Zentrale Anlaufstelle

Neue Beratungstelle zur Prävention von Salafismus und Islamfeindlichkeit in Göttingen

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Zu Salafismus und Islamfeindlichkeit gibt es eine zentrale Anlaufstelle in Göttingen: Die „Beratungsstelle zur Prävention gegen religiös begründete Radikalisierung“.

Göttingen. Zu Salafismus und Islamfeindlichkeit gibt es eine zentrale Anlaufstelle in Göttingen: Die „Beratungsstelle zur Prävention gegen religiös begründete Radikalisierung“.

Grundsätzlich werden dort alle Fragen Radikalisierung durch Religion von den beiden Ansprechpartnerinnen, die mit Namen nicht in der Öffentlichkeit auftreten wollen, beantwortet. „In der Praxis spielt in Göttingen bislang lediglich der Salafismus, also die muslimische Form der Radikalisierung eine Rolle“, sagen die Beraterinnen. Genaue Zahlen, wie viele junge Leute sich radikalisiert haben, gibt es nicht. „Vom Staatsschutz wird eine mittlere zweistellige Zahl genannt.“

Für die Radikalisierung gibt es mehrere Ursachen: So haben viele junge Muslime die Erfahrung machen müssen, dass die ausgegrenzt wurden. Das kann zu Identitätskonflikten bei den Betroffenen führen. „Diese Lücke wird gern von radikalen Predigern, die es auch in Göttingen gibt, genutzt. Sie verstärken bewusst dieses Gefühl, nie dazu gehören zu können.“ Von radikalen Muslimen werde dann auch eine Unvereinbarkeit von Demokratie und dem islamischen Glauben konstruiert. „Das gibt es aber in Wahrheit gar nicht“, sagen die beiden Mitarbeiterinnen des Göttinger Büros.

Um junge Leute vor dieser Gefahr durch Radikale in der Uni-Stadt zu schützen, gehen die Mitarbeiterinnen von „Radipräv“ in Schulen sowie Jugendeinrichtungen, um die dortigen Lehrer und Pädagogen zu unterstützen. „Wir versuchen in Gesprächen, das Thema Religion bei bestehenden Konflikten aus dem Fokus zu bekommen.“ Vertreten war die Anlaufstelle bereits im Herbst bei der Immatrikulationsfeier im Zentralen Hörsaalgebäude der Uni. Außerdem kommen Mitarbeiterinnen mit Schulen und anderen Einrichtungen bei Netzwerktreffen ins Gespräch.

Es werde versucht, sich gemeinsame Werte für das Zusammenleben zu erarbeiten. Dabei spielen die Stichworte Toleranz, Anerkennung, Wertschätzung sowie Nächstenliebe eine besondere Rolle.

Um an die Multiplikatoren heran zu kommen, wird es jetzt eine Veranstaltungsreihe geben. Dabei geht es um die Themen Kopftuch, Ramadan, Frauenbilder im Islam, muslimische Jugendkultur, Radikalisierung im Netz sowie Integration und Interreligiöse Öffnung.

Die Arbeit von „Radipräv“ hat eine Grenze: Konkrete Beratung für den Ausstieg aus der Radikalisierung gibt es nicht. In diesem Fällen wird auf überregionale Angebote verwiesen. So gibt es in Hannover das Aussteigerprogramm „Islamismus“ des Verfassungsschutzes.

Diese Einrichtung für Aussteiger aus der Salafisten-Szene ist über die Rufnummer 0162/2010816 zu erreichen.

Modellvorhaben des Landespräventionsrates

Das Projekt „Radipräv“, das in den kommenden Jahren laufen soll, ist eine Initiative des Göttinger Instituts für angewandte Kulturforschung, Liberal-Islamischen Bund, der auch eine Gemeinde in Göttingen hat. Finanziert wird das Projekt, das ein Modellvorhaben des Landespräventitionsrates Niedersachsen ist, vom Landkreis Göttingen, von der Stadt Göttingen und dem Bundesfamilienministerium über das Programm „Demokratie leben“. Die „Radipräv“-Beratungsstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung hat ihren Sitz in der Straße Am Leinekanal 4 in Göttingen, 0551/89023452, E-Mail: radipraev@ifak-goettingen.de

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