Rudolph von Thadden: Großer europäischer Denker starb mit 83 Jahren

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Gestorben: Rudolph von Thadden wurde 83 Jahre alt.

Göttingen. Die Universitätsstadt Göttingen trauert um einen Ehrenmann: Der frühere Rektor der Universität, Prof. Dr. Rudolph von Thadden, ist vergangene Woche gestorben.

Er war Träger der Ehrenmedaille der Stadt Göttingen und des Großen Verdienstkreuzes mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Rudolph von Thadden, der im Göttinger Ostviertel zusammen mit seiner Frau Wiebke wohnte, hat sich große Verdienste um die deutsch-französische Zusammenarbeit und Freundschaft erworben. So war er als Gastprofessor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris tätig. Von 1999 bis 2003 war er Koordinator für die deutsch-französische Zusammenarbeit der Bundesregierung.

1968 war er dem Ruf als ordentlicher Professor an das Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Uni Göttingen gefolgt, wo er bis zu seiner Emeritierung blieb. 1974/1975 war er Rektor der Philosophischen Fakultät in Göttingen und gehörte dem Senat der Westdeutschen Rektorenkonferenz an. In Veröffentlichungen beschäftigte sich von Thadden mit der Geschichte Deutschlands und Europas. Sein besonderes Augenmerk lag dabei auf Frankreich und Polen Der Aussöhnung mit diesen Ländern galt neben dem wissenschaftlichen auch sein politisches Engagement.

Engagiert war der Sozialdemokrat Rudolph von Thadden auch in der Kirche, so als Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Eine Beileidsbekundung kam auch vom Deutschen Evangelischen Kirchentag, zu dem Thadden eine ganz besondere persönliche Beziehung hatte, denn er war der Sohn des Kirchentagsgründers Reinold von Thadden-Trieglaff. Rudolf von Thadden hatte den Kirchentag im Juni 2015 in Stuttgart besucht und dort einen Vortrag über das Wirken seines Vaters gehalten. Mit ihm verliere der Kirchentag einen einzigartigen Menschen, der mit seiner großen geistigen Präsenz die protestantische Laienbewegung geprägt habe, sagte Generalsekretärin Ellen Ueberschär.

Thadden war von 1966 bis 1974 Mitglied und seit 1984 Ehrenmitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Bei seinem Auftritt 2015 widmete sich der Historiker dem Wirken seines Vaters. Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au würdigte den Verstorbenen „als großen europäischen Denker, der mit uns seine Vision geteilt und uns ermutigt hat, über die Grenzen hinaus zu denken“.

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