identität nicht verstehen beziehungsweise nicht ernst nehmen, senken“, sagt Lucas. „Besonders für Trans-Jugendliche, wenn es darum geht, welche Pronomen benutzt werden sollen.“

In der Schule herrsche bei Mitschülerinnen und Mitschülern oftmals Unwissen darüber, was Transgender ist. Viele würden sich lustig machen, erzählt er. Es sei wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler diesbezüglich mehr Informationen erhalten. „Viele wissen nicht, was das wirklich bedeutet und wie es sich anfühlt“, sagt Lucas. „Ich würde gerne darüber informieren, was es heißt, trans, bisexuell, schwul, lesbisch und so weiter zu sein, und zeigen, was für einen Effekt ‘Witze’ über LGBTQIA+-Jugendliche haben.“

Logemann: Mobbing-Prävention an Schulen

Unter anderem möchte er sich für ein Mobbing-Präventions-Training an Schulen einsetzen. Das ist ihm wichtig, denn der Alltag könne für Jugendliche der LGBTQIA+-Community frustrierend sein. „Ich bin der erste Transmensch an meiner Schule und möchte, dass andere nach mir es leichter haben“, sagt Lucas. Er betont aber auch, dass er gute Freunde um sich habe, die ihn unterstützen.

Ein großes Thema für Lucas sind geschlechtsneutrale Toiletten. Die Einrichtung solcher Toiletten erleichtert vielen Menschen im öffentlichen Raum den Alltag. Denn so werden Transpersonen oder nicht-binäre Menschen – Personen, die sich weder komplett männlich noch weiblich definieren – nicht zu Entscheidungen gezwungen, mit denen sie sich nicht wohl fühlen. 

Eine Gesellschaft, die überwiegend nur zwei Geschlechter kennt, stellt dabei Menschen vor Probleme, die nicht in die traditionelle Definition von Mann und Frau passen. Bei Lucas sieht die Lösung bisher so aus, dass er den Schlüssel zur Behindertentoilette der Schule erhalten hat.

Hainberg-Gymnasium: Bereits seit 2018 geschlechtsneutrale Toiletten

Anders das Göttinger Hainberg-Gymnasium. Dort gibt es seit 2018 zwei geschlechtsneutrale Toiletten. Statt den Symbolen für Mann und Frau steht „Toiletten“ auf den Türen. In Niedersachsen gilt es diesbezüglich keine Vorschrift. Für Schulbauten und deren Ausstattung seien in Niedersachsen die Schulträger, also Städte, Gemeinden und Landkreis zustädig, teilte das Kultusministerium auf Anfrage mit.

„Ich möchte dass die LGBTQ+ Community eine Stimme im Jugendparlament hat, so dass auch deren Probleme und Ideen klar gemacht werden. Was ich thematisieren würde, ist, dass LGBTQ+ normalisiert wird, besonders unter Jugendlichen“, sagt Lucas Logemann. Göttingen selbst habe für LGBTQIA+-Jugendliche viele Möglichkeiten, beispielsweise das Queere Zentrum. Jedoch sei es wichtig, dass nicht nur LGBTQ+-Jugendliche sich austauschen, sondern sich auch andere Jugendliche über die Themen informieren.

Hintergrund: Dafür steht LGBTQIA+

LGBTQIA+ kommt aus dem Englischen, ist eine Abkürzung und steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersexual, Asexual und Plus. Das Plus steht für alle Sexualitäten, biologischen und sozialen Geschlechter, die in dem Akronym LGBTQIA nicht vorkommen. Das Kürzel soll alle Sexualitäten beinhalten, die von der Heteronormativität abweichen. 

Mit Heteronormativität ist die gesellschaftlich verbreitete Annahme gemeint, dass biologisches und soziales Geschlecht übereinstimmen und dass es nur die Geschlechtstypen Mann und Frau gibt. Oft wird auch die kürzere Variante LGBT verwendet. LGBTQIA+ steht für eine Gemeinschaft und ist in der englischen Sprache seit Anfang der 90er-Jahre präsent, im Deutschen brauchte es etwas länger, sich zu etablieren. Ein weiteres international bekanntes Symbol der Gemeinschaft ist die Regenbogenflagge.

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