Uni Göttingen: Schrittmacher bremst Nierenerkrankungen

Zusammenarbeit von Ärzten an der UMG: Von links Privat-Dozent Dr. Rolf Wachter (Klinik für Kardiologie und Pneumologie), Dr. Dieter Zenker (Klinik für Thorax- , Herz und Gefäßchirurgie), Prof Dr. Michael Koziolek und Dr. Manuel Wallbach (beide Klinik für Nephrologie und Rheumatologie). Foto: UMG

Göttingen/Hann.Münden. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben eine Therapie entwickelt mit der das Voranschreiten von Nierenerkrankungen verlangsamt werden kann.

Der Schrittmacher ist ein unter der Haut implantiertes kleines Gerät, das elektrische Signale an die Nervenzellen der Halsschlagader sendet - die so genannten Barorezeptoren. Bei dem seit 2011 an der UMG praktizierten Verfahren aktiviert ein Schrittmacher körpereigene Regelkreise, die den Blutdruck absenken.

Eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Michael Koziolek, Oberarzt der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der UMG, konnte in einer Pilotstudie zeigen, dass durch die Behandlung der Patienten mit der Schrittmachertherapie nicht nur der Blutdruck, sondern auch der Eiweißverlust bei chronisch Nierenkranken über die Nieren um 20 bis 30 Prozent abgesenkt werden kann. Bei einem Teil der 23 Patienten hätten die Blutdruckmedikamente sogar reduziert werden können.

Hintergrund: Wenn die Nieren geschwächt sind, entgiften sie den Körper nicht mehr richtig. Häufig verlieren die Patienten vermehrt körpereigene Eiweiße über den Urin. Wenn die Entgiftungsleistung unter zehn Prozent liegt, muss der Körper durch eine Dialyse, meist durch eine Blutwäsche, unterstützt werden. Die meisten dieser Patienten haben zusätzlich einen schweren Bluthochdruck, der wiederum das Voranschreiten der Nierenerkrankungen begünstigt.

Ein Dialyse-Patient hält die Zu- und Ablaufschläuche für das Blut fest. Foto:Rumpenhorst/dpa

Der Einsatz eines „Blutdruck-Schrittmachers“ sei interessant, sagt Dr. Dr. Alexander Nabokow, Leitender Oberarzt am Nephrologischen Zentrum Niedersachsen in Hann. Münden sowie Bluthochdruckspezialist (Hypertensiologe) am NZN. Für seine Wirksamkeit bei Bluthochdruckpatienten insgesamt und bei Nierenkranken speziell brauche der Schrittmacher aber eine Bestätigung in großen kontrollierten Studien, da vor allem hinsichtlich der Wirkung auf die Nierenfunktion bisher nur sehr wenige und teils unterschiedliche Ergebnisse vorlägen. Eine gute Blutdruckeinstellung sei aber für einen Nierenkranken auf jeden Fall sehr wichtig, so Nabokow.

Diese Einstellung sollte von einem Bluthochdruckspezialisten in zertifizierten Zentren vorgenommen und überwacht werden und sei in den meisten Fällen mit konsequenter Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten zu erreichen. (kri)

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