"Zustand ist kritisch"

Mädchen nach Sportunterricht im Koma - Eltern erheben schwere Vorwürfe

+
Die IGS Geismar im Göttinger Süden: An der Gesamtschule bangt man um eine 15-jährige Schülerin, die im Sportunterricht zusammenbrach.

Ein Mädchen ist beim Sportunterricht in Göttingen kollabiert. Die 15-Jährige liegt nun im Koma. Ihre Eltern erheben jetzt Vorwürfe gegen den Aufsicht führenden Lehrer.

Der Vorfall ereignete sich vor gut zwei Wochen an der IGS Geismar. Die 15-Jährige hatte am Sportunterricht teilgenommen und dabei vermutlich ein Herzkammerflimmern erlitten. Jetzt steht ein Verdacht im Raum: Nach dem Zusammenbruch leistete der Lehrer möglicherweise nicht Herz-Lungen-Wiederbelebung. Stattdessen haben die Schüler geholfen, wurde der Familie berichtet.

Nach einiger Zeit kam ein Notarzt und reanimierte die Jugendliche. Der Rettungsdienst brachte sie in die Göttinger Uni-Klinik. Inzwischen liegt die Jugendliche im Wachkoma in einer Kasseler Einrichtung für Neuropädiatrie und wird dort weiter behandelt. „Wir wissen nicht, was mit ihr passiert. Ihr Zustand ist kritisch“, sagt der Bruder.

Der Vater und der Bruder der Schülerin haben unterdessen einen Strafantrag wegen unterlassener Hilfeleistung gegen den Lehrer gestellt. „Ein Lehrer muss in einer solchen Notsituation sofort helfen und Reanimieren. Das wurde vom Bundesgerichtshof festgestellt“, sagt der Bruder.

Göttingen: Eltern stellten Strafanzeige gegen Lehrer

Eine Sprecherin der Polizei bestätigte inzwischen, dass eine Strafanzeige in dem Fall vorliegt. Weitere Details konnte sie mit Blick auf die laufenden Ermittlungen bislang noch nicht nennen. Das erste Fachkommissariat ist dabei, alle involvierten Personen anzuhören.

Deshalb hofft die Göttinger Familie, dass dieser Fall das Thema Hilfeleistung im Unterricht mehr in den Mittelpunkt rückt. „Es reicht nicht aus, einfach nur den Notarzt zu rufen. In einer solchen Situation, wie mit meiner Schwester, muss man handeln. Da geht es um Leben und Tod.“

Das Schicksal der Schülerin wühlt die Gemeinschaft an der Schule auf: „Wir sind in Gedanken bei unserer Schülerin und ihren Angehörigen, die im Moment Furchtbares durchmachen. Wir drücken unserer Schülerin die Daumen, dass sie schnell wieder gesund wird, und wünschen der Familie viel Kraft, um diese Situation durchzustehen“, sagt Schulleiterin Tanja Laspe.

Göttningen: Warten auf das Ergebnis der Ermittlungen

Was genau zu diesem tragischen Vorfall geführt hat, werde untersucht. Die Schule unterstütze die Polizei dabei vollumfänglich, kündigte Laspe unterdessen an.

Allerdings wolle die Schule zunächst das Ergebnis der Ermittlungen abwarten, bevor sie sich im Detail zu dem Vorfall äußern könne. „Ich habe großes Verständnis für Ausnahmesituation, in der sich die Familie befindet. Der Sportlehrer hat mir gegenüber versichert, sofort Erste Hilfe geleistet zu haben. Ebenfalls wurde der Rettungsdienst unmittelbar alarmiert.“ Auch die Klassenlehrerin habe sich mehrfach mit der Familie in Verbindung gesetzt, um „unser Mitgefühl“ auszusprechen und sich nach dem Befinden der Schülerin zu erkundigen.

Bundesgerichtshof: Ausbildung in Erster Hilfe

Ein Sportlehrer muss notfalls Erste Hilfe im Unterricht leisten können. Zur Amtspflicht von Sportlehrern gehört es, nötige und zumutbare Maßnahmen rechtzeitig und in ordnungsgemäßer Weise durchzuführen, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) im April in Karlsruhe.

Die Lehrer seien nicht durch ein „Haftungsprivileg“ geschützt, wie es für Nothelfer bei Unfällen gilt. Der Bundesgerichtshof hob damit ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main auf und wies den Fall zur Neuverhandlung an dieses Gericht zurück. Damit war ein ehemaliger Gymnasiast aus Wiesbaden mit seiner Klage vorerst erfolgreich. dpa/bsc

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.