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Nach 15 Tagen Frist droht Rauswurf: Demonstration gegen Zwangsräumung von Göttinger Familie

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Von: Hannah Köllen

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In Göttingen droht einer Familie die Zwangsräumung. Zahlreiche Göttingerinnen und Göttinger demonstrieren gegen den anstehenden Rauswurf.

Göttingen – Seit fast 15 Jahren lebt die Familie Rama in ihrer Wohnung in Göttingen. Jetzt muss sie ihr Zuhause verlassen: Die Stadt Göttingen zwingt sie aus ihrer Bleibe – so erzählt es Familienvater Admir Rama.

„Ich habe im August ein Schreiben bekommen. Darin steht, dass wir unsere Wohnung innerhalb von 15 Tagen verlassen müssen“, sagt Rama. Die Stadt Göttingen gebe als Grund für die Zwangsräumung vor, das Haus renovieren zu wollen.

Demo in Göttingen: Gegen Zwangsräumung von Familie

Protest gegen die Zwangsräumung: Demonstranten vor dem Neuen Rathaus in Göttingen.
Protest gegen die Zwangsräumung: Demonstranten vor dem Neuen Rathaus in Göttingen. © Hannah Köllen

Mit einem Anwalt sei er gegen das Vorhaben der Stadt vorgegangen, und habe im Anschluss einen Nutzungsvertrag bis August 2023 erhalten.

Doch vor einigen Wochen flatterte dann ein weiterer Brief ein: Erneut sei die 12-köpfige Familie aufgefordert worden, die Wohnung zu räumen. Dieses Mal seien ihnen lediglich 10 Tage Zeit gewährt worden, um ihre Wohnung zu verlassen. Der Plan der Stadt sei es, die Familie übergangsweise in einer Unterkunft für Wohnungslose unterzubringen.

Doch die für Mitte Dezember angekündigte Zwangsräumung der Wohnung konnte verhindert werden: „Es standen über 30 Leute vor unserer Haustür, als die Beamten kamen“, erinnert sich Rama, der aktuell Hartz IV bezieht.

Räumung in Göttingen: Organisationen zeigten sich solidarisch mit betroffener Familie

Verschiedene Organisationen zeigten sich solidarisch mit der Familie. Auch die Basisdemokratische Linke (IL) war vor Ort: „Die Zwangsräumung konnte durch unseren Protest nicht vollzogen werden“, sagt Robin von der IL. Ihm erschließe sich nicht, wieso die Familie ihre Wohnung unbedingt jetzt in der kalten Jahreszeit verlassen müsse.

„Wir verstehen nicht, aus welchem Grund die Zwangsräumung unter so einem Zeitdruck stattfinden muss. Zwischen den Jahren wird sicherlich nicht mit den Renovierungsarbeiten begonnen“, sagt Robin.

Es ist unsere Verantwortung als Göttingerinnen und Göttinger, auf die Straße zu gehen, wenn bei unseren Nachbarn und Kolleginnen die Behörden vor der Tür stehen.

Lena Rademacher, Basisdemokratische Linke

Am vergangenen Mittwoch versammelten sich dann rund 60 Menschen vor dem Neuen Rathaus in Göttingen zu einer Demonstration, zu der die IL aufgerufen hatte.

„Es ist unsere Verantwortung als Göttingerinnen und Göttinger, auf die Straße zu gehen, wenn bei unseren Nachbarn und Kolleginnen die Behörden vor der Tür stehen“, sagt Lena Rademacher von der IL.

Stadt Göttingen äußert sich nicht zu Zwangsräumung

Auch die Göttinger Initiative „Genug ist genug“ war bei der Demo anwesend. „Eine Zwangsräumung in der gegenwärtigen Krise zeigt deutlich, dass die Politik weiter nach unten tritt“, sagt Max, Pressesprecher bei der Organisation.

Eine Zwangsräumung in der gegenwärtigen Krise zeigt deutlich, dass die Politik weiter nach unten tritt.

Max, Pressesprecher von Göttinger Initiative „Genug ist genug“

Die Stadt Göttingen wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht zu dem Fall äußern: Die Stadt könne sich nicht zu Einzelfällen äußern, „dies gebietet allein schon das Datenschutzrecht“, sagte Christoph Sternadel, persönlicher Referent der Oberbürgermeisterin.

Unterkünfte sollten so gestaltet werden, „dass den Anforderungen an gesunde Wohnverhältnisse entsprochen wird“, führte Sternadel weiter aus. Sei dies nicht möglich, versuche die Stadt gemeinsam mit den Bewohnern, „Lösungsvorschläge für eine alternative Unterbringung“ zu finden.

Aber: „Letztlich muss sich aber auch die Stadt Göttingen bei der Suche nach Alternativen an dem ihr zur Verfügung stehenden sowie am freien Markt verfügbaren Wohnraumangebot orientieren.“ (hko)

Verwandte Themen: Schülerinnen und Schüler besetzten die Aula eines Gymnasiums in Göttingen; die jungen Demonstrierenden fordern einen Dialog zur Klimakrise. Das von Aktivisten besetzte Gefängnis in der Göttinger Innenstadt ist im Oktober 2022 geräumt worden.

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