Keine fest installierten religiösen Symbole

Uni Göttingen richtet Raum der Stille für alle Religionen ein

+
Ein Ort für alle Studierenden und Beschäftigten: Die Universität Göttingen richtet einen interreligiösen „Raum der Stille“ ein. Der Anteil ausländischer Studierender liegt derzeit bei 12,2 Prozent, der des ausländischen akademischen Personals bei elf Prozent.

Göttingen. Die Universität Göttingen richtet für ihre Studierenden und Beschäftigten im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) einen interreligiösen „Raum der Stille“ ein.

Darin sollen keine fest installierten religiösen Symbole zu sehen sein. Damit wird den Mitgliedern unterschiedlicher Religionsgemeinschaften die Möglichkeit bieten, zu individueller und gemeinschaftlicher Besinnung zusammenzukommen. Ein Künstlerwettbewerb zur Raumgestaltung beginnt noch im Januar.

„Mit diesem Projekt wollen wir unseren Studierenden und Beschäftigten ermöglichen, im zunehmend verdichteten Wissenschafts- und Studienalltag Ruhe und Besinnung zu finden und ihre Religion ausüben zu können“, erläutert Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne, Vizepräsidentin für Internationales der Universität. „Darüber hinaus wollen wir damit auch einen intensiven interreligiösen Dialog fördern. Schon die gemeinsame Projektentwicklung geschah in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts und hat gezeigt, dass die Religionsgemeinschaften in Göttingen in einem guten Dialog stehen.“

Religiöse Gegenstände 

Im Konzept der Kooperationspartner für den besonderen Raum ist für jede Religionsgemeinschaft ein spezieller Wandschrank vorgesehen, in dem die nötigen religiösen Gegenstände und heiligen Schriften gelagert werden können, wie beispielsweise Gesangbuch, Bibel, Koran, Thora oder Gebetsteppich. Die für das Gebet nötige Himmelsrichtung von Mekka oder Jerusalem kann über einen Kompass bestimmt werden. Finanziert wird der Umbau von allen beteiligten Religionsgemeinschaften. Die Hanns-Lilje-Stiftung fördert den Künstlerwettbewerb mit 6000 Euro.

Durch die fortschreitende Internationalisierung der Universität Göttingen ist die Hochschule nicht nur durch eine Vielfalt der kulturellen Prägungen der Studierenden und Beschäftigten gekennzeichnet, sondern auch durch eine zunehmende Pluralität der Religionen. Der Anteil ausländischer Studierender liegt derzeit bei 12,2 Prozent, der des ausländischen akademischen Personals bei 11 Prozent. Entsprechend studieren und lehren heute neben Angehörigen der christlichen Kirchen auch Angehörige jüdischen, muslimischen, hinduistischen, buddhistischen und anderen Glaubens in Göttingen. Dieser Vielfalt möchte die Universität auch mit dem Raum der Stille gerecht werden. Der Raum soll im Laufe dieses Jahres eröffnet werden. (bsc)

Hintergrund: Ein Projekt mit zahlreichen Partnern

Beim Projekt Raum der Stille arbeiten mehrere Partner zusammen. Das berichtet die Universität Göttingen

Realisiert wird der interreligiöse Ort von der Universität mit der Evangelischen Studierenden- und Hochschulgemeinde Göttingen, der Katholischen Hochschulgemeinde Göttingen, der Evangelisch-Reformierten Gemeinde Göttingen, der Liberalen Jüdischen Gemeinde Göttingen und der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Göttingen (Ditib).

Vorschläge für vergleichbare Ruhe- beziehungsweise Gebetsräume hatten auch Studierende 2012 im studentischen Ideenwettbewerb der Universität Göttingen eingereicht. (bsc)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.