1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Neun Jahre Haft für tödlichen Überfall auf Rentner in Göttingen

Erstellt:

Von: Heidi Niemann

Kommentare

Tatort im Narzissenweg in Göttingen: Der 41-Jährige hat nach Überzeugung des Gerichts im September 2018 einen 87-Jährigen überfallen, der später an den Folgen der Verletzungen verstarb.
Tatort im Narzissenweg in Göttingen: Der 41-Jährige hat nach Überzeugung des Gerichts im September 2018 einen 87-Jährigen überfallen, der später an den Folgen der Verletzungen verstarb. © Bernd Schlegel

Bei einem brutalen Raubüberfall kommt ein Rentner in Göttingen ums Leben. Mehr als vier Jahre nach der Tat nun das Urteil: Neun Jahre Haft für den Täter.

Göttingen – Mehr als vier Jahre nach einem brutalen Raubüberfall auf einen Rentner in Göttingen hat es jetzt ein erstes Urteil in dem Fall gegeben. Das Landgericht Göttingen verurteilte einen aus Rumänien stammenden 41-jährigen Angeklagten wegen schweren Raubes und fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren.

Die Kammer habe außerdem entschieden, dass wegen der überlangen Verfahrensdauer drei Monate Haft als vollstreckt gelten, teilte ein Gerichtssprecher mit. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Angeklagte mit einem zweiten, bislang unbekannten Täter im September 2018 einen 87-jährigen Rentner in dessen Wohnung im Göttinger Narzissenweg überfallen und ausgeraubt hatte.

Landgericht Göttingen: Neun Jahre Haft für Täter nach tödlichen Überfall auf Rentner

Der Rentner wurde dabei so schwer verletzt, dass er zehn Tage später an den Folgen verstarb. Mit seinem Urteil blieb das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für den 41-Jährigen eine Freiheitsstrafe von elf Jahren und sechs Monaten wegen Raubes mit Todesfolge gefordert.

Der Verteidiger plädierte dagegen auf Freispruch. Für den Fall, dass das Schwurgericht seinen Mandanten für schuldig befinden sollte, beantragte er, den Angeklagten wegen besonders schweren Raubes mit fahrlässiger Körperverletzung zu verurteilen. Der Verteidiger hatte am vorletzten Verhandlungstag noch für eine Überraschung gesorgt.

Eigentlich wollte das Gericht sein Urteil bereits Anfang Dezember verkünden. Unmittelbar vor der Urteilsverkündung teilte Rechtsanwalt Harald Lemke-Küch jedoch mit, dass er gerade von seinem Mandanten erfahren habe, dass dieser den angeblichen Täter benennen wolle. Der Angeklagte beschuldigte dann einen ebenfalls in Göttingen lebenden 26-jährigen Landsmann, die Tat begangen zu haben.

Raubüberfall in Göttingen in 2018: Prozess zog sich über mehr als drei Monate hin

Der 26-Jährige hatte vor einiger Zeit in einem anderen Verfahren gemeinsam mit dem 41-Jährigen und zwei weiteren Angeklagten aus Rumänien und dem Kosovo wegen einer Serie von Wohnungseinbrüchen und Fahrraddiebstählen vor Gericht gestanden. Das Landgericht verurteilte ihn damals zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Das Verfahren gegen den 41-Jährigen, der in dem Prozess wegen insgesamt zehn Taten angeklagt war, war kurz nach dem Auftakt aus Krankheitsgründen abgetrennt worden. Später wurde es vorläufig eingestellt, weil der Raubüberfall auf den Rentner mit den tödlichen Folgen deutlich schwerer ins Gewicht falle als die sonstigen Einbruchs- und Diebstahlsdelikte. Nicht zuletzt aufgrund der coronabedingten Einschränkungen dauerte es dann allerdings längere Zeit, bis auch dieser Fall vor Gericht kam.

Der Ende August gestartete Prozess zog sich dann über mehr als drei Monate hin. Nach der überraschenden Einlassung kurz vor der geplanten Urteilsverkündung setzte das Landgericht noch einen weiteren Verhandlungstag an und lud den von dem Angeklagten beschuldigten 26-Jährigen als Zeugen vor. Dieser machte allerdings wenig überraschend von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Am Ende der Beweisaufnahme war das Gericht von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Heidi Niemann)

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion