Uni Göttingen reproduzierte Karte von 1798

Historische Karte: Uwe Ohainski (links) und Niels Petersen mit der reproduzierten topographisch-militärischen Karte des Bistums Hildesheim von 1798. Die Karte ist mit 100 mal 130 Zentimetern genauso groß wir das Original. Foto: Schmidt-Hagemeyer

Göttingen. Uwe Ohainski und Niels Petersen vom Historischen Institut der Uni Göttingen freuen sich über ihre neueste Arbeit: eine 100 mal 130 Zentimeter große, farbige Reproduktion der topographisch-militärischen Karte des Bistums Hildesheim von 1798.

„Die Karte ist einfach schön, wenn man sie mit heutigen Karten vergleicht“, sagt Uwe Ohainski. „Darum macht es Spaß, mit ihr zu arbeiten.“ Fasziniert ist auch Niels Petersen von den Details. Gut erkennbar dargestellt sind zum Beispiel Flussauen, Waldgebiete oder Wassermühlen. 150 Mühlen haben die Historiker gezählt. „Daran sieht man deren frühere Bedeutung“, sagt Ohainski. Auch der Straßenverlauf in der Landschaft ist eingezeichnet, die Postwege sind zu erkennen und zum Teil sogar Stadtpläne.

Die roten Zahlen neben den Ortschaften zeigen die Anzahl der Haushalte an und sind ein Indiz für den militärischen Zweck der Karte. Denn anhand dieser Zahlen war zu berechnen, wie viele Leute ein Ort im Kriegsfall hätte unterbringen und versorgen können, erklärt Niels Petersen.

Drohende Invasion 

Ausschnitt: Das Amt Hunnesrük mit Dassel und Markoldendorf gehörte damals nicht zum Bistum Hildesheim, ist aber als Nachbargebiet am Rand der Scharnhorstschen Karte eingezeichnet. Foto: nh

Anlass für die Erstellung der topografisch-militärischen Karte war, dass das Gebiet des Bistums Hildesheim durch die drohende französische Invasion als Aufmarschgebiet für die preußische Armee interessant wurde. Den Auftrag für das Projekt erhielt Oberstleutnant Gerhard Scharnhorst (1755 bis 1813). Nur knapp drei Monate brauchte er mit fünf Ingenieuren für die Vermessung der Landschaft und das Zeichnen der Karte, von der es nur ein Exemplar gab.

Die auf Leinwand aufgezogene Karte lagert heute in der Staatsbibliothek zu Berlin, die das Original für die Reproduktion zur Verfügung stellte. Möglich wurde die Veröffentlichung durch die historische Kommission für Niedersachsen und Bremen, die bereits eine Reihe Nachdrucke topographischer Karten des 18. Jahrhundert herausgegeben hat. Die Reproduktion der Karte des Bistums Hildesheim schließt eine Lücke in diesem Programm.

Wegen weniger beziehungsweise qualitativ schlechter Karten gelte Norddeutschland in Bezug auf historische Karten als rückständig, sagt Uwe Ohainski. Doch wegen der extrem frühen Landvermessung sei die Karte von Scharnhorst für das 18. Jahrhundert besser als viele andere.

Nun ist sie auch gedruckt und zwar farbig und in Originalgröße, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich ein Bild vom Detailreichtum und ihrer Schönheit zu machen. Um Wissenschaftlern die Arbeit zu erleichtern, gibt es eine digitale Fassung auf CD.

Ortsregister 

Das Begleitheft enthält ein Register der Namen von Orten, Flüssen und Bergen, die so leicht auf der Karte zu finden sind. Die fünf Herausgeber - Hans-Martin Arnoldt, Kirstin Casemir, Christian Hoffmann, Uwe Ohainski und Niels Petersen - gehen in ihren Beiträgen zusätzlich auf die kartentechnischen, personellen und politischen Entstehungsbedingungen ein.

Die topographisch-militärische Karte des Bistums Hildesheim von 1798 ist im Göttinger Wallstein Verlag erschienen und kostet 24,90 Euro. (ISBN: 978-3-8353-1667-6.)

Früheste exakte Gesamtvermessung 

Unter Leitung des damals noch in hannoverschen Diensten stehenden Oberstleutnants Gerhard Scharnhorst, des später in Preußen geadelten Heerführers und Militärreformers, entstand 1798 eine „Topographisch-Militairische Charte des Bisthums Hildesheim“.

Dabei handelt es sich um die früheste exakte Gesamtvermessung dieses geistlichen Territoriums, das erst mehrere Jahrzehnte später mit der Gauß’schen Landesaufnahme eine genauere Kartierung erfuhr.

Die Originalkarte, die eine Größe von 130 mal 100 Zentimeter hat und im Maßstab von 1 : 64.000 gezeichnet ist, wird in der Staatsbibliothek zu Berlin verwahrt.

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