Landkreise Göttingen und Northeim betroffen

Stromtrasse Suedlink führt auf 315 Kilometern durch Niedersachsen

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Prototypen für das Erdkabel: Sie wurden in Göttingen vor einigen Jahren vorgestellt.

Der Verlauf der geplanten Stromtrasse Suedlink nimmt Formen an: Laut Vorschlag soll er zu einem Großteil durch Niedersachsen führen.

Aktualisiert um 9.12 Uhr - Die Übertragungsnetzbetreiber stellten gestern in Berlin den Streckenkorridor vor, den die Nord-Süd-Leitung nehmen soll. Dieser Vorschlag werde Ende des Monats der Bundesnetzagentur zur Entscheidung vorgelegt.

Tennet und TransnetBW über den Verlauf

Der vorgestellte Verlauf sei das Ergebnis umfangreicher Detail-Untersuchungen, berichteten die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW. Der Erdkabel-Korridor verläuft von Schleswig-Holstein über den Westen Niedersachsens nach Nordhessen und Südthüringen hinüber nach Bayern und Baden-Württemberg. Der Abschnitt in Niedersachsen soll 315 Kilometer lang sein und im Westen von Hannover, Hildesheim und Göttingen verlaufen.

Südlink Niedersachsen: Verlauf 

So verläuft Südlink durch Deutschland. Klicken Sie oben rechts, um die ganze Graphik zu sehen.

Während einige Landkreise aufatmen können, gehören zu den Verlierern die Kreise Northeim und Göttingen. Die Trasse soll westlich an Northeim und Göttingen vorbeigeführt werden und bei Friedland nach Hessen weitergehen. In Niedersachsen ist nicht nur der Verlauf der Trasse umstritten. Vor allem Landwirte stören sich an den geplanten Entschädigungen. Aus Sicht des Landesbauernverbandes ergeben sich für die Betroffenen kaum absehbare Folgen für die Ertragsfähigkeit der Böden.

20 Kilometer der Stromtrasse sollen durch Schleswig-Holstein führen, mit 60 Kilometern bekommt Hessen ebenfalls einen kleinen Teil der Kabel, die überwiegend unterirdisch verlaufen sollen. Die Netzbetreiber betonten, sie hätten sich bei der Auswahl an sachlichen Kriterien wie Wasser- und Artenschutz oder auch Baugebieten orientiert, nicht an politischen Wünschen.

„Es ist gut für die Akzeptanz, dass die Trasse jetzt im Gegensatz zu vorher überwiegend unterirdisch verlaufen soll“, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD). Jetzt gehe es darum, dass im Verlauf weiterhin möglichst alle Belange berücksichtigt und Konflikte möglichst vermieden werden.

Am Grundkonsens, dass für die Energiewende der Netzausbau nötig sei, dürfe aber nicht gerüttelt werden. Lies forderte die Betreiber auf, ihre genauen Pläne der Öffentlichkeit zu erläutern und alle Informationen zugänglich machen.

Stromtrasse Nord - Süd als Hauptschlagader der Energiewende

Von Ende Februar an bis Ende März werden nun nacheinander alle fünf Abschnitte der Suedlink-Trasse bei der Bundesnetzagentur beantragt, heißt es vom Netzbetreiber Tennet. Die Bundesnetzagentur wird voraussichtlich Ende 2019 über den tatsächlichen Korridorverlauf entscheiden. Die Planungen sollen bis 2021 abgeschlossen werden, die für die Energiewende wichtige Nord-Süd-Verbindung soll dann bis 2025 gebaut werden.

Die rund 700 Kilometer lange Stromtrasse soll eine „Hauptschlagader“ der Energiewende werden. Sie soll Strom aus Windkraft von der Nordsee nach Süddeutschland transportieren und so Ausfälle kompensieren, wenn bis Ende 2022 die verbliebenen Atomkraftwerke vom Netz gehen.

Über den Verlauf der Erdkabel-Leitung gibt es jedoch Streit. Thüringen wehrt sich dagegen, dass die Stromtrasse teilweise durch den Freistaat führen soll. Erfurt favorisiert einen Verlauf an Thüringen vorbei durch Hessen.

In den kommenden Wochen sollen die Bürger vor Ort über die Hintergründe der Streckenauswahl informiert werden, kündigte der Netzbetreiber Tennet an. Das Unternehmen bezeichnete die westliche Route durch Niedersachsen als „deutlich vorzugswürdig“ gegenüber der Ostquerung.

Noch am Abend erhielten die betroffenen Bürgermeister und Landräte in nichtöffentlichen Veranstaltungen Informationen über das weitere Vorgehen. dpa

Südlink Trasse: Weitgehend verlustfreier Transport auf „Stromautobahn“ 

Die geplante Erdkabel-Trasse Suedlink soll Strom vor allem aus Windkraftanlagen von Brunsbüttel an der Elbe in Norddeutschland in den Süden der Republik transportieren. Dabei wird eine Gleichstrom-Technologie (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) eingesetzt. Der große Vorteil dabei: Die Übertragung auf der etwa 700 Kilometer langen „Stromautobahn“ erfolgt ohne größere Verluste.

Mit herkömmlicher Wechselstromtechnik funktioniert hingegen die künftige 380 000-Volt-Trasse zwischen Wahle bei Peine in Niedersachsen und Mecklar bei Bad Hersfeld in Nordhessen. Dadurch kann beispielsweise das Pumpspeicherwerk Erzhausen im Landkreis Northeim, das siebtgrößte seiner Art in Deutschland, problemlos an die künftige Leitung angeschlossen werden. Für die 230 Kilometer lange Trasse wurden schon erste Hochspannungsmasten aufgestellt. Bei Wechselstromtrassen geht unterwegs deutlich mehr elektrische Energie verloren. Weitere Infos zum Netzbetreiber Tennet gibt es im Internet.

Aus der Region: Südlink soll durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufen - Tennet gibt Vorzugstrasse bekannt

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