Literatur der Sängerin von "Wir sind Helden"

Judith Holofernes liest: Lyrik-Debüt mit „Vollmeise“

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Autogrammstunde nach der Lesung: Judith Holofernes überzeugte mit ihrem Programm im Alten Rathaus.

Göttingen. Mit ihrem Debüt-Gedichtband „Du bellst vor dem falschen Baum“ hat Sängerin Judith Holofernes (38) das von Frauen dominierte Publikum im Alten Rathaus fasziniert.

Durch den Abend des Literarischen Zentrums mit fast 300 Gästen führte der Lyriker und Literaturwissenschaftler Dirk von Petersdorff aus Jena. Zum Schluss war die charismatische Frau von ihren Zuhörern umringt; fast musste man glauben, dass sich alle, die ihr zugehört hatten, ihr Buch signieren lassen wollten.

Nachdem sich die Band „Wir sind Helden“ 2012 zum Rückzug entschlossen hatte, entschied sich auch die Band-Sängerin Holofernes für eine Pause. Anfang 2014 meldete sie sich mit ihrem Soloalbum „Ein leichtes Schwert“ musikalisch zurück. Das erste, was noch aus ihr herauskam, seien Tiergedichte gewesen, beschrieb die Künstlerin und erzählte, dass sie schon in den Songtexten über Tiere geschrieben habe. Sie veröffentlichte die Reime im Blog, ihre Leser wünschten sich mehr tierisches „Futter“. Die „psychedelischen Collagen“ von Vanessa Karré hätten schließlich den Ausschlag zu dem Buch gegeben. Als ihr liebstes Bild präsentierte die sympathische Autorin die bunte Zeichnung von den Lemuren und zitierte ihre Reime über die Tiere, die tanzen „ganz ohne Sinngebäude / Allein im Dienst der Freude“.

Mit ihren tierischen Gedichten spreche sie indirekt von den Menschen, beschrieb von Petersdorf ihre Lyrik und verwies auf den Einfluss von Robert Gernhardt „Man kann viel über die Menschen sagen, wenn man über Tiere spricht“, bestätigte Holofernes. Nicht biologisch korrekt, sondern spielerisch „zeichne“ sie die Tiere, sagte die Tierliebhaberin, die im wirklichen Leben als Allergikerin keine Haustiere halten darf.

Holofernes sei in ihren Gedichten die Balance zwischen Witz und Sinn gelungen, lobte von Petersdorff. Ein Beispiel für fast ungebremsten Wortwitz und viele Lacher gaben ihre Zeilen über die „Vollmeise“ – „Du hast keine? / Voll scheiße!“,. Mit der Ukulele begleitete die musikalische Lyrikerin ihr Gedicht zum Opossum. Autobiografisches verstecke sie in ihren Zeilen über Rehe. Viel habe sie gelernt von ihrer Mutter, die als literarische Übersetzerin mit Sprache umging und die Tochter außerdem mit ihrem ausgefallenen Musikgeschmack prägte. Keinesfalls wehrt sich Holofernes gegen Reime. Vielmehr akzeptiere sie deren Regeln. „Hanebüchene Reime“ brächten oft unerwartete Bedeutungen zu Tage.

Mit der „Helden“-Nummer „Denkmal“ und den „Tiefseefischen“ ging ein stimmiger Abend zu Ende, der Holofernes als Dichterin ins Rampenlicht stellte. Die Zuhörer applaudierten begeistert.

Von Ute Lawrenz

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