Amtsgericht Göttingen

Seniorin verprügelt Polizisten: Urteil gefallen

Das Bild zeigt einen Streifenwagen der Bundespolizei mit eingeschaltetem Blaulicht.
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Die Seniorin in Göttingen soll einem Polizisten Schmerzensgeld zahlen.

Weil sie einen Polizeibeamten angegriffen haben soll, musste sich eine Seniorin vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten.

Göttingen – Eine 76-jährige Göttingerin soll einem Polizisten 500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das hat das Amtsgericht Göttingen entschieden. Der Polizist hatte dort eine Zivilklage gegen sie erhoben. Er warf ihr vor, im Januar 2017 bei einer Durchsuchung eines Göttinger Wohnhauses Widerstand geleistet und ihm dabei das Nasenbein gebrochen zu haben. Seine Forderung: 1500 Euro Schmerzensgeld.

Die 76-Jährige bestritt dies. Das Gericht gab dem Polizisten jedoch recht, wie ein Sprecher mitteilte. Er habe allerdings nicht bewiesen, dass die Nase dadurch gebrochen sei. Daher habe er nur Anspruch auf 500 Euro.

Die mündliche Verhandlung fand im vergangenen Dezember statt. Der Richter regte einen Vergleich an. Der Polizist signalisierte, ihm reiche ein symbolischer Betrag; die 76-Jährige war zu keiner Verständigung bereit. So musste das Gericht entscheiden. Ein Sachverständigengutachten wurde in Auftrag gegeben, um zu klären, ob der Polizist bei dem Vorfall einen Nasenbeinbruch erlitt.

Eine weiterer Grund für die Entscheidung waren Zeugenaussagen aus der mündlichen Verhandlung. Nach Angaben der Polizei betraf die Durchsuchung einen Sohn der Frau, der in dem Haus gemeldet war. Er war im Zusammenhang mit anderen Ermittlungen in den Verdacht der Urkundenfälschung geraten. Da der Hauptbeschuldigte aus diesem Komplex Kenntnis von den Ermittlungen erlangt hatte, wollte die Polizei den Durchsuchungsbeschluss mit einem Eileinsatz vollstrecken lassen.

Die Beamten fanden am Eingang des Hauses seinen Nach- und abgekürzten Vornamen auf einem Schild, an der Wohnungstür nicht. Als die drei Polizisten klingelten, machte ihnen die damals 73-Jährige auf. Was folgte, war umstritten. Jedenfalls ließ die Frau die Polizisten nicht herein, knallte die Tür zu.

Nachdem sich diese vergewisserten, dass der Sohn in dem Haus gemeldet war, klingelten sie erneut. Diesmal öffnete der Lebensgefährte der Frau. Kurz darauf eskalierte es. Der Polizist gab an, die Frau sei mit Fäusten auf ihn zugegangen und habe auf seinen Kopf eingehämmert, sodass seine Brille durch die Wohnung flog. Sie bestritt dies und gab an, die beiden seien „wie zwei Verbrecher behandelt“ worden. Das Gericht war jedoch überzeugt, dass die Frau den Polizisten attackierte. Ein Grund: Ein beteiligter Beamter kritisierte seinen Kollegen in der Vernehmung als oft barsch und „zu explosiv“. Gleichzeitig bestätigte er, dass die Frau geschlagen habe.

Nach Ansicht des Gerichts hat der Kläger entgegen ihrer Schilderung auch seinen Dienstausweis gezeigt. Nicht erwiesen sei, dass der Beamte durch den Schlag eine Fraktur erlitt. Dem Gutachten zufolge habe sich der Verdacht durch Arztberichte und Röntgenbilder nicht bestätigt. (Heidi Niemann)

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