Uni-Klinik

Medizinische Sensation aus Göttingen: Dieses Pflaster soll Herzinfarkte und Schlaganfälle vorbeugen

Diese mobilen Rhythmuspflaster, die Ko-Studienleiter Prof. Dr. Rolf Wachter in der Hand hält, können Vorhofflimmern bei Risikopatienten erkennen.
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Diese mobilen Rhythmuspflaster, die Ko-Studienleiter Prof. Dr. Rolf Wachter in der Hand hält, können Vorhofflimmern bei Risikopatienten erkennen.

Rund 1,8 Millionen Menschen leiden an Vorhofflimmern. Ein Pflaster von der Uni-Klinik Göttingen kann die gefährliche Herzrhythmusstörung frühzeitig erkennen – und damit Leben retten.

Göttingen – Ein Pflaster auf der Brust, dass das gefährliche Vorhofflimmern zuverlässig früh erkennt, so Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen hilft: Mit dieser medizinischen Sensation und guten Nachricht wartet die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) auf: Forscher der UMG haben herausgefunden, dass ein mobiles „Rhythmuspflaster“ das gefährliche Vorhofflimmern bei Herzpatienten zehn Mal häufiger als die herkömmliche Diagnostik erkennt.

Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, an der Forscher aus Kanada und Deutschland, so auch der UMG, beteiligt waren.

Göttingen: Uni-Klinik forscht an Pflaster, dass Herzinfarkte und Schlaganfälle vorbeugt

Das Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, von der mehr als 30 Millionen Menschen weltweit betroffen sind. Durch den unregelmäßigen Herzschlag kann das Blut in den Vorhöfen verklumpen. Gelangen solche Gerinnsel in das Gehirn und verschließen Gefäße, entsteht ein Schlaganfall.

In der Studie wurde ein Rhythmuspflaster untersucht, das jeden Herzschlag via integrierter EKG-Einheit aufzeichnet und stummes Vorhofflimmern aufspüren kann. An der Studie nahmen 856 Menschen aus 48 Hausarztpraxen von 2015 bis 2019 teil. Die Teilnehmer waren 75 Jahre oder älter und hatten einen hohen Blutdruck, aber kein bekanntes Vorhofflimmern. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt das Rhythmuspflaster, das zweimal für jeweils zwei Wochen auf die Brust geklebt wurde. Die andere Hälfte erhielt die medizinische Standardversorgung. Das Pflaster wurde nach zwei Wochen abgenommen und zur Auswertung eingeschickt.

Häufig macht Vorhofflimmern keine Beschwerden und ist so nur schwer zu erkennen. „Wir hoffen, dass, wenn wir stummes Vorhofflimmern besser erkennen, mehr Menschen frühzeitig behandelt und Schlaganfälle verhindert werden könnten“, sagt der Studienleiter Dr. David Gladstone vom Sunnybrook Health Sciences Centre und der Uni Toronto.

Uni-Klinik Göttingen – Pflaster erkennt bei vielen Testpersonen Vorhofflimmern

Die Studie ergab, dass das Pflaster von den Teilnehmern gut vertragen und Vorhofflimmern zehn Mal häufiger erkannt wurde. In der Pflastergruppe wurde bei 23 Teilnehmern Vorhofflimmern festgestellt, in der Kontrollgruppe nur bei zwei Personen. Von den Vorhofflimmerpatienten erhielten 75 Prozent ein blutverdünnendes Medikament zum Schutz vor Schlaganfällen.

„Die Vorhofflimmerepisoden, die wir gefunden haben, waren meist mehrere Stunden lang. Blutverdünner sind allgemein bei Vorhofflimmerpatienten sehr effektive Medikamente und können das Schlaganfallrisiko um fast 70 Prozent senken. Allerdings ist für die von uns identifizierten Patienten die bestmögliche Therapie noch nicht ausreichend untersucht“, sagt Ko-Studienleiter Prof. Dr. Rolf Wachter vom Herzzentrum der UMG und vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Göttingen. (Carolin Eberth, Thomas Kopietz)

Die UMG betreibt viel Forschung hinsichtlich der Gesundheit des . Herzens. Während der Corona-Pandemie bildet die Uni-Klinik auch Experten für Herzinsuffizienz aus.

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