Reparaturrechnungen waren gefälscht

Göttingen: Rechtsanwalt wegen Betruges verurteilt

+
Amtsgericht Göttingen: Hier wurde ein Rechtsanwalt wegen Betruges verurteilt. 

Vor dem Amtsgericht Göttingen ist jetzt ein weiterer Prozess um eine groß angelegte Betrugsserie mit gefälschten Verkehrsunfällen zu Ende gegangen. Etwas am Fall war besonders. 

Diesmal waren nicht nur zwei Autofahrer angeklagt, die an einem mutmaßlich fingierten Unfall beteiligt gewesen sein sollen, sondern auch ein Rechtsanwalt.

Dieser hatte gegenüber der Versicherung des angeblich „geschädigten“ Autofahrers Schadensersatzansprüche geltend gemacht. Die von ihm eingereichte Reparaturrechnung war jedoch gefälscht, die Werkstatt existierte nicht mehr. 

Laut Gericht hat der Anwalt das gewusst. Deshalb wurde er nun zu einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je 80 Euro (insgesamt 10 400 Euro) verurteilt; die anderen Angeklagten erhielten Geldstrafen von 90 Tagessätzen zu je 50 beziehungsweise 20 Euro.

Der Drahtzieher soll ein vorbestrafter 65-Jähriger sein

Drahtzieher der Betrugsserie soll ein erheblich vorbestrafter 65-jähriger Mann aus dem Eichsfeld sein, der bereits wegen Bandendiebstählen und Drogenhandels mehrere Jahre in Haft gesessen hat. Er ist in einem Verfahren vor dem Landgericht Göttingen wegen gewerbsmäßigen Betruges angeklagt. 

Er soll Kfz-Versicherungen um mehrere hunderttausend Euro betrogen haben. Um nicht selbst in Erscheinung zu treten, habe er andere Personen als „Scheinhalter“ von Kraftfahrzeugen eingesetzt, die dann ihre angeblichen Schadensersatzansprüche geltend gemacht hätten.

Ein Sachverständiger stellte ein Tacho-Manipulation fest

Die Staatsanwaltschaft hat die jeweiligen Unfallfahrer und Fahrzeughalter gesondert angeklagt. In diesem Fall ging es um einen Auffahrunfall vom Mai 2013 auf der Stadtautobahn Braunschweig. Ein VW Phaeton hatte nach Erkenntnissen der Ermittler einen Motorschaden und war mit einem Abschleppwagen zum ausbaldowerten „Unfallort“ gebracht worden. 

Dort sei dann der Fahrer eines Mercedes auf den Phaeton aufgefahren. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass der 65-Jährige den Mercedes erst kurz zuvor gekauft hatte. Zugelassen wurde das Auto auf den Namen des späteren Unfallfahrers. 

Ein Sachverständiger stellte zudem fest, dass der Tacho manipuliert und die Anzeige um mehr als 100 000 Kilometer zurückgestellt worden war.

Alle Beteiligten haben Rechtsmittel eingelegt

Gegenüber den Versicherungen wurde ein Gesamtschaden von etwa 46 000 Euro abgerechnet. Die Schadensersatzansprüche für den Phaeton soll ein Rechtsanwalt aus dem Raum Magdeburg geltend gemacht haben, der auch schon bei anderen mutmaßlich gefälschten Unfällen eingeschaltet worden sei. 

Das Gericht wertete es nun als strafverschärfend, dass der Rechtsanwalt eine Vertrauensstellung gegenüber der Versicherung gehabt habe, so ein Sprecher.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Alle Beteiligten haben Rechtsmittel eingelegt, auch die Staatsanwaltschaft. Sie hält die Strafen für zu niedrig.  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.